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27.12.1991 - 

EG legt Konzept für europäische Telecom-Zukunft vor

IBC: Integrierte Breitband- kommunikation ist noch Vision

Das Informationszeitalter ist angebrochen und stellt die Ressource Information auf die gleiche Ebene wie Rohstoffe und Energie. Informationen können jedoch nur dann von Bedeutung sein, wenn sie aktuell am entscheidenden Ort zur Verfügung stehen. Die EG sieht dies als einen der Faktoren, die für die wirtschaftliche Entwicklung bedeutsam sein werden, und hat mit dem Konzept des IBC die Telekommunikationszukunft für Europa vorgelegt.

IBC steht für Integrated Broadband Communications und symbolisiert die übergreifende und zukunftsorientierte Kommunikationswelt in Europa. Mit IBC ist ein universelles Kommunikationsnetz gemeint, das verschiedene Dienste und Übertragungsmedien mit hohem Komfort für den Endanwender in sich vereinigt. Es handelt sich um ein Evolutionskonzept, das heißt die ständige Weiterentwicklung der Grundlagen und Randbedingungen sowohl auf technischem als auch auf anwendungsorientiertem Gebiet sollen stetig in die Entwicklung und Realisierung des IBC einfließen. Der Aufbau des IBC soll dementsprechend schrittweise vor sich gehen, um einmal dem aktuellen lokalen Bedarf zu entsprechen und andererseits die in der Praxis gewonnenen Erfahrungen zu berücksichtigen.

Einheitliche Kommunikationswelt

Integrated bedeutet nicht nur die Integration verschiedener Dienste und Dienstemerkmale, das heißt zum Beispiel von Sprache und Daten, sondern beinhaltet auch die Integration der heute noch getrennten Kommunikationswelten wie Telefonnetz, Paketvermittlungsnetz für Daten, ISDN etc. Die Schaffung einer einheitlichen Kommunikationswelt, die gemeinsam von Netzbetreibern und Diensteanbietern unterhalten wird, steht im Vordergrund.

Broadband heißt nicht allein, daß hohe Übertragungskapazitäten, das heißt bis zu 140 Mbit/s oder mehr, angeboten werden, sondern ist eher als Konzept einer Diensteintegration und eines individuellen Diensteangebots zu sehen. Durch die Schaffung spezifischer Dienstekomponenten können die zukünftigen Kommunikationsdienste flexibel aufgebaut und genutzt werden. Die optimierte Ausschöpfung der vorhandenen Netzressourcen ist hierbei ein Hauptziel. Dies spielt in nächster Zukunft vor allem für die Diensteanbieter eine große Rolle.

Communications bezieht sich einmal auf die klassischen Themen Vermittlung, Übertragung und Teilnehmeranschlußbereich. Darüber hinaus gehören Gebiete wie Netzwerk-Management und Merkmale eines intelligenten Netzes, Dienstegüte und Anwenderfreundlichkeit, aber auch wirtschaftliche Gesichtspunkte dazu. Die Berücksichtigung dieser Randaspekte trägt wesentlich zum ganzheitlichen Ansatz des Konzeptes bei.

IBC stellt ein globales Konzept dar, das verschiedene Ausprägungen der Kommunikation und die vorhandenen technischen Möglichkeiten ausschöpfen und vereinigen soll. Darunter ist zum Beispiel die Integration von drahtgebundenen Kommunikationsnetzen, der Mobilkommunikation und Satellitenleitungen zu verstehen. IBC vereinigt sowohl die Individual- als auch die Verteilkommunikation.

Dieses integrierte Netz erlangt in der Zukunft nicht für das berufliche Umfeld Bedeutung, sondern soll vor allem auch im privaten Bereich Verbreitung finden.

Hierbei sollen besonders die breitbandigen Dienste privaten Nutzern angeboten werden - ein anspruchsvolles Vorhaben, das kostenintensive Infrastrukturmaßnahmen voraussetzt.

