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08.03.1991 - 

Konkurrierende Kooperationen im Workstationmarkt

HP und Sun: Allianz gegen Mips-Koalition

MÜNCHEN (gfh) - Die bisherigen Rivalen Hewlett-Packard und Sun Microsystems arbeiten künftig zusammen. Die Workstation-Anbieter haben ein Konzept aufgelegt, mit dem es möglich werden soll, identische Unix-Anwendungen ohne Veränderungen in Netzen und auf den Architekturen beider Hersteller laufen zu lassen.

Gert Haas, Marketing-Leiter der Sun Microsystems GmbH, nennt das Konzept eine Reaktion auf die Absicht von Microsoft, Compaq, Digital Equipment und Mips Computer, einen Workstation-Standard auf Basis der Mips-Chip-Architektur einzufahren (siehe auch CW Nr. 8 vom 22. Februar 1991, Seite 1).

Nach Aussagen des Sun-Marketiers geht es jetzt darum, die

Marktposition seines Unternehmens für die Zukunft zu sichern. Dazu bräuchte man in diesem Falle die Hilfe von Hewlett-Packard. Kommentiert Haas: "Drei konkurrierende Gruppen sind zur Zeit dabei, den Workstation-Markt unter sich aufzuteilen: IBM, die Koalition um die Mips-Architektur und wir."

Anders als bei der Mips-Gruppe beruht das Konzept von HP und Sun nicht auf einer bestimmten Chip-Architektur, sondern setzt im Softwarebereich an. Geplant ist, die Software-Erstellung so zu vereinheitlichen, daß Unix-Anwendungen ohne Änderungen sowohl auf HP- als auch auf Sun- Rechnern laufen.

Dieser Ansatz dient nach Angaben von Sun vor allem der Verringerung des Arbeits- und Kostenaufwands bei der Anwendungsentwicklung.

Technisch gesehen sollen die Programme in einem Zwischencode an den Anwender gehen, der dann mit Hilfe eines mit dem Betriebssystem ausgelieferten Zusatzprogramms bei der Installation die Software auf der jeweiligen Hardware-Umgebung lauffähig machen kann. Langfristig soll diese Technologie auch auf die Betriebssysteme DOS und OS/2 ausgeweitet werden. Haas läßt allerdings offen, ob sich dieses Konzept erfolgreich durchführen läßt.

Das Konzept von HP und Sun ähnelt dem Vorgehen, das die Open Software Foundation (OSF) mit ihrem "Architecture-Neutral Software Distribution Format" (ANDF) vorgeschlagen hat. Insofern läßt es zumindest prinzipiell die Einbeziehung beliebiger Prozessor-Architekturen zu. Aufgrund dieser Möglichkeit spekuliert der britische Branchendienst "Computergram" bereits über ein Ende der seit langem schwelenden Unix-Kontroverse. Erhärtet wird diese Vermutung dadurch, daß die beiden Kooperationspartner als OSF- beziehungsweise Unix-International-Mitglieder bisher auf verschiedenen Seiten stehen.

Ein weiterer Hinweis, daß die jetzt bekanntgegebene Technologie nicht auf HP und Sun beschränkt bleiben soll, ergibt sich aus dem Faktum, daß sie als Vorschlag bei der Object Management Group (OMG) eingereicht wurde.

Rein bilaterales Abkommen mit HP

Dieser Gruppierung, die für eine in der ganzen Industrie anerkannte allgemeine Anwendungsumgebung eintritt, gehören neben Sun und HP auch AT&T, Borland und Digital Equipment sowie Apple, Unisys und NCR an. IBM und Microsoft haben einen Beobachterstatus (siehe auch CW Nr. 50 vom 14. Dezember 1990, Seite 1: "OMG-Gruppe schlägt Standard für OOP vor").

Trotzdem beharrt Sun-Marketier Haas darauf, daß es sich um ein rein bilaterales Abkommen mit HP handle. Zur Rolle der OMG äußert er sich nur vage: "Welche Bedeutung diese Organisation in Zukunft bekommt, muß sich erst noch erweisen." Statt dessen verweist er nochmals auf die verschärfte Konkurrenzsituation im Workstation-Bereich.

Außerdem handelt es sich bei der von Hewlett-Packard und Sun Microsystems erarbeiteten Technologie um ein Konzept, dessen Tragfähigkeit sich erst noch zeigen müsse, wie auch Haas einräumt. Auch ist noch nicht klar, ob die im August anstehende Entscheidung der OMG zugunsten des HP- und Sun-Vorschlages ausfallen wird. Aus diesem Grund erwartet das "Wall Street Journal" keine rasche Auswirkung der spektakulären Zusammenarbeit.