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26.10.2001 - 

Essbase-Server wird zum Framework

Hyperion plant die Zukunft seiner Olap-Technologie

FRANKFURT/M. (as) - Hyperion Solutions ist mit dem "Essbase"-Server für Online Analytical Processing (Olap) sowie mit Finanzsoftware seit langem im Markt für Business-Intelligence-(BI-)Lösungen aktiv. Doch Analysten vermissten oft Strategien und Konzepte des Herstellers für die Zukunft. Dies soll nun anders werden.

Schon seit geraumer Zeit strebt Hyperion eine Neupositionierung im BI-Markt an, weg vom Image eines reinen Olap-Spezialisten. So hatte das Unternehmen in den letzten zwei Jahren versucht, sich im neu entstehenden BI-Segment der analytischen Standardsoftware zu etablieren. In einem Exklusivgespräch mit der COMPUTERWOCHE kündigte Chief Technology Officer John Kopcke nun dieser Tage einen neuerlichen Kurswechsel an: Abgesehen von den analytischen Anwendungen für die Finanzindustrie, in der Hyperion traditionell eine starke Position hat, sollen keine weiteren Produkte mehr erstellt werden. Die Entwicklung von BI-Anwendungen etwa für E-CRM soll ganz bei den Partnern und Systemhäusern liegen: "Wir sind nicht groß genug, um diese Anwendungen selbst herzustellen", sagte Kopcke.

Framework-VisionenIn den kommenden Jahren soll nun stattdessen das Thema Daten- und Anwendungsintegration, sprich die Öffnung und Standardisierung der eigenen Produkte im Mittelpunkt stehen. Hierzu entwickelt Hyperion in Abstimmung mit Partnern auf der Basis des Olap-Servers Essbase derzeit eine Management-Plattform, die das Unternehmen als Framework bezeichnet. Dieses soll künftig die Verwaltung bisher isolierter BI-Lösungen in Fachabteilungen übernehmen, den Zugriff auf Datenhaltungen ermöglichen sowie als Infrastruktur für neu entwickelte BI-Anwendungen dienen.

Die geplante Architektur soll laut Kopcke im Laufe der nächsten Monate und Jahre stückweise fertiggestellt werden. Zentraler und bereits verfügbarer Bestandteil ist das "Analytic Framework", das sich im Wesentlichen aus dem bisherigen Essbase-Server sowie einer Reihe von Management-Werkzeugen und Core-Services zusammensetzt. Darauf aufsetzen soll als neuer Layer das "Application Framework", das aber derzeit noch im Entstehen ist. Es ist funktional zwischen dem Analytic Framework und künftigen BI-Anwendungen angesiedelt und soll ein zunächst übergreifendes logisches Datenmodell bieten, das sich für die Entwicklung neuer horizontaler oder vertikaler BI-Anwendungen weiter spezifizieren beziehungsweise für die Verwaltung und Integration bestehender, isolierter BI-Lösungen verwenden lässt.

Schrittweiser UmbauZudem plane Hyperion als nach eigenen Angaben erster BI-Hersteller, die Veränderungen am logischen Modell zu dokumentieren, um anhand der Historie und Auswertung der Änderungen wiederum Rückschlüsse auf die Unternehmensstrategie ziehen zu können.

Kopcke gab einen ersten Einblick in die technischen Neuerungen, die bis Mitte 2002, zum Teil aber auch erst später am Analytical Framework geplant sind (siehe Grafik). So soll der Zugriff auf relationale Daten erheblich erweitert und flexibler werden. Laut Kopcke wird es künftig möglich, sowohl relationale als auch multidimensionale Daten entweder in Essbase zu speichern oder über das Framework auf externe relationale Olap-Datenbestände in anderen Datenbanken wie Oracle, DB2 oder SQL Server zuzugreifen. Geplant ist außerdem ein Zugriff auf herkömmliche operative Datenbanken. Hyperion will hierzu zusätzliche Query- und Reporting-Tools anbieten, mit denen sich Abfragen gegen jene Systeme starten lassen. "Es ist uns egal, wo die Daten liegen, wir wollen aber das darauf aufsetzende Analytic Framework besitzen", erklärte der Manager.

