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01.11.2002 - 

Softwarepartner verlieren Interesse an der Plattform

I-Series: Keine Zukunft ohne Lösungen

MÜNCHEN (CW) - IBMs altbewährter "AS/400"-Plattform droht das Ende. Angesichts sinkender Einnahmen und abwandernder Kunden deutet vieles darauf hin, dass Big Blue die verschiedenen Server-Linien konsolidieren und sich von der im Jahr 2000 in "I-Series" umgetauften AS/400 verabschieden wird. Die Anwender scheint dies jedoch wenig zu interessieren. Sie suchen in erster Linie die richtige Softwarelösung - die Frage nach der Server-Plattform spielt dabei oft nur eine nachgeordnete Rolle.

"Seit 1988 hat IBM weltweit rund 780000 AS/400- und I-Series-Systeme ausgeliefert, wovon heute noch etwa 470000 Rechner im Einsatz sind", berichtet Ralf Dannemann, Vertriebsleiter für die I-Series-Sparte in Europa, stolz. 35 Millionen User würden sich tagtäglich auf der Mittelstandsplattform anmelden. Allein in Deutschland hätten 10000 Kunden rund 22000 AS/400- oder I-Series-Server im Einsatz.

Allerdings sprechen nicht alle Zahlen für die I-Series-Linie, die viele Anwender auch zwei Jahre nach der Umtaufung immer noch beim alten Namen AS/400 nennen. Ein Blick in die Finanzberichte der letzten Jahre zeigt, dass die Einnahmen, die IBM mit den I-Series-Rechnern erwirtschaftet, kontinuierlich zurückgehen. Allein im laufenden Jahr schrumpften die Umsätze in den Quartalen eins bis drei, jeweils im Vergleich zum Vorjahr, um Werte zwischen 20 und 35 Prozent. Der letzte Zuwachs IBMs in der Sparte I-Series stammt aus dem dritten Quartal 2001.

Das entspricht der Entwicklung im Mainframe-Segment, wiegelt Hans-Jürgen Rehm, Presseverantwortlicher für den Server-Bereich bei IBM Deutschland, ab. Der starke Preis-verfall drücke auf die Umsätze. Außerdem würden interne Festplattenspeicher, die früher auf Seiten der AS/400 verbucht wurden, heute der Storage-Sparte von IBM zugeschlagen. Aus dem Rückgang der Einnahmen für die I-Series lasse sich nicht zwangsläufig schließen, dass auch weniger Maschinen verkauft würden, argumentiert Rehm. "Nur das Preisschild wird kleiner." Verwunderlich nur, dass IBM keine Angaben zu verkauften Stückzahlen macht.

Auch Dannemann will von schwindenden Geschäften nichts wissen. So mache der Neukundenanteil im I-Series-Umfeld weltweit immer noch 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Das bedeute signifikantes Wachstum im AS/400-Umfeld, folgert der IBM-Manager. Allerdings, so räumt er ein, hat die I-Series in weiten Teilen des Marktes einen angestaubten Ruf. Um die Mittelstandsplattform aus IBM-Sicht wieder ins rechte Licht zur rücken, wollen die Strategen aus Armonk dem System ein moderneres Image verpassen.

So soll die I-Series künftig verstärkt als Integrations- und Konsolidierungsplattform vermarktet werden. Diese Strategie werde zum Beispiel durch die breite Palette der Betriebssysteme gestützt, die auf der Plattform laufen, erklärt Dannemann. Neben OS/400, das seit Anfang August in der aktuellen Version 5, Release 2 (V5R2), vorliegt, läuft seit einigen Monaten auch Linux nativ in separaten logischen Partitionen (LPARs) auf der Maschine. Das IBM-eigene Unix-Derivat AIX soll sich in absehbarer Zukunft ebenfalls nativ auf den I-Series-Servern installieren lassen. Momentan funktioniere das System nur im Rahmen einer Runtime-Umgebung.

Für das Open-Source-System Linux sei durchaus Akzeptanz bei den AS/400- und I-Series-Anwendern zu beobachten, berichtet Bernhard Schlenker, zweiter Vorsitzender der Anwendervereinigung Common. Demnach würden Kunden im Rahmen von Server-Konsolidierungen zunehmend bereits bestehende separate Linux-Systeme in die I-Series-Server integrieren. Allerdings handle es sich dabei um Anwendungen wie Web-Server oder Firewalls, die in Partitionen neben dem Stammsystem laufen. Die Kernapplikation, meist das Enterprise-Resource-Planning-(ERP-)Programm, funktioniert nach wie vor unter dem I-Series-Betriebssystem OS/400.

