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13.05.2005

HP steigt mit einfachen Services auf

Hewlett-Packard (HP) pflegt in Deutschland zwar ein breites Serviceangebot, doch Anwender übertragen dem Anbieter zumeist nur einfache, hardwarenahe und damit margenschwache Aufgaben.

Langsam und stetig arbeitet sich HP in der Liste der größten IT-Dienstleister Deutschlands nach vorn. Nach der Übernahme von Triaton und einem damit verbundenen Outsourcing-Auftrag von Thyssen-Krupp sowie weiteren Auslagerungsverträgen etwa mit der West LB, Tetra Pak und Schott Zeiss zog HP an dem bislang viertplazierten IT-Dienstleister EDS vorbei (siehe Grafik: "Deutschlands größte IT-Serviceanbieter"). Doch damit gibt man sich in Böblingen noch nicht zufrieden: "Durch den Merger mit Compaq sind wir von den Plätzen acht und elf auf Rang sechs vorgerückt", zeigte sich Wolfram Fischer, Servicechef der hiesigen HP-Niederlassung, kämpferisch. "Wir wollen uns in den kommenden zwei Jahren unter den ersten drei IT-Dienstleistern etablieren."

Die Chancen stehen gut, denn HP strebt auch in diesem Jahr ein Wachstum im deutlich zweistelligen Prozentbereich an (siehe Interview auf Seite 41). Der drittplatzierte Anbieter, Siemens Business Services (SBS), legte zuletzt zwar im Ausland zu, schwächelte aber in Deutschland. "HP verfolgt ehrgeizige Ziele IM IT-Servicemarkt und ist ein aggressiver Wettbewerber. Das Unternehmen weicht keiner Ausschreibung aus", sagt Katharina Grimme, Analystin beim Marktforschungshaus Ovum in Köln. Im deutschen Outsourcing-Geschäft war HP nach Ovum-Einschätzung der Gewinner des vergangenen Jahres und konnte auch in Wettbewerben punkten, in denen die Marktbeobachter das Unternehmen nicht auf ihrer Rechnung hatten. "HP hat einige Aufträge mit großen Applikations-Services-Aktivitäten gewonnen. In diesen Bereiche war HP bis jetzt nicht stark vertreten", erläutert Grimme.

HP ist vornehmlich als Anbieter von hardwarenahen Diensten bekannt. "Das Gros der Einnahmen erzielt HP mit Customer-Support-Diensten", schildert Martin Barnreiter, Berater bei dem Münchner Marktbeobachtungshaus Pierre Audoin Consultants (PAC). "Durch die IT-Infrastruktur-Kompetenz ist HP gut aufgestellt, um in anziehenden Märkten wie Business Intelligence und Portale eine gewichtige Rolle spielen zu können." Gute Aussichten, einen Serviceauftrag gegen die Konkurrenz zu gewinnen, hat HP immer dann, wenn der Betrieb von Rechenzentren und dezentrale Arbeitsplatzsystemen nachgefragt wird.

In diesen Bereichen kann der Anbieter den Vorteil eines breit aufgestellten Technologiekonzerns in die Waagschale werfen. Wo andere Outsourcing-Anbieter zur Hardware- und Softwarebeschaffung, die zumeist im Rahmen der Erneuerungsarbeiten an der übernommenen IT-Landschaft erforderlich sind, auf Zulieferer angewiesen sind, kann HP Produkte und Know-how hausintern einkaufen. Diese Möglichkeit hat sonst nur noch IBM Global Services, gern positioniert sich HP daher als Alternative zum Marktführer.

