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01.03.1991 - 

Drei neue Workstations sollen IBM und Sun einheizen

HPs RISC-Maschinen setzen Rechenleistungs-Maßstäbe

MENLO PARK (IDG) - Mit neuen RISC-Systemen mit bis zu 76 MIPS Rechenleistung, die HP kommenden Monat vorstellen wird, legt das kalifornische Unternehmen nicht nur seine Workstation-Karten endlich auf den Tisch. Vielmehr kann man die drei neuen Systeme wegen der bekanntgewordenen günstigen Preise als einen Frontalangriff auf die IBM- und Sun-Konkurrenz verstehen. Letztendlicher Verlierer könnte aber ein Dritter sein: DEC.

Lange hatten die HP-Entwickler zu IBMs engagiertem Vorstoß in das Workstation-Segment geschwiegen. Weder auf die erfolgreichen RISC/6000-Systeme noch auf Suns zunehmend weitgefächertes Angebotsspektrum schien man eine Antwort parat zu haben. Mit den RISC-Systemen HP 9000, Modell 720, 730 und 750, wollen die Apollo-Aufkäufer nun beweisen, daß sie der Konkurrenz, vornehmlich Sun, IBM und DEC, nicht nur Paroli bieten, sondern vielmehr dem Anwender neue Dimensionen an Rechenleistung bieten können.

HP demonstriert mit seinem Modell 720, was die Branche zukünftig zu gewärtigen hat: Ein 50-Megahertz-RISC-Prozessor mit der HP-eigenen HP-PA-Architektur (Precision Architecture) soll 57 MIPS schaffen und kostet in der Ausführung ohne Diskettenlaufwerk und mit einem 19-Zoll-Monitor knapp 12 000 Dollar.

Ursprüngliche Pläne, diese Maschine für knapp unter 10 000 Dollar anzubieten, hat man nach Mitteilung eines HP nahestehenden Informanten wieder aufgegeben, um das Preisspektrum der neuen 700-Linie linearer zu gestalten.

Sowohl Suns Ende vergangenen Jahres vorgestellte Sparc-Station 2 als auch IBMs erfolgreiche RISC/6000-Workstations würden - sollten sich die mit Vorsicht zu genießenden MIPS-Zahlen auch in anderen Tests, etwa Spec-Benchmarks, bewahrheiten - mit HPs neuen Maschinen in puncto Rechenleistung nicht annährend mithalten können.

Das Modell 730 glänzt - wie auch das System 750 - mit einer 66-Megahertz-RISC-CPU, die mit ihren unternehmensseitig angegebenen 76 MIPS - ginge es allein um Rechenleistung - sogar Mainframes blaß aussehen ließe.

Die drei Rechner unterscheiden sich ansonsten vor allem in der Ausstattung der Peripherie-Elemente:

Alle verfügen über einen Arbeitsspeicher von mindestens 16 MB, der sich bei den beiden erstgenannten Systemen auf 64, bei Modell 750 auf 192 MB aufrüsten läßt. Festplatten mit 200 (Modell 730) beziehungsweise 660 (Modell 750) MB Kapazität sollen standardmäßig eingebaut

sein.

Als Betriebssystem vorkonfiguriert in die Rechner ist HPs UX-Unix; sobald OSF/Motif verfügbar ist - voraussichtlich im Herbst 1991 - will HP diese Unix-Benutzerschnittstelle ebenfalls anbieten. Apollo-Domain-Anwender kommen nach Unternehmensangaben ebenfalls auf ihre Kosten: Sie können ihre vorhandenen Anwendungen auf den neuen RISC-Rechnern einsetzen, allerdings nur als Layer unter UX, was sich negativ auf die Rechenleistung auswirkt.

Die Leistungsbandbreite der HP-Systeme wird auch bei Grafikberechnungen deutlich: 3D-Kalkulationen mit 100 000 3D-Vektoren in einer Sekunde oder - für ein Einstiegsmodell 10 000 3D-Polygone pro Sekunde, die auf bis zu eine Million gesteigert werden können, lassen sich laut HP verwirklichen.

Mit den neuen Rechnern werde HP extremen Druck auf Sun ausüben, meint Terry Bennett, Direktor des Analyse-Institutes Infocorp. "Frühestens Ende dieses Jahres ist Sun meiner Ansicht nach in der Lage, mit ihrer Sparc-CPU die Grenze von 80 MIPS zu sprengen", während die IBM gar erst im Frühjahr 1992 mit ähnlich leistungsstarken Workstations aufwarten könne.

Allerdings erwarten einige Marktbeobachter, daß Big Blue in den nächsten Monaten mit neuen RISC/6000-Systemen auf den Markt kommt, eine Meinung, die von Hermann Bückle, verantwortlich für die IBM-Großrechnersysteme in Europa, indirekt bestätigt wurde.

Die Analysten glauben zudem, daß durch HPs Workstation-Offensive vor allem DEC und andere Hersteller von Mips-RISC-Rechnern in ihren Marktanteilen beeinträchtigt werden könnten.

Mips hat allerdings gerade erst seinen "R4000-RISC-Chip präsentiert, der als bislang einzige CPU im PC- und Workstation-Bereich über eine 64-Bit-Architektur verfügt.

Außerdem ist der Mips-Prozessor durch die Gerüchte um eine Zusammenarbeit von Compaq, Microsoft, DEC und Mips bei der Entwicklung einer gemeinsamen Workstation zusätzlich ins Blickfeld allgemeinen Interesses gerückt.