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06.04.1990 - 

Computerhersteller agiert zunehmend aggressiv mit Komplettangeboten

HP rundet Produktpalette mit fehlertolerantem Unix-System ab

FRAMINGHAM/MÜNCHEN (CW) - Was noch im Januar versprechen war, kann jetzt vom Kunden erworben werden: Fehlertolerante Unix, Rechner von HP auf Basis von Hardware der Sequoia Systems Inc., in die sich HP im Februar 1989 mit einem zehnprozentigen Anteil eingekauft hatte.

Die HP-Maschinen unterscheiden sich von den Sequoia-Rechnern im wesentlichen durch Software-Erweiterungen wie etwa im Netzwerk-Kommunikationsbereich. Allerdings muß man mit Preisen rechnen, die zwischen fünf und 15 Prozent über denen des Unternehmens aus Marlborough, Massachusetts, liegen. In der Bundesrepublik Deutschland wird man die Rechner allerdings möglicherweise erst in einem Jahr anbieten. Man wolle erst einmal die Reaktion auf dem US-amerikanischen Markt abwarten, meinte Peter Alef, Sales Development West Germany. Außerdem gäbe es ein Kompatibilitätsproblem: "Unsere Kunden, die die HP 9000-800 nutzen, können nicht ohne weiteres auf die neuen Modelle umsteigen."

Die Rechner mit der Bezeichnung Modell 1240 sind mit dem Motorola-68030-Prozessor ausgestattet. Bis zu 64 dieser CPUs können zu einem Gesamtsystem konfiguriert werden, wobei die Rechenleistung laut Unternehmensangaben 20,9 Transaktionen pro Sekunde und Prozessor betragen soll. im Vergleich hierzu bietet das am Faschingsdienstag in Paris vorgestellte fehlertolerante Rechnersystem der Digital Equipment Corp., die VAXft 3000, neun Transaktionen. Weiterhin konkurrieren auch noch die Stratus Computer Inc. und die Tandem Computer Inc. um heißumworbene Kunden aus dem Banken-, Versicherungs- sowie dem Telekommunikationssektor. Laut Alef kapriziere man sich allerdings mit dem Modell 1240 vollkommen auf den Telekommunikationsbereich, da man in den anderen Industriebereichen keine so großen Chancen sehe.

HP kündigte weiterhin an, daß man Intels RISC-Chip 860 als Coprozessor in seine Grafikworkstations einbauen werde. Die Rechner, welche HP-Unternehmensangaben zufolge Ende des Jahres auf dem Markt einführen will, sollen mit mehreren dieser Hochleistungsgrafikprozessoren - jeder erreicht theoretisch eine Maximalleistung von 40 MIPS und 80 Mflops - ausgerüstet werden.

Die zunehmende Bedeutung von Unix unterstreicht man bei HP durch die Bekundung, die proprietäre "New Wave"-Oberfläche an Unix anzunähern beziehungsweise Software, die unter dieser Oberfläche läuft, auch für das Multiuser-Betriebssystem verfügbar zu machen. Im August will man die hierzu entwickelte grafische Benutzerschnittstelle Visual User Environment (VUE) vorstellen. Obwohl VUE wie die "New Wave"-Applikationsschnittstelle aussieht, kann man dennoch nicht von "New Wave" unter Unix sprechen, sondern lediglich Charakteristika der HP-Oberfläche für die VUE-Shell nutzen. "New Wave" stellt dein Anwender neben der grafischen Benutzeroberfläche Entwicklungsmöglichkeiten für Applikationen und Schnittstellen zu anderen Softwareplattformen zur Verfügung.

Visionen und Konzepte

Computerunternehmen gehen dazu über, nach außen den Eindruck zu erwecken, ihr Angebot sei rund und umfassend. Die IBM schließt mit dem RISC-System 6000 ihre Workstation-Lücke in der Angebotspalette. DEC umwirbt mit fehlertoleranten Systemen neue Kundenkreise. Compaq hingegen will sein PC-Territorium auf den Midrange-Bereich ausweiten.

HPs fehlertolerante Rechner - von Sequoia Computers schon seit längerem vertrieben - sollte man unter diesem Aspekt mehr als strategisches Objekt denn als neu bezeichnen. Die Leute aus Palo Alto wollen dem Kunden signalisieren, daß man auf vielen Hochzeiten mittanzt. Ob damit schon überzeugend belegt ist, daß sie Lösungen präsentieren können, sei dahingestellt. Von dem umfassenderen Anspruch, komplette Kommunikationsstrukturen zusammen mit Hardwarekonzepten zu vermerkten, ist man nicht nur bei HP noch entfernt. Erst auf der CeBIT rekapitulierte Pier-Carlo Falotti, Vice-President der Digital Equipment Corp. International, die Evolutionsgeschichte der DV-Industrie: Die Pionierzeit sei geprägt worden von Boxenverkäufern" Nächste Stufe im DV-Entwicklungsplan müßten Lösungsangebote sein, im besonderen unter dem Aspekt globaler Informationsvermittlung. Danach würde es nicht mehr ausreichen, nur mehr Hardware zu liefern. Heutzutage bedeute DV-Management, sich um Unternehmenskonzepte zu kümmern, die den Firmen-Informationsfluß im weitesten Sinn im Auge behalten. Letzter Schritt im Reifeprozeß der DV-Landschaft ist laut Falotti die Vermarktung von Knowledge.

Bis es so weit ist, werden manche Unternehmen durch Zukäufe hoffen, Visionen zu erfüllen, die ihre Konzepte nicht verwirklichen. jm