Aus Anwendersicht läßt sich das IBC als Kommunikationsnetz mit uneingeschränkten Zugangsmöglichkeiten beschreiben, das eine gewisse Bandbreite von Übertragungskapazitäten und integrierten Dienstekomponenten zur Verfügung stellt. Netzwerk-Management-Werkzeuge und -Informationen werden den künftigen Nutzern ebenfalls angeboten, was vor allem von VANS-Anbietern (Value Added Network Services), also von Anbietern der Mehrwertdienste, für sinnvoll gehalten und gefordert wird. IBC wird sich über das gesamte EG-Gebiet erstrecken, mehr als einen Netzbetreiber und viele Diensteanbieter kennen und kostenorientierte Tarife und One Stop Shopping beziehungsweise One Stop Billing, also die grenzübergreifende Anforderung und Bezahlung bei einem Dienstleister, bieten.

Anforderungen und Notwendigkeiten

In der Vergangenheit wurden in Europa die Telekommunikationsnetze in den einzelnen Staaten für den nationalen Bedarf entwickelt. Daraus resultiert, besonders wenn der gemeinsame Markt von 1992 gesehen wird, ein Manko an zwischenstaatlichen Verbindungen und eine fehlende Vereinheitlichung der Netze, die zum Beispiel in verschiedenen Staaten unterschiedliche Endgeräte für die gleiche Dienstleistung notwendig machen. Dies stellt ein klares Hindernis für ein vereinigtes Europa dar.

Hinzu kommen starke Anforderungen aus dem wirtschaftlichen Bereich, in dem sich schon seit langem länderübergreifende Konzerne gebildet haben, die durch eigene Computernetzwerke miteinander verbunden sind. Die Koppelung dieser Privatnetze fordert meist hohe Datenübertragungskapazitäten, zumal zusätzlich Anforderungen zum Beispiel nach Videokonferenzdiensten gestellt werden.

Die steigende Bedeutung der Ressource Information für die wirtschaftlichen Abläufe und die Notwendigkeit, in Europa eine einheitliche Ausgangsbasis für den freien Wettbewerb untereinander zu schaffen sowie die europäische Position gegenüber anderen Wirtschaftsmächten zu behaupten, stehen ebenfalls als Forderung im Hintergrund.

Nicht zuletzt, um die europäische Telekommunikationsindustrie zu stärken und durch zukunftsträchtige Entwicklungen an der Weltspitze zu halten, hatte es sich die EG bereits vor mehreren Jahren zum Ziel gesetzt, die Telekommunikation in Europa auf breiter Ebene zu fördern, was schließlich zum IBC-Konzept führte.

Die Realisierung des IBC-Konzeptes wird nicht in einem Schritt möglich sein, sondern dürfte sich als kontinuierlicher Prozeß über mehrere Jahre bis Jahrzehnte erstrecken.

1992/93: Erste IBC-typische Anwendungen sollen im beruflichen Umfeld entstehen, die entweder noch die herkömmliche Netzinfrastruktur nutzen oder bereits auf die Glasfasernetze zurückgreifen, die in den einzelnen Mitgliederstaaten bereits existieren. Hinzu kommen einzelne Feldversuche in begrenzten Gebieten, um das bereits existierende Equipment zu testen. Hierzu zählen "Inseln" mit Breitband-ISDN-Versuchen mit ATM-Technik (Asynchronous Transfer Mode) und Metropolitan Area Networks (MANs) mit DQDB-Technik (Distributed Queue Dual Bus), eine dem ATM-Vermittlungsprinzip ähnliche Paketvermittlung für den Breitbandbereich.

Die Netzbetreiber sollen in den Mitgliedsstaaten mit einer großflächigen Glasfaserverkabelung starten, um die Infrastrukturbasis für die nächsten Schritte zu schaffen.

1994: Zu diesem Zeitpunkt soll es ein übergreifendes Glasfasernetzwerk zwischen den Hauptzentren und -städten der EG geben, das alle bekannten und existierenden Kommunikationsdienste für Sprache, Daten und Bilder unterstützt. Hierbei ist es keine Voraussetzung, daß die Dienste bereits in integrierter Form angeboten werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte es sich noch um separierte Dienste handeln. Der Aufbau integrierter Dienste wird in einzelnen Versuchen erprobt.

1995: In diesem Jahr soll die Infrastruktur soweit ausgebaut sein, daß der Aufbau eines Kommunikationsnetzes mit wenigstens 50 000 Anschlüssen in ganz Europa durchführbar ist. Zielgruppen sind bedeutende Wirtschaftsregionen und Ballungsgebiete, in denen genügend Bedarf vorhanden ist und die gleichzeitig die Sammlung praktischer Erfahrungen zulassen. Die Videokonferenz wird der herausragende Dienst im beruflichen Umfeld sein.

