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15.09.2000 - 

30000 zusätzliche IT-Berater würden Abstand zu IBM verringern

HP will Consulting-Sparte von PwC übernehmen

MÜNCHEN (CW) - Hewlett-Packard (HP) hat Gerüchte bestätigt, wonach das Unternehmen die Consulting-Einheit von PricewaterhouseCoopers (PwC) kaufen will. Sollte der Deal zustande kommen, würde HP seine rund 6000 Berater umfassende Mannschaft um weitere 30000 IT-Profis ausbauen.

Noch ist das Rennen für HP nicht gelaufen: Angeblich interessieren sich auch IBM, Cisco, Siemens, Nokia und Ericsson für die seit Februar zum Verkauf stehende PwC-Sparte Global Management and Information Technology Consulting. Der in Palo Alto beheimatete Computer- und Druckerhersteller HP scheint jedoch die besten Karten zu haben. Das Unternehmen bestätigte, intensive Verhandlungen mit PwC zu führen. Der Preis für die Übernahme soll bei 17 bis 18 Milliarden Dollar in bar und Aktien liegen. Weitere Konditionen des Deals sind bislang noch nicht geklärt, die Verhandlungen der beiden Unternehmen sollen jedoch bereits fortgeschritten sein. Vor einem Vertragsabschluss, mit dem Beobachter frühestens in einigen Wochen rechnen, seien noch wichtige Fragen zu klären. Überdies müssen der Übernahme nicht nur die rund 9000 Partner von PwC zustimmen, sondern auch die amerikanische Wertpapieraufsichtsbehörde SEC (Securities and Exchange Commission).

Die SEC war es auch, die den Stein ins Rollen gebracht hatte. Die Börsenaufsicht setzte die so genannten Big Five der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften massiv mit der Forderung unter Druck, sich von ihren Beratungstöchtern zu trennen. Hintergrund sind vermutete Interessenkonflikte, die auftreten, wenn ein Kunde Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsdienstleistungen aus einer Hand bezieht. Auch PwC war deshalb in die Kritik geraten.

Der Softwarehersteller und PwC-Kunde Microstrategy musste Mitte dieses Jahres die Bilanzen seiner drei vergangenen Geschäftsjahre neu ausweisen, nachdem der Firma nachgewiesen werden konnte, Erträge aus langfristigen Kontrakten auf einmal und nicht über den gesamten Vertragszeitraum hinweg verbucht zu haben. Dadurch fielen die Bilanzen des auf Business Intelligence spezialisierten Unternehmens positiver aus als sie tatsächlich waren. Die SEC überprüft derzeit, ob die Wirtschaftsprüfer von PwC zu dieser "aggressiven" Bilanzierung geraten hatten.

PwC-Konkurrent Ernst&Young hat mittlerweile 85 Prozent seines Beratungsgeschäftes an Cap Gemini verkauft, und Andersen Consulting ist inzwischen von Arthur Andersen abgespalten und in eine eigenständige Gesellschaft überführt worden.

Vom Druckerhersteller zum Full-Service-ProviderFür HP wäre das Zustandekommen der Übernahme ein großer Erfolg. Allgemein zeichnet sich bei den großen Computerherstellern der Trend ab, stärker in das Beratungsgeschäft einzusteigen, um im Bereich E-Business zum Full-Service-Provider zu avancieren. So hat IBM in den vergangenen zehn Jahren eine Dienstleistungstruppe auf die Beine gestellt, die ihresgleichen sucht. Auch mit den rund 30 000 PwC-Beratern wäre HPs Consulting-Sektor kleiner als der von Big Blue. Den Erzrivalen Sun Microsystems, der ebenfalls verstärkte Anstrengungen zum Ausbau seiner Servicekapazitäten unternommen hat, könnte HP mit der Übernahme jedoch locker überholen. Zudem macht sich bei den meisten Hardwareriesen die Erkenntnis breit, dass mit langfristigen Service- und Beratungsleistungen mehr Geld zu verdienen ist als mit dem Verkauf von Rechnern und Peripheriegeräten.

Wenig erstaunlich ist damit auch das vorwiegend positive Echo, mit dem Analysten auf den potenziell ersten Zukauf reagieren, seit Carleton Fiorina bei HP das Ruder übernommen hat. So hält Andreas Pestinger, Director IT Services der Meta Group, München, den Deal für "absolut sinnvoll".

Consulting kein Motor für HardwaregeschäftInsbesondere die Intention, sich dadurch in den Bereichen E-Business und Enterprise Resource Planning (ERP) zu verstärken, würde HP helfen, sein Image als Drucker-Company mit angeschlossenem Rechnergeschäft loszuwerden. In Deutschland kämen so zu den 300 bis 400 HP-Consultants rund 2000 PwC-Berater dazu, schätzt der Marktforscher. Andererseits stellt die Integration von konzernweit 30000 neuen Mitarbeitern eine schwierige Aufgabe dar. Kurt King, Analyst der Bank of America Securities, warnt davor, die PwC-Beratungsmannschaft als zusätzliche Vertriebsabteilung einzusetzen: Für Consulting-Gesellschaften sei es äußerst wichtig, herstellerneutral zu beraten. Der Servicebereich sei daher nicht notwendigerweise ein Motor für das Hardwaregeschäft.

Obwohl HP als aussichtsreichster Kandidat gilt, werden die Verhandlungen mit PwC nicht exklusiv geführt. Es ist daher nicht auszuschließen, dass weitere Interessenten mit höheren Geboten ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit möglicherweise überraschendem Ausgang starten.