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07.06.2005

Hype und Realität in der Pharmabranche

Thorsten Wichmann
Die Radio Frequency Identification kann fast überall eingesetzt werden. Das Beispiel der Pharmaindustrie zeigt aber auch die Probleme von RFID.

Von Torsten Wichmann*

Die kleinen, runden Pillen in der Pharmabranche sollen Gesellschaft von kleinen, eckigen Funketiketten bekommen: Auch dort ist RFID derzeit ein heiß diskutiertes Thema.

Richtig ins Rollen gebracht hat die Diskussionen im vergangenen Jahr die amerikanische Federal Drug Administration (FDA). Aufgeschreckt durch Fälle gefälschter Arzneimittel haben sich die Gesundheitsschützer für den Einsatz von RFID-Tags zum Schutz vor Fälschungen ausgesprochen. Bei vielen Pharmaunternehmen hat die FDA damit für hektische Betriebsamkeit gesorgt.

Einfaches Prinzip, aber …

Die Idee ist relativ einfach: Jede Medikamentenpackung bekommt eine einzigartige ID, die auf dem Funketikett gespeichert wird. Gleichzeitig wird eine zentrale Datenbank aufgebaut, die jede ID und die dazugehörigen Metainformationen enthält. Bei jedem Verkauf und Versand der Packung wird das Etikett ausgelesen, eine Verbindung zur Datenbank hergestellt und der Vorgang dort vermerkt. So entsteht ein Lebenslauf jeder Medikamentenpackung, ein "e-pedigree". Gefälschte Packungen werden dagegen keinen oder nur einen lückenhaften Lebenslauf aufweisen.

Soweit die Theorie. In der Praxis stellt sich aber gerade heraus, dass die FDA-Vision noch zahlreiche Herausforderungen bewältigen muss, bevor sie Realität werden kann. Andere Branchen, die erst am Anfang ihrer RFID-Überlegungen stehen, können daraus lernen.

Viele Probleme kommen dadurch zustande, dass die Vision der FDA ein die ganze Pharmabranche umfassendes System voraussetzt.

In Deutschland sehen wir derzeit an der Gesundheitskarte, welche Herausforderung die Einführung eines solchen Großsystems darstellt. Da ist zunächst einmal das Problem der IDs, die zentral vergeben werden müssen. Dafür hat sich besonders die Initiative EPCglobal in Stellung gebracht, die zur EAN.UCC gehört, der Institution, die auch die Barcode-Nummern auf Lebensmitteln und anderen Konsumgütern verwaltet.

Nur: In der Pharmabranche hat EAN.UCC nicht die gleiche Dominanz wie in der Konsumgüterindustrie. In Deutschland etwa ist für Medikamente die Pharmazentralnummer (PZN) viel wichtiger, die erstens von einer anderen Institution vergeben wird und zweitens fest in den IT-Systemen der Pharmalogistik verankert ist.

Zweites Problem ist der Business Case. Auf den ersten Blick scheint der gut auszusehen. Denn neben der Arzneimittelsicherheit sprechen noch mehr Argumente für RFID in der Pharmabranche - zumindest auf den ersten Blick. So verlangen Kunden wie Walmart den Einsatz von RFID. Außerdem ließe sich mit Funketiketten die Temperatur bei Medikamentenlieferungen überwachen. Und schließlich, so ein weiteres Argument, kann auf der Basis von RFID die Lieferkette optimiert werden.

Tatsächlich können diese Vorteile aber nicht einfach summiert werden. Denn die technischen Anforderungen für die Einsatzszenarien sind jeweils völlig andere, so dass nicht die gleichen Tags und Systeme zum Einsatz kommen können. Damit sieht der Business Case weniger rosig aus.

Auch die Lieferkette ist - zumindest nach Einschätzung vieler Beteiligter in Deutschland - bereits recht gut ausgebildet. Die Barcodes auf PZN-Basis bilden dafür oft die Grundlage. Die Frage ist also, was RFID-Tags hier an Zusatznutzen liefern können.

Das dritte Problem schließlich ist der Datenschutz. Wer möchte schon, dass die RFID-Etiketten unbemerkt ausgelesen werden, wo doch Medikamente Rückschlüsse auf bestimmte Krankheiten zulassen.

Barcode ist noch lange nicht tot

Die Sensibilität ist hier noch höher als schon beim Einsatz von RFID im Supermarkt. Zwar gibt es Lösungen dieses Problems - etwa zufällig generierte IDs, die keinen Rückschluss auf das Produkt zulassen - , aber mit diesen Lösungen lassen sich wieder andere Vorteile von RFID nicht umsetzen.

Diese Probleme lassen sich nicht kurzfristig lösen. Trotz der guten Voraussetzungen wird RFID deshalb nur langsam seinen Weg in die Pharmabranche finden - wohl eher in Form von Insellösungen für bestimmte Aufgaben als in einer allumfassenden Lösung. Der Barcode auf der Medikamentenschachtel ist jedenfalls noch lange nicht tot. (ciw)

*Torsten Wichmann ist Geschäftsführer von Berlecon Research.