Doch als Komplettanbieter im IT-Servicebereich kann HP bei weitem nicht mit Big Blue gleichziehen. Der Rückstand ist nicht zuletzt IBMs frühem und konssequentem Engagement im IT-Serivemarkt geschuldet. Dieses geht zurück auf das Jahr 1993, als Louis Gerstner die Führung bei IBM übernahm. HP setzt dagegen erst seit 1999 deutliche Signale im Servicemarkt, als Carleton Fiorina ankündigte, in diesem Bereich auch Akquisitionen verstärken zu wollen. HPs Schwächen zeigen sich insbesondere im IT-Beratungs- und Implementierungsgeschäft. Hier konnte sich IBM mit der Übernahme von Pricewaterhouse-Coopers Consulting (PWCC) verstärken, HP versucht mit intensiven Partnerbeziehungen zu kontern. In SAP-Projekten hilft beispielsweise oftmals Accenture aus, im CRM-Umfeld kommen Experten von Deloitte Touche zum Zuge, und Vernetzungs-Know-how liefert bei Bedarf BT. Zudem unterstützten Hardware- und Softwarepartner HP im Servicebereich.

HP nimmt damit aber auch ein schwaches Profil jenseits der margenschwachen IT-Infrastrukturaufträge in Kauf. Das Unternehmen wird kaum als Dienstleister für IT-Beratung, Integrationsprojekte, Applikations-Management oder Business Process Outsourcing (BPO) wahrgenommen. Dieses Versäumnis wird sich spätestens dann rächen, wenn das von Fischer prognostizierte Ende der IT-Optimierungsphase in zwei Jahren eintritt. Dann, so der HP-Manager, hätten die Anwender ihre IT-Umgebung komplett überarbeitet und wendeten sich den Geschäftsprozessen zu.

HP reagiert auf diese Entwicklung mit BPO-Offerten für Finanz- und Controlling-Abteilungen, bis dato ohne Erfolg in Deutschland. "Da steht HP allerdings nicht alleine da. Große BPO-Aufträge in diesem Bereich konnte bislang kein Anbieter in Deutschland gewinnen. Der Procurement-Vertrag zwischen Deutscher Bank und Accenture ist die einzige Ausnahme", erklärt Grimme.

Schub im BPO-Geschäft

Einen Schub im hiesigen BPO-Geschäft erfuhr HP mit der Akquisition von Triaton. Die Thyssen-Krupp-Tochter hat sich unter dem Dach des Stahlkonzerns ein ordentliches Standbein mit Services für Personalabteilungen geschaffen. Doch HP droht dieses Pfund zu verspielen, weil Triaton komplett in den Konzern integriert wird und ab kommenden November auch der Markenname verschwinden soll. "HPs Marketing-Auftritt im Servicebereich ist nicht unbedingt glücklich ", bemängelt Barnreiter. "Triaton ist ein bekannter Name, der HP mehr Sichtbarkeit im Markt verleihen könnte. Wir hätten es begrüßt, wenn HP um Triaton eine Mittelstandsmarke aufgebaut hätte."

Auch hier muss sich HP erneut den Vergleich mit IBM gefallen lassen, denn Big Blue hat in Deutschland eben diesen von Barnreiter bevorzugten Weg eingeschlagen und die Übernahme der Rheinmetall IT Services dazu genutzt, eine eigene Mittelstandsorganisation zu errichten. " Für HP, wie auch für andere internationale IT-Dienstleister, besteht die Herausforderung darin, das globale Serviceportfolio in richtigem Maße den spezi- fischen Marktstrukturen in Deutschland anzupassen", rät Grimme.

Dennoch ist HP gut gerüstet, um das Ziel der kommenden zwei Jahre erreichen zu können, die Nummer drei in Deutschland zu werden. Im Outsourcing strebt das Unternehmen ein Wachstum von 40 Prozent an und scheut - obwohl die Belegschaft bei HP Services hierzulande in den vergangenen drei Jahren verdoppelt wurde - keine Deals, die Mitarbeiterübernahmen beinhalten. Über dieses mittelfristige Ziel hinaus bleibt HP jedoch bislang einige Antworten schuldig. Laut Ovum-Zählung erzielt HP in Deutschland 73 Prozent des Umsatzes mit Desktop- und Data-Center-Diensten, 19 Prozent mit Projektservices und acht Prozent im BPO-Bereich. Wie der IT-Dienstleister seine Position im BPO- und Projektgeschäft stärken möchte, ist bislang nicht absehbar. Über Akquisitionen wurde in der Vergangenheit viel spekuliert - passiert ist nichts.