In ausgesuchten Wohngebieten sollen IBC-Dienste wie HDTV (High Definition TV) und Videotelefonie für private Haushalte bereitgestellt werden. Die ersten HDTV-Endgeräte wurden bereits auf der diesjährigen Funkausstellung vorgestellt, ebenso wie erste Testsendungen aufgenommen werden.

1996: Die Einführung von Breitbanddiensten auf der Basis von Übertragungskapazitäten von 2 Mbit/s, 34 Mbit/s, 145 Mbit/s, die die schnelle Datenübertragung zwischen LANs (Local Area Networks), Videokonferenz und Videobearbeitung unterstützen, soll in diesem Jahr stattfinden. Unterstützung soll vor allem der Bereich der CAD/CAM-Anwendungen erfahren. Zwischen dem terrestrischen IBC und den Mobilfunk- und Satellitenwelten will man geeignete Verbindungen schaffen.

1997: IBC-spezifische Dienste sollen in allen Städten mit mehr als 500 000 Einwohnern in der EG angeboten werden. Das Glasfasernetz dürfte flächendeckend ausgebaut worden sein und bis in die Haushalte reichen.

2005 bis 2010: Für diesen entfernten Zeitraum wird eine Flächendeckung von 50 Prozent für IBC in Europa angepeilt.

Dieser Zeitplan ist sehr ehrgeizig. Ob er zu realisieren ist, müssen die nächsten Jahre zeigen. Erhebliche Zweifel sind angebracht. Allein durch die erforderliche Verkabelung mit Glasfaser werden durch die Netzbetreiber, also in der Bundesrepublik Deutschland durch die DBP Telekom, erhebliche Infrastruktur-Investitionen notwendig. Vor dem Hintergrund der großflächigen Cu-Verkabelung in den letzten Jahren ist es mehr als zweifelhaft, ob die DBP Telekom so schnell, wie nach den Plänen der EG nötig, auf den flächendeckenden Glasfaserzug aufspringen wird oder kann.

Ähnliches gilt für die Nutzer des IBC im beruflichen Umfeld. Die Infrastruktur in den Gebäuden basiert nicht auf Glasfaser, sondern vielmehr auf 2-Draht- oder 4-Draht-Kabeln mit einem Glasfaser-Backbone - eine Struktur, die gegenwärtig empfohlen wird und als zukunftssicher gilt.

Neben den Begeisterungsstürmen über technische Neuheiten und Erleichterungen in der Kommunikation dürfen die Kosten nicht außer acht gelassen werden, die für viele Unternehmen und erst recht für Privatleute ausschlaggebend sind und den Erfolg neuer Dienste maßgeblich mitbestimmen.

Das IBC ist für den Massenmarkt geplant

Daneben kommt der Akzeptanz der IBC-Dienste entscheidende Bedeutung zu. IBC ist für den Massenmarkt geplant, und die notwendigen Vorabinvestitionen können sich nur durch Massennutzung rentieren. In der Vergangenheit gibt es bereits Beispiele für Dienste, die daran gescheitert sind, daß die Nutzer zu wenig Interesse zeigten beziehungsweise, daß am Bedarf vorbei geplant wurde.

Ebenso wird sich zeigen, ob der prognostizierte Bedarf den realen Entwicklungen und Anforderungen entspricht. Selbst die EG geht davon aus, daß im Jahr 2000, wenn nach ihrer Planung in Europa zirka eine Million IBC-Anschlüsse zur Verfügung stehen sollen, nur 50 Prozent dieser Anschlüsse für Breitbandanwendungen genutzt werden.

Die EG geht nicht davon aus, daß das IBC allein durch die Telekommunikations-Gesellschaften entwickelt wird. Die Einbeziehung der TK-Industrie sowie von Hochschulen und Forschungsinstituten einschließlich der Endanwendern wurde konsequent verfolgt. Dies ist umso wichtiger, da sich die Investitionen im Bereich der Telekommunikation in den kommenden Jahren verschieben werden und ein prozentual größerer Anteil als früher für Endgeräte aufzubringen sein dürfte. Besonders die Nutzer werden hierdurch gefordert und müssen entsprechend planen und investieren. Ebenso werden die nationalen TK-Gesellschaften nicht mehr lange in einem exklusiven Club unter sich bleiben, da die EG mit einer offensiven Deregulierungspolitik für mehr Wettbewerb und eine größere Anzahl von Dienstleistungsanbietern sorgen will.

