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27.12.1991 - 

MPE über Posix für Unix geöffnet

HP-RISC-Systeme sind eine echte Alternative zu IBMs Mainframe

BÖBLINGEN/MÜNCHEN (jm) - Hewlett-Packard setzt bei der Offensive gegen die IBM-Großrechner-Welt auf vier neue Modelle für die Unix-Linie und drei für die MPE-Familie. Flankierend bietet der Minicomputer-Hersteller Software von CA und anderen Anbietern, die Mainframe-Charakteristika aufweisen. Genauso wichtig ist die nunmehr erfolgte Öffnung des proprietären MPE-Betriebssystems - jetzt "MPE/ix" - hin zu Unix durch eine Posix-Schnittstelle (Vgl. CW Nr. 51 vom 20. Dezember 1991, Seite 1).

Ganz offensichtlich scheint Unix für HP nicht mehr nur ein Lendenschurz zu sein, mit dem man allzu offensichtliche Blößen bedecken will. Den Äußerungen der Kalifornier ist zu entnehmen, daß das Multi-User-System Top-Priorität besitzt. Mit der HP 9000 Serie 800 will man nach Worten von Axel Lange, dem HP-Leiter für das Vertriebsmarketing Computersysteme, weiterhin die Nummer eins unter den Unix-Anbietern in Europa bleiben. Nach einer Dataquest-Studie brachte HP 1990 in Europa Unix-Rechner für 1,3 Milliarden Mark an den Anwender, Sun (0,9), SNI (0,6), die IBM (0,5) und Digital Equipment (0,4) folgen mit mehr oder weniger deutlichem Abstand auf den Plätzen.

In bezug auf ihre HP-3000-Linie rechnen die HP-Leute selbstbewußt vor, welche Figur die halboffenen MPE-Rechner im direkten Vergleich mit IBM-Mainframes machen und was Unternehmen durch die Umstrukturierung ihrer zentralen EDV einsparen können - Big-Blue-Domänen anzugehen, so hat es den Anschein, ist zumindest für Hewlett Packard kein Sakrileg mehr.

So zitieren die Zöglinge von Bill Hewlett und Dave Packard das Beispiel des Kunden Foxboro Company aus den USA, der seinen Gerätepark von drei Großrechnern, verschiedenen Minis und 200 PCs umstellte auf nur noch einen Mainframe sowie HP-3000-Systeme und 2000 PCs.

Nach HP-Angaben hat sich die Konzentration auf Servergestützte Systeme (von 1987 auf 1991) gelohnt: Die Kosten für jährliche EDV-Aufwendungen seien von 27,7 Millionen Dollar 1987 um 45 Prozent auf 15,1 Millionen im Geschäftsjahr 1991 zurückgegangen, an Personaleinsparungen sei gegenüber 1987 (225 Personen) ein Rückgang auf 115 Beschäftigte zu verzeichnen gewesen.

Der Jeanshersteller Levi Strauss International dient dem mit Oszillator- und Voltmeter-Entwicklungen bekannt gewordenen Computerhersteller als Beleg dafür, daß man mit der Konvertierungs-Software "Conveyor" der Infosoft GmbH, Dortmund, die Migration etwa von MVS-Rechnern mit CICS/Cobol und IBMs Datenbank DB2 auf HPs 3000-Rechner unter MPE - das über die Posix-Schnittstelle nun nach Unix offen ist - und VPlus/Cobol sowie die Allbase-Datenbank verwirklichen kann.

Bei offenen Systemen und Client-Server-Topologien verläßt sich HP sowohl beim MPE- als auch Unix-basierten (HPUX) Hardware-Park auf die eigenentwickelten PA-RISC-Prozessoren. Zu dem Einprozessor-Rechner HP 3000 Modell 980/100 und dem mit zwei CPUs ausstaffierten Modell 980/200 gesellen sich nun die ebenfalls in symmetrischer Multiprozessor-Technologie ausgelegten Modelle 980/300 (drei CPUs) und 980/400 (vier CPUs).

Die 3000-Rechner positioniert HP als Ersatz von großrechner-basierten Systemen, die überwiegend für OLTP- und kaufmännische Datenverarbeitungsaufgaben eingesetzt werden. Vom Einprozessor-980-Modell kann der Anwender nach Angaben des Unternehmens durch zusätzliche Prozessorplatinen eine maximale Leistungssteigerung um den Faktor 3,6 erzielen.

