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26.09.2006

HP-Schnüffelskandal: Gerät Hurd in Gefahr?

Mark Hurd, Chef von Hewlett-Packard (HP), hat eingestanden, in die Bespitzelungen von Journalisten und Unternehmensangehörigen involviert gewesen zu sein. Die Vorsitzende des HP-Direktoriums, Patricia Dunn, trat mit sofortiger Wirkung zurück.

Auf einer Pressekonferenz am 22. September 2006 hat Hurd zugegeben, von den Schnüffeleien gewusst zu haben. Für entsprechende Spekulationen in diese Richtung hatte es bis zu diesem Zeitpunkt keine Bestätigung gegeben. Außerdem teilte Hurd mit, dass Dunn sofort von ihrem Amt als Direktoriumsvorsitzende zurücktritt. Dieser Schritt war bislang erst für Anfang 2007 vorgesehen gewe- sen. Dunn sagte, das Direktorium habe sie aufgefordert, zurückzutreten. Hurd wird mit seinem Posten als Chief Executive Officer (CEO) in Personalunion auch den Board-Vorsitz übernehmen.

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Die Suche nach dem Maulwurf

HP hatte 2005 die Sicherheitsfirma Security Outsourcing Services Inc. (SOS), aus Needham im US-Bundesstaast Massachusetts beauftragt, die undichten Stellen in HPs Topmanagement und im Verwaltungsrat ausfindig zu machen. HP hat dies erstmals öffentlich bestätigt. Zwei Monate, nachdem SOS seine Tätigkeit aufgenommen hatte, schaltete sich auch HPs Global Security Division in die Ermittlungen ein. Bis Juli des vergangenen Jahres konnte aber der Maulwurf, der Interna im Zusammenhang mit der Entlassung der ehemaligen Firmenchefin Carleton Fiorina im April 2005 an Medien weitergegeben hatte, nicht gefunden werden.

Als im Januar 2006 erneut Informationen über ein vertrauliches Board-Meeting an die Öffentlichkeit gelangten, gab HP eine zweite Untersuchung in Auftrag, die wiederum SOS und die Global Security Division erledigten.

Board-Chefin Dunn, HP-CEO Hurd, HPs Chefsyndikus Ann Baskins und Jim Fairbaugh, Leiter von Global Security, erklärten sich nach den jetzt vorliegenden Informationen alle einverstanden mit der zweiten Untersuchung. Dunn und Baskins wurden in den folgenden drei Monaten ständig über die laufenden Ermittlungen auf dem neuesten Stand gehalten, sagte Mike Holston. Holston ist Anwalt in der Kanzlei Morgan, Lewis & Bockius LLP. Er wurde am 8. September 2006 von HP beauftragt, die Vorgänge um die Schnüffelpraktiken aufzuarbeiten.

Holston gab ferner zu Protokoll, es sei mittlerweile klar, dass HP sowohl interne E-Mails als auch Instant Messages habe kontrollieren lassen. Außerdem seien Mitglieder des HP-Boards und mindestens ein Journalist überwacht worden. Die professionellen Schnüffler hatten sich als HP-Angestellte ausgegeben, um an Telefondaten von Mitarbeitern und Journalisten zu kommen. Darüber hinaus seien verschiedene Personen beschattet und mit Videokameras gefilmt worden, um Treffen von Pressevertretern und Maulwürfen zu dokumentieren, berichtete das "Wall Street Journal" bereits vor den jetzt offiziellen Darstellungen von HP und von Holston. Der Rechtsbeistand der beauftragten Sicherheitsfirma SOS, so Holston weiter, habe gegenüber den Auftraggebern versichert, dass die angewandten Praktiken legal seien.