Kleine AS/400-Kunden wandern ab

Neben dem verhaltenen Optimismus Schlenkers gibt es allerdings auch sehr zurückhaltende Reaktionen in Sachen Linux-Engagement auf der I-Series-Plattform. Anlässlich einer Kundenveranstaltung des Systemhauses und IBM-Partners Schmid AG in Linz fragte Stefan Tschida, IBM-Produkt-Manager für die I-Series in Mitteleuropa, wie viele der über 100 anwesenden Kunden Linux auf der klassischen Mittelstandsplattform einsetzten. Niemand meldete sich. Man müsse den Anwendern wohl noch etwas Zeit lassen, erklärte ein leicht resigniert wirkender Tschida im Anschluss.

Ob die I-Series-Plattform diese Zeit noch haben wird, bleibt abzuwarten. Im Neukundengeschäft passiert nämlich nicht mehr viel, stellt Hans-Joachim Baierl, Leiter des Hardwarevertriebs bei Soft M, im Gegensatz zu Dannemann fest. "Wir verlieren mehr Kunden, als wir neu dazugewinnen." Vor allem im unteren Bereich mit kleinen alten AS/400-Installationen wanderten die User auf andere Plattformen ab. IBM habe die AS/400 einmal als "System mit 1001 Softwareanwendungen" im Markt gepusht. Heute dagegen gebe es kaum mehr Softwarehäuser, die diesen Markt im unteren Segment bedienen, nennt Baierl den Grund für die Misere. Im mittleren und oberen Bereich sieht der Vertriebsleiter den Markt dagegen stabil.

Der I-Series fehlen moderne Applikationen

Auch Günter Wiskot, Geschäftsführer der Command AG, identifiziert als Ursache für die Abkehr von der I-Series nicht die Plattform an sich, sondern das Lösungsangebot. Den Softwareanbietern sei es in der Vergangenheit nicht gelungen, die notwendigen Technologieschritte zu gehen. Viele hätten sich auf die Treue der AS/400-Kunden verlassen und darüber versäumt, ihre Software zu modernisieren. "Das war falsch." Auch die I-Series-Kunden legten Wert auf neue Applikationen sowie aktuelle Technik und hätten kein Interesse daran, sich dafür eigene Plattformen anzuschaffen.

Trotz der düsteren Vorzeichen setzt der Command-Chef weiter auf den I-Series-Markt. Zugpferd soll die am 19. September dieses Jahres vorgestellte ERP-Lösung "Oxaion" sein. Command habe bereits drei Abschlüsse für das neue Produkt in der Tasche. Alle drei Kunden hätten sich dabei für eine I-Series-Maschine entschieden. "Ich war selbst sehr erstaunt darüber", kommentiert Wiskot den Geschäftsauftakt mit Oxaion.

Auch Harald Ege, IT-Verantwortlicher des Sanitärspezialisten Repabad in Wendlingen, hat im Rahmen der Einführung einer neuen ERP-Lösung von Soft M der I-Series-Plattform den Vorzug vor einem Windows-NT-Netz gegeben. Jedoch kam IBMs Mittelstandsmaschine erst nach der Entscheidung für Soft M ins Spiel. Ege berichtet: "Der Ansatz war: Ich suche eine Lösung. Die Plattform, auf der diese Lösung läuft, ist sekundär."

Einziger Wermutstropfen sei der Preis, klagt Ege. So komme der "i270"-Rechner, an dem etwa 25 bis 30 User arbeiten sollen, deutlich teurer als eine Standard-Windows-Architektur. Rund 100000 Euro werde sein Unternehmen die Entscheidung für die I-Series mehr kosten, schätzt der IT-Manager. Damit entschwindet der Preis für die IBM-Server in Regionen, die für einen Mittelständler schwer zu erreichen sind.

Das scheinen inzwischen auch die IBM-Strategen erkannt zu haben. Mit der Rabattaktion "Green Streak", die Kunden noch bis Ende des Jahres in Anspruch nehmen können, bieten die Armonker zweistellige Rabatte für das Upgrade alter AS/400-Rechner auf die I-Series-Modelle "i270" und "i820" an. Die Preisnachlässe gelten für die Hardwarekernstücke, den Prozessor und die interaktive Karte, die für den Betrieb alter Anwendungen auf dem neuen System notwendig ist, sowie die vorinstallierte I-Series-Software.

