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Widersprüchliche Aussagen zu möglichen Akquisitionen


20.09.2002 - 

HP überprüft Service-Strategie

MÜNCHEN (wh) - Nach der Übernahme von Pricewaterhouse-Coopers Consulting durch IBM arbeitet Hewlett-Packard fieberhaft an seiner Strategie im Servicemarkt. Obwohl die Integration von Compaq keineswegs abgeschlossen ist, prüft das Management derzeit, welche Dienstleister für eine Akquisition in Frage kommen.

Als HP-Manager Francesco Serafini Ende August Zukäufe im Servicemarkt ankündigte, überraschte er damit auch seine Kollegen. Gegenüber dem "Handelsblatt" hatte der Europachef von HP Services erklärt, vor allem Deutschland, Großbritannien und Osteuropa seien für Investitionen im Bereich Outsourcing und Consulting interessant. In diesen Feldern wolle man "so schnell wie irgend möglich wachsen".

Deutsches Management relativiert Übernahmepläne

In der Böblinger HP-Zentrale sieht man das offenbar anders: "Es gibt derzeit keine Pläne für Akquisitionen in Deutschland", dementierte Wolfram Fischer, Geschäftsführer HP Services, auf Nachfrage. Das Serafini-Interview sei "reißerisch aufbereitet" worden. HP brauche in vielen Segmenten gar keine Verstärkung. So sei das Unternehmen etwa in den Bereichen Customer Support oder IT-Consulting gut aufgestellt.

Tatsächlich hat sich der Konzern aus Palo Alto mit der Übernahme von Compaq insbesondere im Hardware-Support und in Sachen Desktop-Management verstärkt. Genau an diesem Punkt aber offenbart sich eine gravierende Schwäche im Portfolio: Rund die Hälfte der konsolidierten Serviceumsätze entfallen auf Hardware-spezifische Wartungsleistungen, schätzen Analysten. Um gegen Branchenschwergewichte wie IBM oder EDS bestehen zu können, fehlt es HP an den nötigen Ressourcen auf den Gebieten Beratung, Systemintegration und Outsourcing.

Mit einem Umsatz von rund 15 Milliarden Dollar und zirka 65000 Mitarbeitern belegt die Servicesparte weltweit Platz drei hinter IBM und IGS. In Deutschland erzielte HP Services nach eigenen Angaben im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro und stünde damit auf Rang fünf hinter T-Systems, IBM, SBS und EDS. Ohne Berücksichtigung der Hardwarewartung belaufen sich die Einnahmen laut dem Marktforschungsunternehmen PAC auf rund 650 Millionen Euro. Damit fiele HP noch hinter SAP auf Platz sechs zurück.

Zum weltweiten Umsatz der Kalifornier steuerte der Servicearm im dritten Quartal 2002 magere 18 Prozent bei, die Einnahmen sanken gegenüber dem Vorjahr von 3,2 auf knapp drei Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Das Druckergeschäft und die PC-Sparte lieferten jeweils zirka 28 Prozent, Enterprise Server immerhin noch knapp 23 Prozent der Einnahmen.

Konzentration auf Infrastruktur-Services?

Dennoch bezweifeln professionelle Marktbeobachter den Sinn einer Akquisitionsstrategie. President Michael Capellas habe vor rund zwei Monaten erklärt, HP wolle sich auf das traditionelle Geschäft mit IT-Infrastruktur-Services konzentrieren, berichtet Pascal Matzke von der Giga Information Group in London. Als Gegenkonzept zu IBMs Komplettanbieter-Strategie sei dies nachvollziehbar und richtig. Für den Zukauf von Beratungs-Know-how spreche andererseits, dass HP damit Geschäftsbeziehungen auf höheren Management-Ebenen gewönne, die gerade für größere Abschlüsse im Outsourcing-Geschäft häufig ausschlaggebend seien.

Ganz anders beurteilt Eberhard Schott, Partner beim Mainzer Beratungsunternehmen Eracon, diese Option. In vielen Fällen seien Beratungsfirmen "nicht integrierbar", was dazu führe, dass "der zugekaufte Teil anfängt, kaputt zu gehen und das Personal abwandert." Auch die stets angeführten Synergieeffekte mag er nicht gelten lassen. "Die These, dass ein Dienstleister möglichst früh in der Wertschöpfungskette ansetzen muss, um dann viele Systemintegrationsprojekte zu gewinnen, ist in der Praxis noch nie aufgegangen."

