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02.08.2002 - 

Der angeschlagene SCM-Spezialist hat es mit vielfältigen Schwierigkeiten zu tun

i2: Riss in der Kette

MÜNCHEN (CW/IDG) - Jahrelang galt i2 Technologies als avantgardistisches Unternehmen. Doch seit einigen Quartalen ist der Spezialist für Supply-Chain-Management (SCM) aus der Erfolgsspur geraten. Die Texaner spüren den negativen Branchentrend - und kämpfen mit hausgemachten Problemen.

Als i2 vor rund zwei Wochen seine Zahlen für das zweite Quartal veröffentlichte, waren die niederschmetternden Ergebnisse längst keine Überraschung mehr. Schon seit geraumer Zeit signalisieren eine Reihe von Ereignissen unter der Rubrik "Pleiten, Pech und Pannen": i2 befindet sich in einer handfesten Krise.

Ein im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 249 auf 120 Millionen Dollar gesunkener Umsatz spricht jedenfalls Bände; noch mehr allerdings der Umstand, dass die einst als Überflieger im Wachstumsmarkt SCM geltende Company geradezu dramatische Einbrüche im Lizenzgeschäft hinnehmen musste. So gingen in der jüngsten Berichtsperiode die reinen Softwareerlöse im Vorjahresvergleich von 106 auf 26 Millionen Dollar zurück. Auch auf der Ertragsseite liest sich das Zahlenwerk der vergangenen drei Monate dramatisch: i2 wies einen operativen Verlust von 73 Millionen Dollar aus, gleichzeitig wurde ein Verlustvortrag von 671 Millionen Dollar als so genannter Steuerabgrenzungsposten verbucht.

Nach dem Bekanntwerden der Zahlen griffen die üblichen Mechanismen. CEO Sanjiv Sidhu sprach angesichts fast überall auf Eis liegender IT-Budgets von einer "extrem schwierigen Marktsituation", lehnte sich jedoch gleichzeitig gegenüber Analysten mit der Ankündigung aus dem Fenster, "schnellstmöglich den Turnaround" zu schaffen. Um in die Gewinnzone zurückzukehren, kündigte das i2-Management rigide Maßnahmen zur Kostendämpfung an. So sollen bis Ende des Jahres 30 Prozent der Personalkosten eingespart werden, gleichzeitig will man das Produktportfolio und einzelne Entwicklungsaufwendungen einer strengen Prüfung unterziehen. Würde man das genannte Einsparvolumen auf die Beschäftigten umrechnen, müsste ein weiteres Drittel der derzeit noch rund 4800 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, nachdem bereits seit Mitte vergangenen Jahres schrittweise 1600 i2-Angestellte entlassen wurden. i2-Chef Sidhu ließ aber keinen Zweifel daran, dass man die Position "als führender Anbieter von SCM-Lösungen" durch entsprechendes "Alignment", also eine zielgerichtete Verschlankung, verteidigen werde.

Doch immer mehr Branchenkenner zweifeln an der Berechtigung dieses Führungsanspruchs. So sieht Frank Naujoks, SCM-Experte bei der Meta Group, in den aktuellen Schwierigkeiten des Unternehmens eher eine Krise mit Ansage. Denn der dramatische Rückgang des Lizenzgeschäfts sei bei i2 schon seit dem zweiten Quartal 2001 auffallend, sagt der Consultant. Dies allein auf die allgemein schwierige Situation in der IT-Branche zurückzuführen wäre "zu einfach" - auch wenn Wettbewerber wie Manugistics und natürlich vor allem SAP zuletzt auch kräftig Federn lassen mussten. Naujoks und viele andere Analysten sehen bei den Texanern vielmehr ein strukturelles Problem - und das in mehrfacher Hinsicht. i2 sei zu schnell gewachsen, habe die zahlreichen Übernahmen nicht verdaut und kämpfe jetzt angesichts der miserablen Konjunktur mit ausufernden Kosten und einem auch im SCM-Segment zunehmend härteren Wettbewerb.

Schon seit mehr als einem Jahr gibt es Alarmzeichen. So scheiterten Projekte bei prominenten Kunden wie etwa dem US-Sportartikelhersteller Nike oder dem deutschen Automobilkonzern Volkswagen. Auch bei der Siemens AG, die die i2-Software eigentlich konzernweit einführen möchte, kam es zu Problemen (siehe CW 3/02, Seite 12: "i2-Modul GLM fällt bei Siemens ICN durch"). Die Verschiebung der Auslieferung der ursprünglich für Juli angekündigten neuen Produktionsoftware 6.0 auf Ende des Jahres tat ein Übriges.