IBM strafft I-Series-Pricing

Doch das IBM-Pricing hat auch seine Schattenseiten. So berechnen die Armonker für die interaktiven Jobs hohe Lizenzgebühren, berichtet Common-Mitarbeiter Schlenker. Dies betreffe einen Großteil der I-Series-Kunden, da fast alle Anwender noch Kernapplikationen aus alten AS/400-Tagen im Einsatz hätten. Ebenfalls in der Kritik steht IBMs Wartungsgebühr, die "Software Subscription". Hier können Kunden seit einigen Monaten nur noch zwischen der ein- oder dreijährigen Variante mit Vorauszahlung wählen. Die Option, seine Gebühren monatlich beziehungsweise für zwei, vier oder fünf Jahre zu zahlen, wird es bald nicht mehr geben. Außerdem führt IBM immer mehr I-Series-Produkte in sein neues, weltweit standardisiertes Software-Lizenzprogramm "Passport Advantage" über. Je nachdem, welche IBM-Software unter welchem Lizenzprogramm im Einsatz ist, erhält ein Unternehmen Punkte. Die Anzahl dieser Punkte bestimmt die Einordnung in die Preisstaffeln A bis J. Das Ganze sei Verkauf von Hoffnung, schimpft ein Kunde auf dem Linzer Anwendertreffen. Die Praxis erinnere unerfreulich an Microsoft.

Trotz aller Querelen um die Preise stehen viele Anwender treu zur I-Series-Plattform. "Die Maschine läuft ausgezeichnet, und wir brauchen praktisch nie einen Techniker", berichtet Waltraud Gutmann, IT-Verantwortliche der Beiersdorf-Tochter Hirtler GmbH in Heitersheim. Ihr Unternehmen setze seit Jahrzehnten auf die Plattform und habe alle Entwicklungen von der S32 über die S34 und S36 auf die AS/400 und dann zur I-Series mitgemacht. Mit dem aktuellen i270-Server habe es nie Probleme gegeben. Auch Baierl von Soft M glaubt an die Plattform. Was die Stabilität betrifft, sei die I-Series fast das Beste, was IBM zu bieten habe. Sehe man sich zum Vergleich die X-Series mit den Microsoft-Produkten an: "Das ist ein Alptraum, was da jeden Tag passiert."

Um das Geschäft noch einmal in Schwung zu bringen, müsse IBM wieder verstärkt den Lösungsansatz verfolgen, fordert Baierl. Maßnahmen wie die Rabattaktion brächten dagegen keine neuen Anwender. "Davon profitieren nur die Bestandskunden." Eine Möglichkeit, das Geschäft zu kräftigen, könnte die Konsolidierung der Server-Linien bei IBM sein. Damit ließe sich die I-Series-Plattform mit neuen Softwareprodukten beispielsweise unter AIX wiederbeleben. Den Kunden interessiere letztendlich nicht, welche Maschine im Backend stehe, wichtig sei die Lösung, die im Frontend sichtbar werde.

Für Baierls Einschätzung spricht einiges. Obwohl die IBM-Verantwortlichen nach wie vor auf der Abgrenzung zwischen I-Series als Integrationslösung und P-Series als Performance-Plattform beharren, zeichnet sich im Entwicklungsbereich ein Zusammenwachsen der Linien ab. So bauen beispielsweise die Highend-Modelle beider Linien, die "i890" und "p690", auf der gleichen im US-amerikanischen Rochester gefertigten Hardware auf. Auch die Ankündigung, dass AIX auf den I-Series-Geräten laufen soll, lässt sich als Zeichen für die Konsolidierung deuten. (ba)

TCO spricht für I-Series

Nach Einschätzung der Analysten von International Data Corp. (IDC) und der Meta Group bietet die I-Series-Plattform Vorteile in puncto Betriebskosten. So liegt die Total Cost of Ownership (TCO) laut einer - von IBM gesponserten - IDC-Studie für Intel-basierende Server um 45 Prozent, für Unix-Plattformen um 58 Prozent über den Kosten der I-Series. Diese Angaben gelten für den dreijährigen Betrieb in Großunternehmen. Als Gründe nennen die IDC-Analysten die Stabilität und Ausfallsicherheit der Architektur sowie den damit verbundenen niedrigeren Verwaltungsaufwand.

Auch bei der Meta Group schneiden die I-Series-Rechner im Dreijahresvergleich mit jährlichen Kosten von knapp 41000 Dollar als günstigste Plattform ab. Es folgen die Microsoft-Systeme Windows NT mit 46000 Dollar und Windows 2000 mit 101000 Dollar. Die höchste TCO fordern Unix-Server unter AIX (108000 Dollar), HP-UX (210000 Dollar) und Solaris (281000 Dollar). Allerdings müssen die Anwender für die niedrigen Kosten auf Offenheit der Plattform verzichten.