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28.06.1991 - 

Konzentration auf RISC-Architektur

HP setzt neue Maßstäbe im Wettbewerb um mittlere Systeme

MÜNCHEN (zek) - Durch Erfahrungen im Workstation- und Laserdrucker-Sektor bestärkt, hat Hewlett-Packard jetzt eine Reihe neuer Minicomputer zu regelrechten "Kampfpreisen" vorgestellt. Die neuen Rechner der Serien 3000 und 9000 basieren auf dem HP-eigenen RISC-Chip PA (Precision Architecture) und zeichnen sich besonders durch extreme Miniaturisierung aus. Die Grundkonfigurationen sind in einem lediglich PC-großen Gehäuse untergebracht.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist bei HP deutlich besser als das der Hauptwettbewerber IBM und Digital: Teilweise sind die neuen HP-Rechner rund 50 Prozent günstiger, andere bieten die doppelte Leistung zu gleichen Preis (siehe CW Nr. 25 vom 21. Juni, Seite 4: "HP läutet neue Preisrunde..."). Die günstigen Preise sind nach Aussage von Robert Hoog, General Manager Computer Systems Europe, keine Dumping-Preise, sondern ein faires Angebot an die Käufer.

Anstatt wie andere Anbieter Preise für Systeme von einem Tag auf den anderen um rund die Hälfte zu senken, wolle man bei HP die Geräte von vornherein zu einem angemessenen Preis anbieten. Hoog spielte damit offensichtlich auf Preisnachlässe an, die die IBM seit einigen Wochen für einige Modelle der Workstation-Serie RS/ 6000 gewährt, was unter IBM-Kunden für einige Verärgerung gesorgt hat.

Insgesamt handelt es sich um 16 neue Modelle, zehn erweitern die proprietäre Systemfamilie 3000, die übrigen sechs die Unix-Serie 9000.

Durch kompakte Bauweise und Miniaturisierung wurde es möglich, die neuen Rechner in Gehäusen unterzubringen, die nicht viel größer als ein handelsübliches Deskside-PC-Gehäuse sind. Anwender, die einen besonders großen Peripherie-Aufwand im Systemgehäuse benötigen, können bei den Modellen mit höherer Leistung auch ein etwas größeres Gehäuse wählen. Sämtliche Rechner sind vorkonfiguriert: Die Anwender können den Computer sofort nach Lieferung in Betrieb nehmen und damit arbeiten ("plug-and-play").

Alle Systeme verfügen über neue integrierte Festplatten mit der doppelten Kapazität der bisherigen HP-Laufwerke. Zu den wesentlichen Leistungsmerkmalen gehören nach Herstellerangaben automatischer Wiederanlauf nach Stromausfall, Datenredundanz durch Disk-Mirroring und integrierte DAT-Laufwerke zur Datensicherung.

Einsatzgebiete für beide Rechnerfamilien sind kommerzielle DV-Aufgaben in kleinen bis mittleren Unternehmen sowie in Abteilungen und Niederlassungen großer unternehmensweiter Netzwerke. Mit den jetzt vorgestellten Rechnern will HP seine europäische Führungsposition im Unix-Markt und das Wachstum im Bereich der mittleren Systeme sicherstellen.

So hat Hewlett-Packard nach Angaben des Marktforschungshauses Dataquest im Jahr 1990 in Europa Unix-Rechner für 1,3 Milliarden Dollar ausgeliefert. Auf den Plätzen folgen Sun (0,9 Mrd), SNI (0,6 Mrd), IBM (0,5 Mrd) und DEC (0,4 Mrd).

Im Bereich Mittlere Systeme konnte HP im vergangenen Jahr zwar nur den fünften Platz belegen. Dem Unternehmen gelang es aber in diesem Markt, der insgesamt nur um zwei Prozent wuchs, eine Wachstumsrate von 13 Prozent erreichen.

HP-Manager Hoog ist optimistisch, daß man in diesem Jahr hier um mindestens einen weiteren Platz vordringen werde. Marktführer in diesem Bereich ist die IBM mit einem Anteil von 23 Prozent und einem 1990er Wachstum von fünf Prozent.

Es folgt Digital mit 13 Prozent Marktanteil, aber einem Einbruch beim Wachstum von minus fünf Prozent. Bull konnte bei einem Prozent Wachstum seinen Anteil von neun Prozent am Markt halten, während SNI nach Dataquest-Angaben sechs Prozent Marktanteil bei Verlusten von 17 Prozent hat.

Die Mehrplatzsysteme der Serie 3000/900 sind für Arbeitsplatzumgebungen von acht bis 250 Benutzern konzipiert. Der

Preisrahmen reicht von etwa 40 000 Mark für das Einstiegssystem 3000/917LX bis zur rund 500 000 Mark für das Top-Modell 3000/967 (siehe Tabelle). Hewlett-Packard setzt auf die Wettbewerbsfähigkeit dieser Produkte, indem die Geräte zu günstigen Preisen angeboten werden. So kostet eine "Transaktion pro Sekunde" (tps) beim Modell 947 knapp 15 000 Dollar. Bei den Hauptwettbewerbern AS/400 D60 und VAX 6000/510 muß man 21 000 beziehungsweise 27 500 Dollar pro tps bezahlen. Alle drei Rechner leisten rund 33 tps.

Weniger Geld für die gleiche Leistung

Anders sehen die Vorteile bei den neuen Unix-Rechnern aus. Hier zahlt der Anwender nicht weniger für die gleiche Leistung, sondern bekommt rund die doppelte Leistung der Wettbewerber fürs gleiche Geld. Als Hauptkonkurrent sieht man bei HP hier die IBM-Workstation RS/6000. So leistet der HP-Rechner 9000/817 für 16 Benutzer rund 30 tps, während das entsprechende RS/6000-Modell 320 16 tps bringt. Beide Systeme kosten etwa 50 000 Mark. Bei den Spitzenmodellen für je zirka 250 000 Mark leistet HPs Modell 9000/857 44 tps und IBMs RS/6000 Modell 550 32 tps.

Die Unix-Server sind nach HP-Angaben darüber hinaus ein Wettbewerbsprodukt für Mehrplatz-PCs. Auch hier werde ein günstigeres Preis-Leistungs-Verhältnis geboten. Analysten wie Lars Christian Mieritz von IDC England bewerten die neuen HP-Maschinen durchweg positiv: Durch die Konzentration auf die RISC-Architektur und intelligentes Produktionsmanagement könne Hewlett-Packard dem Anwender ein Preis-Leistung-Verhältnis bieten, das es bis jetzt noch nicht gegeben hatte. Außerdem sei HP das erste Unternehmen, daß RISC-basierende Unix-Server gegen Intel-basierende Maschinen positioniert.

Parallel zu den neuen Systemen kündigte HP auch ein Programm zur Leistungssteigerung durch Platinenwechsel beim Anwender an. Die Preise der bisherigen Upgrade-Pakete wurden um 20 bis 40 Prozent gesenkt. Die neue Software "Datacommunications Terminal Controller (DTC) Manager" Release 10.5 ermöglicht nach HP-Angaben die Realisierung heterogener, offener und herstellerübergreifender Vernetzungslösungen mit Zugriff auf alle Netzkomponenten von Herstellern die via TCP/IP miteinander kommunizieren können.

Um neuen Anwendern den Wechsel zu HP schmackhaft zu machen, nimmt das Unternehmen ab sofort Fremdsysteme in Zahlung. Je nach Volumen der Neuinstallation und Wert der Alt-Anlage zahlt HP bis zu 21 000 Mark.