Interessant werden die MPE-Rechner nicht nur wegen der von HP reklamierten niedrigen Beschaffungs-, Betriebs- und Wartungskosten sowie wegen des niedrigen Energieverbrauchs und geringen Platzbedarfs. Vor allem die Öffnung des proprietären MPE-Betriebssystems für Unix über die Posix-Schnittstelle stellt die Weichen nicht nur für Unix-Anwendungen, sondern auch für die Option, herstellerübergreifende DV-Verbundlösungen in Unternehmen zu realisieren.

Der ab sofort lieferbare MPE/ix-Entwickler-Satz enthält Posix 1003.1, NFS sowie Portierungstips und eine MPE/Unix-Kreuzreferenz. Das Endanwender-Release von Posix für HP-3000-Systeme wird nach HP-Mitteilung voraussichtlich im Juni kommenden Jahres verfügbar sein.

Auch bei den vorkonfigurierten Nova-Rechnern der HP-3000-Serie-9X7-Familie - erst im Juni 1991 hatte HP diese Einstiegs- und Mittelklasse-Systeme vorgestellt (Vgl. CW Nr. 26 vom 28. Juni 1991, S. 21: "HP setzt neue...") - gab es mit Modell 977 Zuwachs. Das Leistungsniveau kann auch innerhalb dieser Systemfamilie durch Prozessoraustausch angehoben werden.

Die Unix-Linie der HP-9000-Familie wartet nun neben den ab Januar 1992 für etwa 260 000 (867S) beziehungsweise 320 000 Mark (877S) teuren Nova-Rechnern "867S" und "877S" mit den neuen Top-Rechnern HP 9000 Modell 300 und 400 der Serie 870S auf. Bei TPC-A- Tests durch das Transaction Processing Performance Council (TPC) erzielte die Spitzenmaschine 870S/400 173 Transaktionen/s. Die Kosten in Dollar pro Transaktion belaufen sich bei dem Top-Modell der 9000/870S-Reihe auf 14 837. Mit den Mehrprozessor-Rechnern, die etwa 990 000 bis 1,2 Millionen Mark kosten, sollen vor allem kommerzielle Marktsegmente abgedeckt werden.

Bernard Guidon, General Manager von HPs General Systems Division, versuchte einen Seitenhieb auf die IBM, als er vorrechnete, daß die 870S/400 für etwa die Hälfte des Preises einer ES/9000-320 bis zu 2000 Benutzer unterstützen könne.

Mit der Markteinführung der HP-9000-Modelle im ersten Quartal des kommenden Jahres soll auch die "Unicenter"-Software von der Computer Associates International Inc. (CA) auf den Unix-Rechnern verfügbar sein. Unicenter entspricht Dienstleistungsmerkmalen, wie sie bislang eher von Mainframe-Software gewohnt war. Auch die Cincom Systems Inc. und die Information Builders Inc. wollen in Kürze Software mit Großrechnercharakteristika auflegen.

Gerade dieser Aspekt dürfte von Bedeutung sein, stellt man die Leistung von HPs Mainframe-Alternativen denen vergleichbarer Rechner etwa der Pyramid Technology Corp. gegenüber. Mit Management-Software im Stil der Großrechnerwelt wie der von CA kann Pyramid noch nicht aufwarten.

Judith Hurwitz, Redakteurin der Zeitschrift "Unix in the Office", glaubt, daß HP auch mit den 9000-Systemen der IBM ein Bein stellen könnte: "Mit den Rechnern ist es für DV-Manager ungefährlicher geworden, Mainframes auszumustern."

Ein Problem stellt sich der Hewlett-Packard-Erfolgsstory allerdings noch in den Weg: Zwar verweist HP-Manager Lew Platt auf mehr als 50 US-User, die mittlerweile Mainframe-Anwendungen auf HPs Top-Rechner portiert hätten. Doch obwohl Analysten sich über HPs Preis-Leistungs-Vorteile gegenüber Big Blues Angebot einig sind, geben sie doch zu bedenken, daß IBMs Reputation immer noch ein starkes Kaufargument sei. Resümiert Michael Goulde, Berater bei der Open Systems Advisors Inc. in Boston: "Viele Leute zögern noch, ihren Mainframes den Todesstoß zu versetzen.

Schließlich präsentierte HP für ihre HP-3000- und 9000-Systeme auch noch Festplattensubsysteme auf Disk-Array-Basis, die miteinander und mit der Zentraleinheit über Lichtwellenleiter (größte Entfernung 500 m) verbunden werden können. Bis zu acht Arrays lassen sich zu maximal 5,44 GB verbinden.