HP-Chefin Carly Fiorina hatte bereits vor rund zwei Jahren versucht, die Consulting-Sparte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers zu übernehmen. Die Verhandlungen scheiterten am zu hohen Kaufpreis von rund 18 Milliarden Dollar. Ende Juli 2002 kündigte IBM an, PWC Consulting für 3,5 Milliarden Dollar zu kaufen.

HP könnte einen weiteren Merger nicht verkraften

Dass HP angesichts der immensen Integrationsarbeiten nach der Compaq-Übernahme einen zweiten Merger schultern könnte, bezweifeln die meisten Analysten ohnehin. Nach Ansicht von Markus Huber-Graul, Consultant bei der Meta Group, passt eine Akquisition nicht in die Strategie. Seiner Ansicht nach werde sich der Servicearm in drei Phasen entwickeln: An erster Stelle stehe die Zusammenführung mit der Compaq-Organisation; dabei müsse HP zunächst die angekündigten "Entlassungen durchdrücken". Danach gelte es, vor allem in den Segmenten Outsourcing und IT-Beratung aus eigener Kraft zu wachsen.

Frühestens in einem Jahr könne das Management dann versuchen, andere Dienstleister zu übernehmen, allerdings keine großen Player. Huber-Graul: "HP neu würde die Integration nicht verkraften."

Zumindest nicht ausschließen will Geschäftsführer Fischer Zukäufe im Bereich Outsourcing. Zwar habe man gegenüber der Konkurrenz schon Boden gutgemacht. HP sei aber noch nicht groß genug, um Projekte mit einem Auftragsvolumen in Milliardenhöhe zu gewinnen. "Wir sind noch nicht in der Champions-League", räumt er ein. Deshalb werde derzeit geprüft, ob man sich durch Akquisitionen verstärken könne. Gemeinsam mit der weltweit verantwortlichen Servicechefin Anne Livermore organisiere Europamanager Serafini dazu eine Marktanalyse.

Eine regionale Übernahme würde für HP allerdings keinen Sinn ergeben, so Fischer weiter. "Wir haben hierzulande genügend Projekte." Interessant wäre eine Akquisition nur, wenn der Konzern damit sein Geschäft auch auf europäischer Ebene stärken könne. Der Outsourcing-Umsatz in Deutschland sei im letzten Jahr um 40 Prozent gestiegen. Ziel sei es, weiterhin doppelt so schnell wie der Markt zu wachsen. HP Services konzentriere sich dabei auf mittelgroße Aufträge mit einem Volumen von 200 bis 500 Millionen Euro.

In Deutschland zählen beispielsweise der Heiztechnikanbieter Vaillant und der Finanzdienstleister MLP zu den bekannteren Kunden von HP. Der 1999 geschlossene Outsourcingvertrag mit MLP läuft über acht Jahre und hat ein Volumen von gut 50 Millionen Euro. HP Services bearbeitet den deutschen Markt mit zirka 3200 Mitarbeitern. Nach "Synergieeffekten" im Zuge der Compaq-Integration geht Fischer von 2800 bis 3000 Angestellten aus.

In großen Ausschreibungen bleibe es für den fusionierten Konzern aber auch künftig schwierig, kommentiert Giga-Analyst Matzke. Zwar sei das Unternehmen hinsichtlich der Preisgestaltung durchaus in der Lage mit EDS, CSC oder IBM mitzuhalten. Um aber auch Services auf einer betriebswirtschaftlichen Ebene zu formulieren, fehle das Know-how. HP könne bisher den von Kunden geforderten Zusammenhang von technischen und betriebswirtschaftlichen Zielen nicht herstellen.

Stärkung des Partnernetzes als realistische Alternative

Eine realistische Alternative zur umstrittenen Akquisitionsstrategie wäre die Stärkung des Partnernetzes. Um gegen die Marktmacht von IBM und PWC Consulting bestehen zu können, sollte HP eine Dreierallianz mit Accenture und Microsoft eingehen, empfiehlt etwa die Gartner-Analystin Michele Cantara. Daran arbeitet das Management bereits. Für das wachstumsträchtige Marktsegment Business Process Outsourcing (BPO) wolle man die Kooperation mit Accenture intensivieren, sagt Fischer. "Wir werden näher zusammenrücken." Der Dienstleister benötige einen IT-Partner.

Accentures Deutschland-Chef Thomas Köhler gab sich dazu im Gespräch mit der CW reserviert. HP sei einer der größeren weltweiten Partner, mit denen sein Unternehmen zusammenarbeite. Die Übernahme von PWC Consulting durch IBM bedeute aber nicht, dass Accenture nun Handlungsdruck verspüre, über diese enge Allianz hinauszugehen.