Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.08.2001 - 

Debakel im Endkundengeschäft zeichnet sich ab

HP nimmt weniger ein und entlässt 6000 Mitarbeiter

MÜNCHEN (CW) - Der IT-Konzern Hewlett-Packard (HP) tritt die Kostenbremse: Rund 6000 der weltweit 93000 Mitarbeiter sollen entlassen werden. Grund ist der Umsatzrückgang im vergangenen Quartal (Ende: 31. Juli), der höher ausfallen wird, als bisher erwartet worden war.

Von Blessuren kann bei HP keine Rede mehr sein, die globale Stagnation reißt inzwischen tiefe Wunden. Der Konzern hat in der vergangenen Woche davor gewarnt, dass der Umsatz im dritten Fiskalquartal um 14 bis 16 Prozent hinter den Prognosen zurückbleibt. Statt der erhofften 11,6 Milliarden Dollar setzte das Unternehmen voraussichtlich nur etwas mehr als zehn Milliarden Dollar um. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum hatte HP noch 11,8 Milliarden Dollar eingenommen. Die genauen Quartalszahlen will der Konzern erst am 16. August vorstellen.

Damit warnte HP bereits zum dritten Mal davor, die Erwartungen im gerade abgelaufenen Fiskalquartal nicht erfüllen zu können. Seit Januar 2001 handelt es sich um die insgesamt sechste Warnung des Unternehmens. Der Grund für das schlechte Abschneiden liegt laut HP-Chefin Carleton Fiorina in der schleppenden Entwicklung der globalen Wirtschaft. Die schwachen Vorgaben der USA hätten inzwischen auch Europa erreicht, zudem sei es durch den starken Dollar zu weiteren Einbußen gekommen: "Alle Regionen laufen schlecht. Es gibt keine Ausnahmen", so Fiorina über die Flaute der globalen Nachfrage.

Zum größten Sorgenkind entwickelte sich das Privatkundengeschäft, wo sich die Einnahmen mit PCs und Druckern im Vergleich zum Vorjahresquartal um 24 Prozent reduziert haben. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, befürchten Analysten, dass auch HPs Goldmine, der Verkauf von Druckerpatronen und -zubehör, mittelfristig erschöpft sein wird. Zwar wuchsen das Outsourcing-Business um 20 Prozent und der Beratungsbereich um neun Prozent; um das Minus der Gerätesparte zu kompensieren, reichen aber die Umsätze durch Services noch nicht aus. Fazit: Die Ende 1999 eingeleitete Umstrukturierung des Konzerns kam zu spät für die Wirtschaftskrise.

Daher war auch HPs Ankündigung, die Belegschaft zu reduzieren, wenig überraschend. Rund 6000 Mitarbeiter sollen gehen, insgesamt 6,5 Prozent der weltweit 93000 HP-Angestellten. Pikant dabei ist, dass erst einige Tage zuvor mehr als 80 Prozent der Belegschaft freiwillig für vier Monate auf zehn Prozent ihres Gehalts oder acht Urlaubstage verzichtet hatten - um weitere Entlassungen zu vermeiden. Dies bringt dem angeschlagenen Konzern kurzfristig etwa 130 Millionen Dollar für seinen Jahresabschluss Ende Oktober ein; zusätzliche 500 Millionen Dollar, zwei bis vier Prozent der Gesamtkosten, sollen jährlich durch die Kündigungen eingespart werden.

Seit vergangenem Januar hat HP etwa 4500 Stellen im Marketing und im Management gestrichen, die meisten Beschäftigten wurden allerdings intern anderweitig eingesetzt. Da selbst Fiorina nicht mehr von einem Anstieg der Nachfrage in diesem Jahr ausgeht, sind weitere Einschnitte beim Personalstamm absehbar, auch wenn dies von der deutschen HP-Sprecherin Jeannette Weißschuh dementiert wird. Allerdings geht sie davon aus, dass in den nächs-ten Monaten weitere langfristige Sparmaßnahmen eingeleitet werden, die die Strukturen des Konzerns betreffen.

Laut Weißschuh ist gegenwärtig noch nicht klar, wie sich der Stellenabbau auf die knapp 6000 Mitarbeiter in Deutschland auswirken wird. Prozentual betroffen wären rund 350 bis 400 Arbeitnehmer, dies sei jedoch reine Spekulation, denn das Management werde hierzulande versuchen, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Den zeitlichen Ablauf - erst der Aufruf zum freiwilligen Verzicht, dann einige Tage nach der Entscheidung der Mitarbeiter die Entlassungen - bezeichnete Weißschuh als "ungünstige Kommunikation" des Konzerns.