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04.12.2015 - 

Erste Hausmesse nach Aufspaltung

HPE Discover: Starthilfe für die Idea Economy

Moritz Jäger ist freier Autor und Journalist in München. Ihn faszinieren besonders die Themen IT-Sicherheit, Mobile und die aufstrebende Maker-Kultur rund um 3D-Druck und selbst basteln. Wenn er nicht gerade für Computerwoche, TecChannel, Heise oder ZDNet.com schreibt, findet man ihn wahlweise versunken in den Tiefen des Internets, in einem der Biergärten seiner Heimatstadt München, mit einem guten (e-)Buch in der Hand oder auf Reisen durch die Weltgeschichte.
HP Enterprise tritt erstmals auf einer Hausmesse als neues Unternehmen auf. Neben einem starken Selbstbewusstsein war auch die neue Synergy-Plattform und Lösungen für das Internet of Things im Gepäck.

Zum ersten Mal nach der Aufspaltung im November tritt HP Enterprise (kurz HPE) als neues Unternehmen auf einer Hausmesse an: Auf die Discover in London lockt der Konzern Partner und Kunden, damit sie neue Produkte, Dienstleistungen und Lösungen vor Ort sehen können. Als Klammerthema setzt HP das Thema "Geschwindigkeit" - es zieht sich durch die Keynotes wie auch die Produktankündigungen.

hpe discover 2015 16:9
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Foto: HPE

Diese Geschwindigkeit bezieht sich nicht nur auf den radikalen (und relativ schnellen) Umbau von HPE und die Trennung in HP (für PCs und Consumer-Produkte) und HPE, sondern gilt auch als Notwendigkeit für Unternehmen, um künftig erfolgreich zu bleiben. Peter Ryan, der Europachef von HPE, fasst es so zusammen: "Time to Value ist der größte Feind und die größte Chance." Wir würden aktuell in einer Idea Economy leben, nie war es einfacher, aus einer Idee ein Produkt werden zu lassen. Allerdings würden etablierte Firmen häufig durch ihre recht inflexible Infrastruktur zurückgehalten. "Jedes Fortune 1000 Unternehmen läuft Gefahr, dass ein schnelles Startup Marktanteile streitig macht", so Ryan auf der Bühne der Discover. Allerdings ist die Lage nicht hoffnungslos. "Die gleiche Technik, die Startups erlaubt, so disruptiv zu sein, ist auch für etablierte Unternehmen verfügbar", meint Ryan.

Hier setzt HPE künftig verstärkt an. Seine Kunden will das Unternehmen in die Lage versetzen, eigene Entwicklungszyklen dramatisch zu beschleunigen und Ideen schneller in die Tat umzusetzen. Das Herzstück für diese neue Ausrichtung ist dabei die auf der Discover offiziell vorgestellte Synergy-Plattform. Diese folgt einem interessanten hybriden Ansatz und will sowohl Cloud- wie auch traditionelle Applikationen unterstützen - das große Ziel ist, die IT-Infrastruktur innerhalb des Unternehmens so schnell und flexibel wie eine Public-Cloud-Lösung zu machen.

Infrastruktur als Code

Die Server und Produkte von Synergy sind laut HPE als Composable Infrastruktur gedacht. Hinter dem Buzzword versteckt sich eine recht clevere Lösung: Synergy Racks lassen sich nahezu flexibel mit Computing-Modulen, Storage-Einschüben und Netzwerk-Komponenten ausstatten, zwingend erforderlich ist nur der Composer. Dieser kann anschließend alle verfügbaren Ressourcen in einem Pool zusammenfassen und Rechenleistung, Speicherplatz oder Netzwerkbandbreite für eine Anwendung gezielt aufbereiten und bereitstellen.

Über der Hardware sitzt eine Software-Definierte Intelligenz, die wiederum den Bedarf ermittelt und sich selbstständig konfiguriert. Das ist soweit alles bekannt, allerdings setzt HPE noch eine wirkliche Neuerung für Unternehmen oben drauf: Jedes Element lässt sich über eine einheitliche Programmierschnittstelle ansprechen und mit minimalem Aufwand starten oder zuweisen. HPE arbeitet dabei mit bekannten Namen wie Chef, Ansible, OpenStack oder Docker zusammen, für fast alle Anwendungsszenarien reicht laut HPE eine einzige Programmzeile, um Ressourcen zu allokieren und die entsprechende Applikation zu starten. Dabei muss nicht zwingend eine Virtualisierung genutzt werden, Synergy kann Applikationen auch direkt auf dem System - also Bare Metal - installieren.

