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01.08.2006

HP und Mercury haben sich gefunden

Mit der Akquisition soll Hewlett-Packard endlich der Befreiungsschlag im Softwaregeschäft gelingen.

Mit der in der vergangenen Woche angekündigten Übernahme von Mercury Interactive landete HP einen spektakulären Coup. Der gegen einen Vertrauensverlust ankämpfende Anwendungsoptimierer soll die Softwaresparte des IT-Konzerns stärken, weil CEO Mark Hurd die Abhängigkeit von der Hardware eindämmen möchte. Nach Einschätzung der meisten Analysten ist Mercury zwar beileibe kein Schnäppchen, aber seinen Preis (4,5 Milliarden Dollar in bar) zumindest aus einer strategischen Perspektive wert. Der Aufpreis auf den letzten Schlusskurs des Mercury-Papiers (39 Dollar) belief sich auf 33 Prozent (insgesamt 52 Dollar).

HP hatte Hunger auf Software

In einem Interview zog Mercury-CEO Anthony Zingale den vagen Vergleich zur Bewertung von RSA Security durch den Käufer EMC und von Veritas durch Symantec. Allerdings haben die beiden Deals gemein, dass sie an der Wallstreet einhellig als teuer bezeichnet wurden. Mehr als 4,5 Milliarden Dollar waren also beim besten Willen nicht drin, wie auch Zingale gegenüber "Forbes" einräumen musste. Das HP-Management sei "hungrig" gewesen, im Softwarebereich ein Zeichen zu setzen, behauptete Zingale. Zudem ließ der Mercury-CEO durchblicken, dass ein halbes Dutzend andere IT-Konzerne an dem schlingernden Unternehmen interessiert waren.

Erste Gerüchte bezüglich einer Übernahme hatten Anfang Mai die Runde gemacht. Damals war ein Kaufgebot von 3,5 Milliarden Dollar genannt worden, dass HP abgegeben haben soll. Als weitere Interessenten wurden die üblichen Verdächtigen IBM, CA und Oracle genannt. Auch soll SAP zuvor ebenfalls für seinen Partner geboten haben. Anfang Juni wurde angeblich EMC von Beobachtern im Rennen um die Firma gesich- tet, die kolportierte Kaufsumme war auf vier Milliarden Dollar gestiegen. Im deutschen Umfeld von Mercury wurden die Gerüchte damals als haltlos abgetan. Umso interessanter ist es daher, dass jetzt HP-Chef Hurd zu Protokoll gab, bereits seit über einem Jahr an der Akquisition des Softwarehauses gearbeitet zu haben.

Dass es überhaupt zu einem Verkauf gekommen ist, haben die Kunden und Angestellten von Mercury dem ehemaligen Firmenchef Amnon Landan und zwei weiteren Topmanagern zu verdanken. Diese sollen mit bewusst falsch datierten Aktienoptionen neue Mitarbeiter angeworben und die Incentives nicht korrekt bilanziert haben. Die Manager sind voriges Jahr entlassen worden, ihnen drohen rechtliche Konsequenzen. Inzwischen hat sich das Optionsthema in den USA zu einem kleinen Skandal ausgeweitet, in den neben Mercury auch einige andere namhafte IT-Anbieter verwickelt sind.

Weil Mercury diverse Bilanzen neu berechnen musste, konnten Fristen der US-Börsenaufsicht SEC nicht eingehalten werden. Folglich wurden die Aktien des Unternehmens von der Nasdaq gestrichen, sie werden seit Jahresbeginn im Tafelgeschäft gehandelt. Bilanziell steht die Company stark da, schließlich liefen die Geschäfte in den vergangenen Jahren im Kielwasser der SAP und durch den verbreiteten Zwang zum Sparen und Optimieren sehr gut.

Mit dem Testen von Applikationen, dem Performance-Management und der IT- sowie SOA-Governance hat Mercury einige heiße Eisen im Feuer. Die Überschneidungen mit HPs "Openview"-Sortiment, dessen Schwerpunkt auf dem Netz- und IT-Service-Management liegt, sind gering und finden sich allenfalls im Bereich Applikations-Testing. "Es passt wie angegossen", sagte Ann Livermore, Chefin von HPs Technology Solutions Group, zu der die Softwaresparte gehört.

Abgesehen vom Portfolio sind sich die Softwaresparten von HP und Mercury relativ ähnlich: HP setzte mit Programmen im jüngsten Geschäftsjahr 1,1 Milliarden Dollar um, Mercury nahm 2005 etwa 840 Millionen Dollar ein. Beide Anbieter beschäftigen rund 3000 Mitarbeiter. Folglich machte gleich das Wort vom "Merger of Equals" die Runde, einem Zusammenschluss unter Gleichen: Zwar ist HPs Sparte größer, dafür ist Mercury deutlich ertragsstärker. Jedoch hat sich das Wachstum von Mercury im ersten Quartal 2006 unter dem Eindruck der Börsen- und Bilanzprobleme bereits abgeschwächt - der Verkaufsdruck nahm zu.

Kunden und Kontinuität

Für HP ist der Ausbau der Softwareabteilung essenziell, um die Abhängigkeit vom Hardwaregeschäft zu reduzieren, das unter einem anhaltend starken Preisdruck leidet. Mercury-CEO Zingale bezeichnete Software im Gegensatz zu Rechnern als "sticky": Wer sie einmal eingeführt hat, wechselt so schnell nicht zu einem anderen Anbieter. Zudem ist Mercury bei vielen Konzernen im Einsatz, häufig im Zusammenhang mit ERP-Lösungen von SAP.

Viel hängt nun davon ab, wie sich das Aktienoptionsproblem und eventuelle Klagen von Investoren lösen lassen. Noch immer hat Mercury den Jahresabschluss 2005 nicht bei der SEC eingereicht. HP geht jedoch davon aus, die finanziellen Risiken kontrollieren zu können. Sollte dies der Fall sein, hat der Deal zwei Gewinner hervorgebracht: Mercury hat sich unter Druck sehr teuer verkauft, und HP hat den Grundstock für ein Software-Business gelegt. Viel mehr ist es auch nach dem Deal nicht, denn der Anteil der Software am Konzernumsatz steigt gerade einmal von einem auf zwei Prozent. (ajf)