Gesellschaft bekommen künftig die bisherigen Essbase-APIs. So will Hyperion zum einen zusätzlich das gemeinsam mit Microsoft entwickelte und mittlerweile von zahlreichen Anbietern propagierte Query-API "XML for Analysis" (XfA) integrieren. Dieses ähnelt dem Vorgänger "OLE DB for Olap", ist aber nicht für eine bestimmte Client- oder Server-Plattform ausgelegt. Vielmehr bietet es XML-Messages-Interfaces, die das im Zusammenhang mit Web-Services propagierte Transportprotokoll Simple Object Access Protocol (Soap) verwenden. XfA soll das Hyperion-Framework insbesondere für .NET-Anwendungen sowie den Client-Zugriff auf den Olap-Server über das Internet öffnen.

Zum anderen kommt das Java-API "Java für Olap" (Jolap) hinzu. Dieses durchläuft derzeit das vorgeschriebene Standardisierungsverfahren Java Community Process und soll Teil der Java 2 Enterprise Edition (J2EE) werden. Laut Kopcke eröffnet Jolap vor allem Java-Entwicklern neue Möglichkeiten, Anwendungen um Analysefunktionen zu erweitern sowie Olap-Technologie mit Applikations-Servern zu kombinieren. Bundles mit Java-Servern seien in Vorbereitung. Jolap soll anders als XfA nicht nur ein allgemeines Query-API bieten, sondern auch dem Aufbau, der Speicherung, dem Zugang sowie der Wartung von Daten und Metadaten in Olap-Servern und multidimensionalen Datenbanken dienen. Marktbeobachter bezweifeln aber, dass es tatsächlich gelingen wird, eine Standard-Implementierung in der Industrie durchzusetzen.

Standard-SchnittstellenDie neuen APIs werden laut Kopcke die bisherigen Essbase-APIs nicht verdrängen und daher auch keine Migration erzwingen. Sie sollen Anwendern vor allem neue Anwendungsszenarien - insbesonderen mehrschichtige Java-basierte BI-Architekturen mit Thin Clients - ermöglichen und das Framework flexibel machen. Jolap und XfA werden voraussichtlich Bestandteile der mit Release 6.1 erstmals vorgestellten Schnittstelle "Enterprise Services" (ES) werden, die sich zu den bisherigen Essbase-APIs gesellt. ES ist eine natives Java-API, das wie ein Broker Client-Zugriffen aus neuen Web-basierenden, verteilten Essbase-Anwendungen auf den Olap-Server und die Dienste des Analytical Frameworks steuert.

Zusätzliche Server-DiensteEs kann laut Hersteller als Java-Komponente, als Java-Servlet oder in einer Standalone-Lösung genutzt werden. Es unterstützt diverse Object Request Broker und soll laut Kopcke häppchenweise mit den kommenden Essbase-Versionen erweitert werden. So ist beispielsweise LDAP-Support geplant. In ES finden sich zudem neue, bisher für Olap-Server nicht erhältliche Dienste wie Clustering und Load- Balancing. Diese müssen aber als "High Concurrency Option" zusätzlich lizenziert werden.

Hyperion hat zudem mit einem Umbau seiner bisherigen, Client-Server-basierten Analyseprodukte für die Finanzbranche "Hyperion Enterprise" und "Hyperion Pillar" begonnen. Auch hier schwebt dem Hersteller eine mehrschichtige Architektur mit Thin Clients vor. So wurden kürzlich die Nachfolgeprodukte "Hyperion Planning" und "Hyperion Financial Management" vorgestellt. Ersteres basiert bereits auf dem neuen Framework, Letzteres wird laut Kopcke noch einige Zeit auf der alten Architektur beruhen. "Wer von Pillar oder Enterprise zu den neuen Produkten will, muss migrieren, aber wir unterstützen auch die alten Produkte weiter."

Abb: Essbase - die nächste Generation

Die Öffnung von Essbase beginnt mit zusätzlichen APIs. Quelle: Hyperion