Es wurden bereits vor mehreren Jahren umfangreiche Forschungsprogramme ins Leben gerufen, die zur Realisierung des IBC einzelne Komponenten beisteuern sollen. Dazu gehört in erster Linie das Race-Programm (Research & Development in Advanced Communications for Europe).

Den Vorsprung in der Telekommunikation sichern

Das Race Programm wurde 1987 begründet, um den Wettbewerbsvorsprung der europäischen Industrie auf dem Gebiet der Telekommunikation zu sichern und auszubauen. In der ersten Phase läuft Race über fünf Jahre. Insgesamt ist es auf zehn Jahre angedacht. Die Ergebnisse des Race-Programms sollen der europäischen TK-Industrie und den Netzbetreibern strategische Wettbewerbsvorteile sichern und das gesamteuropäische IBC fördern.

Im Rahmen von Race wurde IBC konzipiert und als übergreifende Idee zugrunde gelegt. Race identifizierte folgende Aufgabenschwerpunkte, die in den ersten Jahren angegangen wurden:

Entwicklung und Einsatzstrategie des IBC:

- gemeinsames Verständnis der IBC-Evolutionsstrategie und der daraus resultierenden Zusammenhänge und Anforderungen,

- gemeinsame Definition des IBC und zugehöriger Subsysteme sowie die Erarbeitung von Richtlinien für die funktionale Definition von IBC-Systemen und integrierten Diensten,

- Standardisierungsanforderungen, Technologieauswahl, Forschungsanforderungen und eine Bewertung der Effektivität unter Berücksichtigung alternativer Einsatzstrategien.

IBC-Technologie:

- Einsatz fortschrittlicher Technologien für die kostenorientierte Realisierung des IBC,

- Entwicklung von Telekommunikationssoftware für komplexe integrierte Systeme und intelligenter Komponenten für IBC-Hardware,

- Realisierung evolutionärer Subsysteme und Netzwerke.

Entwicklung von IBC-Anwendungsbeispielen:

- Entwicklung von Prüfmethoden zur Prüfung von Feinkonzepten, Funktionen oder Protokollen,

- Detaillierung funktionaler Spezifikationen und Prüfung von Standardisierungsvorschlägen,

- Entwicklung von Testumgebungen, in denen Diensteanbieter, Netzwerkbetreiber und Anwender neue IBC-Produkte und -Systeme testen können, um gleichzeitig ein Verständnis für die wirtschaftlichen Gesichtspunkte zu gewinnen.

In der Anfangsphase hat sich RACE stark auf die strategischen und technischen Optionen konzentriert. In der nachfolgenden Phase wird sich das Ziel der Aktivitäten kontinuierlich in Richtung Anwendungen, Dienste, Standardbetrieb und Management verschieben.

Im Rahmen der genannten, grob definierten Felder hat Race Projekte aufgesetzt, um zum Beispiel die ATM-Technologie voranzutreiben oder funktionale Spezifikationen und Referenzmodelle für das Breitband-ISDN auszuarbeiten. Themen wie Netz-Management und Fragenkomplexe wie Quality of Service (QoS) wurden in Projektgruppen unter Mitarbeit von Firmen aus verschiedenen Ländern angegangen. Gerade in diesem Bereich ist eine enge Zusammenarbeit mit Standardisierungsgremien an der Tagesordnung.

Im Bereich der IBC-Technologie-Forschung werden so unterschiedliche Gebiete wie moderne Methoden zum Software-Engineering und die Weiterentwicklung der Glasfasertechnologie behandelt. Ein Schwerpunkt liegt zum Beispiel auch auf der Entwicklung von Kompressionsalgorithmen, um die großen Datenmengen, die bei einer Videokonferenz oder einer HDTV-Übertragung anfallen, zu komprimieren.