Angebliche Schwächen im Projektgeschäft

Stark in Marketing und Vertrieb, schwach in der Einlösung von Versprechen, kritisieren Beobachter nicht erst seit gestern die Performance des Unternehmens, das in den Boomzeiten vergangener Jahre zu einem weltweit tätigen Softwareanbieter mit mehr als 1400 Kunden und einem Jahresumsatz von rund einer Milliarde Dollar aufgestiegen war.

Bereits Mitte April war es deshalb zu einem publicityträchtigen Wechsel an der Spitze des Unternehmens gekommen. Nach nur einem Jahr räumte Greg Brady seinen CEO-Posten, Mitbegründer Sidhu kehrte auf den Sessel des Vorstandschefs zurück, um i2 aus der Krise zu führen. Neben der Demission Bradys musste i2 auch den Abgang des US-Vertriebsleiters Tom Cooper sowie zuletzt der weltweiten Marketing-Verantwortlichen Katrina Roche und Europa-Chef Philip Crawford verkraften.

Abspecken dürfte auch bei den Produkten und - wie Insider befürchten - beim Service angesagt sein. Man wolle sich künftig auf die Entwicklung und Vermarktung der Kernsuites konzentrieren, verlautete vorsichtig aus der Konzernzentrale in Dallas. Details einer Restrukturierung sollen erst noch folgen. Festzustehen scheint indes, dass weitere Entwicklungskapazitäten von Dallas nach Indien ausgelagert werden. Der für Zentraleuropa zuständige i2-Manager Adi Stahuber gibt sich diesbezüglich vorsichtig: Das "Prozess-Know-how von i2" bleibe für die Kunden in jedem Fall gewahrt.

Wettbewerb mit SAP wird härter

Nachdenken wird man auch über die generelle weitere strategische Positionierung im SCM-Markt müssen. Dass die Texaner von Quartal zu Quartal mehr Marktanteile an SAP verlieren, gilt trotz gegenteiliger Beteuerungen seitens i2 in der Softwareszene als offenes Geheimnis. Daran ändern auch die ebenfalls enttäuschenden Zahlen der Walldorfer im zweiten Quartal nichts, deren Einnahmen mit "Mysap SCM" gegenüber dem Vorjahr um 31 Prozent von 150 auf 104 Millionen Euro zurückgingen. "Immer mehr SAP-Kunden entdecken das SCM-Thema und entscheiden sich entsprechend", beschreibt Meta-Group-Experte Naujoks nüchtern die Tatsache, dass der deutsche ERP-Gigant ähnlich wie beim Customer-Relationship-Management den Markt zu Lasten der spezialisierten Anbieter durchdringt.

Insgesamt überwiegen daher die skeptischen Prognosen, was die weitere Zukunft von i2 angeht. In Kreisen namhafter US-Investmentbanken werden die Texaner als Übernahmekandidat gehandelt. Verlustvortrag in dreistelliger Millionenhöhe, dramatische Einschnitte beim Personal, Straffung des Produktportfolios - die Braut macht sich schön, heißt es. Auch Meta-Berater Naujoks schließt sich dieser Meinung an: "Die Tatsache, dass man mit weiteren Verlusten rechnet und Mitarbeiter gehen müssen, zeigt, dass man selbst nicht unbedingt an ein schnelles Comeback glaubt." (gh)

i2 im Spiegel von PAC

Rang / Unternehmen / Umsatz 2001*

1 / T-Systems / 150

2 / SAP / 145

3 / SBS / 130

4 / IBM / 125

5 / EDS / 75

6 / i2 / 55

7 / Accenture / 40

*in Millionen Euro Quelle: PAC

Zu - auf den ersten Blick - überraschenden Ergebnissen kommen die Marktforscher von Pierre Audoin Conseil (PAC) in ihrer Studie "Supply Chain Management (SCM) und Supplier Relationship Management (SRM) 2002 Deutschland". Zieht man neben den Lizenzverkäufen auch Wartung und andere Services in Betracht, war im vergangenen Jahr T-Systems der umsatzstärkste SCM/SRM-Anbieter in Deutschland. PAC-Analyst Jakov Cavart sieht darin ein "strukturelles Problem" für stark vom Produktgeschäft abhängige Softwareanbieter wie i2. Denn der Trend in der Gestaltung der Lieferantenbeziehungen gehe weg vom "Planning" hin zur "Execution". Hier aber hätten die etablierten IT-Dienstleister deutliche Vorteile.