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19.09.2006

HP-Spitzelskandal offenbart brisante Details

19.09.2006
Der Konzern hat die Angelegenheit offiziell beendet, doch die Presse gräbt weiter.

Im Skandal um die Bespitzelung von Mitgliedern des eigenen Verwaltungsrats hat Hewlett-Packard (HP) mit dem für Januar 2007 angekündigten Rücktritt von Chairwoman Patricia Dunn die Angelegenheit zumindest offiziell beigelegt. Jedoch sickern jeden Tag weitere Details an die US-Presse durch - vor allem an das ebenfalls bespitzelte "Wall Street Journal". Angesichts der erstaunlich guten Informationslage der Zeitung sowie einiger anderer Medien stellt sich zunehmend die Frage, ob HP das Leck im Board tatsächlich stopfen konnte.

Neben insgesamt neun Journalisten und den Mitgliedern des Verwaltungsrats hat HP den neuesten Erkenntnissen zufolge mindestens auch zwei eigene Mitarbeiter mit fragwürdigen Methoden überwacht, um deren Kontakte zur Presse zu überprüfen. Dabei handelt es sich um die Pressesprecher Michael Moeller sowie Brigida Bergkamp. Moeller gab an, dass sich Dunn und CEO Mark Hurd persönlich bei ihm entschuldigt hätten. Beide Sprecher wollen das Unternehmen offiziellen Aussagen zufolge nicht verlassen. Zudem berichten US-Medien, dass in mindestens einem Fall versucht wurde, Überwachungssoftware per Mail-Anhang auf dem Computer eines Journalisten zu installieren. Der Versuch sei aber fehlgeschlagen.

Interne Warnung ignoriert

Auch muss ein Mitarbeiter der Abteilung Konzernsicherheit in Kalifornien bereits während der laufenden Untersuchung seinen Vorgesetzten per E-Mail darauf hingewiesen haben, dass die Vorgehensweise möglicherweise illegal ist. Externe Ermittler hatten sich unter falschem Namen und mit der Sozialversicherungsnummer die Einzelverbindungsnachweise der Bespitzelten beschafft. Dieses Vorgehen nennt sich in den USA "Pretexting" und ist nicht in allen Bundesstaaten illegal. Was mit der internen E-Mail des ehemaligen FBI-Agenten geschah, ist ebenso wenig bekannt wie der genaue Zeitpunkt der Warnung. Ermittler dürften sich jedoch dafür interessieren, denn sie wollen herausfinden, wann die Entscheidungsträger im HP-Management von den Methoden der externen Ermittler erfahren haben.

In jedem Fall wird HP noch längere Zeit an der Last zu tragen haben, denn neben den Medien befassen sich verschiedene lokale und nationale Staatsanwaltschaften, die Bundespolizei FBI, die Börsenaufsicht SEC sowie der US-Kongress mit den Ermittlungsmethoden. Ein Ausschuss hat HP-Manager zum Rapport eingeladen - nicht jedoch vorgeladen. Der Konzern wollte sich nicht dazu äußern, ob die Mitarbeiter auf der Anhörung aussagen werden.

Eher bedeckt hält sich derweil HPs CEO Hurd, der aus der Angelegenheit als Gewinner hervorgeht: Ihm wird im Januar der Vorsitz des Verwaltungsrats angetragen. Damit gilt der Versuch als gescheitert, die Vorstände und Boards in den USA zu entflechten. HP war nach der Entlassung von Carleton Fiorina einer der wenigen Konzerne, in denen die Posten des CEO und des Chairman nicht in Personalunion ausgeübt wurden. Die Pleiten von Enron und Worldcom hatten einst die Trennungsinitiative hervorgerufen. (ajf)