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04.04.2003 - 

Fehlerhafte Bilanzen seit 1999?

i2 kämpft ums Überleben

MÜNCHEN (CW) - Dem Supply-Chain-Management-(SCM-)Spezialisten i2 Technologies droht der Börsenausschluss. Die Verantwortlichen des Unternehmens räumten ein, dass neben der bereits angekündigten Revision der Jahresbilanzen 2000 und 2001 auch die Bücher für 1999 sowie das vorläufige Ergebnis des Ende vergangenen Dezembers abgeschlossenen vierten Quartals des Fiskaljahres 2002 neu geprüft werden müssten.

"Investoren sollten sich nicht auf die Informationen in den Finanzberichten für die Jahre 1999, 2000 und 2001 sowie das vierte Quartal 2002 verlassen", heißt es in einer offiziellen Mitteilung des i2-Managements. Wegen der Prüfung könnten ferner die Fristen der US-amerikanischen Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) nicht eingehalten werden. Man hoffe, die Revision der Bücher bis Anfang Juni 2003 abschließen zu können. Die Untersuchungen würden keine Auswirkungen auf die Cash-Situation während der betroffenen Zeiträume haben, betont das Management rund um CEO Sanjiv Sidhu. Die Prüfung der Bücher übernimmt Deloitte & Touche, das die umstrittenen Bilanzprüfer von Arthur Andersen bereits im Mai vergangenen Jahres abgelöst hat.

Börsenaufsicht eröffnet Verfahren

Die i2-Verantwortlichen müssen sich bereits seit geraumer Zeit mit dem Verdacht der Bilanzfälschung herumschlagen. Den Stein ins Rollen brachten die Aussagen zweier ehemaliger i2-Manager, denen zufolge Einnahmen aus den Jahren 2000 und 2001 nicht korrekt verbucht worden seien. Die US-Börsenaufsicht hat den Softwareanbieter seit dem vergangenen Jahr ins Visier genommen. Erste Untersuchungen, die hauptsächlich der Informationssicherung dienen sollten, liefen im November 2002 an. Das formelle Verfahren haben die Behörden am 26. März 2003 eröffnet. Man werde voll mit der SEC kooperieren, heißt es dazu aus i2-Kreisen.

Der Börsenausschluss wird, wie i2 selbst einräumt, kaum mehr aufzuhalten sein. Die Aktie dümpelt bereits seit längerer Zeit deutlich unter einem Dollar, und angesichts der jüngsten Nachrichten darf wohl kaum mit einem steigenden Kurs gerechnet werden. Obwohl die Frist, den Wert wieder über die Nasdaq-Hürde von einem Dollar zu hieven, erst am 16. September dieses Jahres abläuft, müsse man bereits früher mit einem Ausschlussverfahren rechnen. Ursache seien die nicht eingehaltenen Fristen für die Abgabe der Bilanzdaten. Der Handel des Papiers wurde an der Nasdaq bereits ausgesetzt.

Nach Einschätzung von Insidern sind vor allem die allgemeine Branchenflaute sowie interne Management-Fehler für den Absturz verantwortlich. Stellenstreichungen, ständige Wechsel im Management, Verspätungen bei neuen Software-Releases und halbherzige Sanierungsversuche hätten die Unruhe rund um i2 verstärkt. Das komplexe Softwarepaket des SCM-Spezialisten gilt in der Branche als zu teuer. Neben den Lizenzaufwendungen müsse auch viel Geld und Manpower in die Implementierung gesteckt werden. Dass es dabei zu Schwierigkeiten kommen kann, bekam unter anderem der deutsche Siemens-Konzern zu spüren (siehe CW 3/02, Seite 1).

Für das Ende Dezember vergangenen Jahres abgelaufene vierte Quartal 2002 gab das texanische Softwarehaus einen Nettoverlust von 12,4 Millionen Dollar oder drei Cent pro Aktie an. Finanzanalysten hatten mit einem Minus von fünf Cent gerechnet. i2-Angaben zufolge sind in der Bilanz Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 23 Millionen Dollar berücksichtigt.

Unsichere Zeiten für i2-Kunden

Der Umsatz lag bei 119,9 Millionen Dollar und damit ebenfalls über den Ewartungen von Analysten, die 110 Millionen Dollar prognostiziert hatten. Während der Boom-Zeiten im Jahr 2000 hatte das Unternehmen noch Quartalseinnahmen von rund 350 Millionen Dollar verbucht. Die Wachstumsraten lagen bei über 100 Prozent, und die i2-Aktie notierte bei 110 Dollar und mehr.

Auf die i2-Kunden kommen unsichere Zeiten zu. Angesichts der SEC-Klage und einer möglichen Pleite dürfte es schwer werden, Investoren oder gar einen Käufer für das Unternehmen zu finden. Die Verantwortlichen des Unternehmens wollten bis Redaktionsschluss keine Stellung zur weiteren Geschäftsstrategie nehmen. (ba)