Das ist tatsächlich faszinierend, setzt aber voraus, dass Unternehmen komplett auf die Synergy-Umgebung umsteigen. Einige Funktionen klappen zwar auch mit älteren HP-Lösungen, die volle Bandbreite ist aber Synergy vorbehalte.

Gegen den Cloud-Wildwuchs

Die einfache Verfügbarkeit von Cloud-Lösungen ist nicht nur gut für Entwickler, die schnell eine neue Applikation online bringen wollen. Sie sorgt auch für den Zuwachs der Schatten-IT und macht CIOs Kopfschmerzen. Mit dem neuen HPE Helion Managed Cloud Broker möchte HPE einige dieser Probleme angehen. Die Lösung gibt der IT-Abteilung eine Übersicht über alle IT-Ressourcen im Unternehmen und bindet sowohl Private- wie auch Public-Cloud-Angebote mit ein.

"Cloud Computing verspricht Unternehmen deutliche Vorteile in Bezug auf Schnelligkeit, Agilität und Kosten. Diese gehen allerdings verloren, wenn ein Wildwuchs von ungesteuerten und unkoordinierten Cloud-Instanzen entsteht", sagt Eugene O'Callaghan, Vice President für Enterprise Services Workload and Cloud bei Hewlett Packard Enterprise. "Der neue Managed-Service-gesteuerte Ansatz von HPE führt alle Cloud-Ressourcen des Unternehmens zusammen. Er gibt unseren Kunden einen einheitlichen Überblick über ihre IT-Aktivitäten und hilft ihnen, Innovationen auf eine koordinierte, sichere und kostengünstige Weise zu beschleunigen."

Mehr Intelligenz fürs IoT

Dem Internet of Things widmet HPE eine komplett neue Produktlinie: Die HPE Edgeline. Diese lässt sich direkt mit Sensoren koppeln und stellt außerhalb des Rechenzentrums CPU-Kapazität und Datenmanagement zur Verfügung. Damit lassen sich die Daten der IoT-Sensoren direkt vor Ort vorab auswerten, anschließend werden nur noch die relevanten Daten ins Rechenzentrum übertragen und dort weiterverarbeitet. Das beschleunigt Prozesse und spart vor allem Bandbreite, da unnötige Datenübertragungen wegfallen. Die Systeme sind als "ruggedized", mobile und Rackmount-Versionen verfügbar und sind für Microsoft Azure IoT Suite zertifiziert.

Auch der von HPE übernommene Hersteller Aruba stellt auf der Discover einen neuen Sensor vor. Diese Beacon-Lösung soll es Unternehmen deutlich leichter machen, ihre WLAN-Systeme (die von mehreren Herstellern sein können) zu überwachen und zu optimieren. Der Sensor selbst bringt WiFi- und Bluetooth LE-Funkkapazitäten mit und ist der erste Ausblick auf die kommenden Produkte von Aruba unter HPE Ägide.

Fazit: Geglückter Neustart

Tatsächlich gab es einige kritische Stimmen und Unsicherheiten nach der Spaltung - umso faszinierender ist es, dass HPE bereits knapp sechs Wochen nach der Ankündigung als starkes und selbstbewusstes Unternehmen auftritt.

Die neuen Synergy-Produkte treffen in jedem Fall den Zeitgeist und bestechen nicht nur durch die recht einfache Steuerung, sondern auch dadurch, dass sie nicht nur "Cloud" machen, viele Unternehmen haben einfach noch Lösungen, die sich nicht einfach auf virtuellen Systemen portieren lassen. Die Bare-Metal-Unterstützung kommt hier sehr gelegen, es bleibt abzuwarten, ob HPE damit die Kunden überzeugen kann (vor allem, da die eigene Public-Cloud-Lösung vor kurzem zu Grabe getragen wurde).

Insgesamt macht HPE auf der Discover einen guten Eindruck, nicht nur die Geschäftsleitung sondern auch "einfache" Mitarbeiter, mit denen wir auf der Messe ins Gespräch kamen, machten einen zuversichtlichen Eindruck und sehen die neue Ausrichtung eher als Chance denn als Abgesang.

Wie CEO Meg Whitman in ihrer Rede treffend sagte: "Der Erfolg bevorzugt Unternehmen, die sich mit Warp-Geschwindigkeit selbst neu erfinden können". Bleibt zu hoffen, dass dies auch für HPE und die neu vorgestellten Produkte gilt. (mb)

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