Wichtigster Bereich für die nahe Zukunft dürften die Anwendungen sein, die Application Pilots. Ihre Bedeutung rührt daher, daß sie als Anwendungsbeispiele die Türöffner für die neue IBC-Kommunikationswelt darstellen und deren Möglichkeiten plastisch verdeutlichen. Die Akzeptanz des IBC wird wesentlich von der Überzeugungskraft der existierenden Pilotprojekte abhängen.

In diesen Bereich fallen zahlreiche Multimedia-Anwendungen, zum Beispiel für multimediale Museen und Archive (Race-Projekt 1078: European Museums Network). Andere Anwendungen beruhen auf Pay-per-View-Angeboten durch Breitband-Videotheken (Race-Projekt 1070: Testing Pay-per-View in Europe). Im publizistischen Bereich (Race-Projekte 1061: Dimpe und 1075: Telepublishing) sind ebenso Projekte angesiedelt wie in der Fertigung (Race-Projekte 1060: Didames und 1079: CAR, CAD/CAM). Dies sind nur einige Beispiele, die auch unter Mitwirkung namhafter deutscher Firmen realisiert werden. Ziel ist, die Bereiche:

- Banken und Versicherungen,

- Medien und Publizistik,

- Fertigung,

- Handel,

- Gesundheitsfürsorge und

- Transport

durch Anwendungsprojekte abzudecken.

Die erste Fünf-Jahres-Phase von Race ist zwar noch nicht beendet, jedoch zeigt ein Zwischenbericht, Operation 1992, da sich die EG mit ihrer Initiative zur Schaffung eines europaweiten IBC auf dem richtigen Weg zu befinden scheint. Neben Race gibt es weitere Aktivitäten, die langfristig zum IBC beitragen zum Beispiel indem sie eine geeignete Infrastruktur für Race-Projekte zur Verfügung stellen. In der Bundesrepublik Deutschland hat sich die DBP Telecom seit langem in Berkom (Berliner Kommunikationssystem) engagiert, um Breitbandtechniken und -anwendungen zu testen. Berkom stellt durch die Firmen PKI, SEL und Siemens ein Test-Breitband-ISDN zur Verfügung, in dem eine der ersten ATM-Vermittlungen arbeitet. In Berkom gibt es vergleichbar zu den Race Application Pilots ebenfalls Breitband-Anwendungen, die national von der DBP Telecom bzw. der Detecon betreut werden.

Weitere Initiativen sind in Stuttgart und München geplant, wo die DBP Telecom in Zusammenarbeit mit SEL und Siemens je ein MAN auf DQDB-Basis aufbaut. Irn Sinne des IBC-Konzeptes entstehen hier Infrastrukturinseln, die die geeigneten Voraussetzungen schaffen, um Anwendungen zu entwickeln, Endgeräte zu testen etc.

IBC: Noch ein stark theoretisches Konzept

IBC wirkt heute noch wie ein stark theoretisches Konzept, ein Skelett, dem das Fleisch fehlt. Wie IBC letztendlich einmal aussehen wird, läßt sich heute kaum beschreiben. Die technische Entwicklung der nächsten Jahre wird darauf entscheidenden Einfluß ausüben. Die Trends, die aus den USA und Japan als führenden TK-Nationen, zu uns nach Europa kommen, können ebenfalls nicht ignoriert werden. Daneben werden sich Anwendungen entwickeln und daraus wiederum auch neue Anforderungen. Weil IBC ein Evolutionskonzept ist, fordert es ständiges Umdenken und Neuorientierung.

IBC als Idee kann die allgemeine Richtung vorgeben und durch die Skizzierung einer aus heutiger Sicht schönen, einheitlichen Kommunikationswelt Anregungen für die weitere Entwicklung geben. Und weiter?

Neben allen technischen Weiterentwicklungen dürfen die tatsächlichen Bedürfnisse der Anwender und deren finanzielle Möglichkeiten nicht vergessen werden. Der Erfolg des IBC hängt ausschließlich von der Akzeptanz einer breiten Mehrheit unter den Nutzern ab. Neben den Problemen, die bereits in Zusammenhang mit den EG-Terminvorstellungen angesprochen worden sind, müssen reale Zielvorgaben ermittelt und ständig aktualisiert werden, um gravierende Fehlinvestitionen auf allen Ebenen und bei allen Beteiligten zu vermeiden.