Schnüffelaktionen

Im Zuge der Schnüffelaktion teilte Tony Gentilucci, ein Mitarbeiter von HPs Global Security Division und Mitglied des firmeninternen Untersuchungsteams, der Sicherheitsfirma SOS die Sozialversicherungsnummer (Social Security Number) eines HP-Angestellten mit. SOS wiederum übergab diese und weitere Sozialversicherungsnummern anderer HP-Mitarbeiter an die Action Research Group. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Privatdetektei, die in Melbourne, Florida, beheimatet ist. Action Research benutzte diese Informationen, um unbefugt Zugang zu privaten Telefondaten zu bekommen. Auch die Beteiligung von Action Research ist von HP erst jetzt offiziell bestätigt worden.

Holston berichtete darüber hinaus, dass die Schnüffler einem "Cnet"-Reporter eine E-Mail von einem fiktiven HP-Mitarbeiter sandten. Diese elektronische Post beinhaltete einen versteckten Anhang. Mittels dieses so genannten Tracers wollten die Spione ausfindig machen, wen der Journalist kontaktieren würde. Auf diese Weise sollte die undichte Stelle bei HP gefunden werden. In einem Artikel der "Washington Post" vom 21. September 2006 wurde die Identität des ausspionierten Reporters gelüftet. Es handelt sich um Dawn Kawamoto. Holston sagte, man könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, ob der Tracer tatsächlich aktiviert wurde. HP-Chef Hurd hatte in seiner Rede vom 22. September zugegeben, die Versendung der gefälschten E-Mails gebilligt zu haben. Allerdings habe er nicht gewusst, dass hierbei ein Tracer benutzt worden sei.

Holston sagte schließlich, man habe auch erwogen, als Putzkolonne getarnte Spione in die Redaktionen von "Cnet" und des "Wall Street Journal" zu schicken. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass diese Undercover-Aktion jemals ausgeführt worden sei.

Im März 2006 präsentierten die Investigatoren schließlich einen Bericht, in dem der Maulwurf genannt wurde. Es handelte sich um Board-Mitglied George Keyworth. Dieser räumte nach seiner Enttarnung ein, mit Medien in Kontakt gestanden zu haben. Er ist nach anfänglichem Zögern bereits aus dem Direktorium ausgeschieden.

Fragen beantwortete Hurd bei der Pressekonferenz nicht. Er sagte, es sei notwendig gewesen, die undichte Stelle ausfindig zu machen. Er hielt ausdrücklich seine Hand über Dunn. Sie habe im Interesse der Firma gehandelt.

Auch die SEC ermittelt

Hurd fuhr fort, dass immer noch Fakten der firmeninternen Ermittlungen zusammengetragen werden müssten. Einen entsprechenden Ergebnisbericht habe er noch nicht gelesen. Eine unabhängige Überprüfung der zurückliegenden Vorgänge solle weitere Klarheit bringen, sagte der HP-Chef.

Hurd soll demnächst vor dem Unterausschuss für Energie- und Handelsfragen des Repräsentantenhauses aussagen. Neben der Justiz ermittelt mittlerweile auch die US-Börsenaufsicht Securities Exchange Commission (SEC). Sie hat Informationen unter anderem zum Rücktritt des weiteren Direktoriumsmitglieds Thomas Perkins eingefordert. Perkins war aus Protest gegen die möglicherweise gegen geltendes Recht verstoßenden Schnüffelaktionen von HP zurückgetreten.

Muss Hurd gehen?

Die Meinungen von Analysten und Branchenexperten zum Eingeständnis von Hurd, in die Affäre verwickelt zu sein, gehen auseinander. Einige Beobachter glauben, dass der HP-Chef aus dieser Sache nicht unbeschadet herauskommen wird. Shaw Wu von American Technology Research etwa ist der Meinung, "dass wir noch nicht alle Antworten haben". Gartner-Analyst Martin Reynolds sagte demgegenüber: "Ich erwarte nicht, dass dabei irgendetwas herauskommt." Das laufende Geschäft von HP dürfte von dem Skandal unberührt bleiben, fügte er hinzu. (jm)