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Günstige Gelegenheiten für Anleger in nächster Zeit


02.03.1984 - 

IBM-Aktie mit Leithammel-Funktion

Die bedeutendsten Börsen der Welt befinden sich nach wie vor in einer Korrekturphase, durch die die steilen Kurssteigerungen der Jahre 1982 und 1983 technisch verarbeitet werden. Einige Aktienmärkte, darunter der amerikanische und der japanische, sind inzwischen gegenüber ihren Rekordpunkten beträchtlich zurückgefallen. Nicht wenige Papiere erscheinen, gemessen an ihren früheren Höchstständen, spottbillig. Vor allem Technologiewerte erwecken diesen Eindruck, denn hier hat es auch unter qualitativ hochwertigen Titeln Einbußen von mehr als 50 Prozent gegeben. Doch dies bedeutet nicht, daß diese Papiere nicht noch weiter sinken könnten. Viele Analytiker sind nämlich davon überzeugt, daß besonders Wallstreet eine massive Liquidationswelle noch bevorsteht.

Auch den japanischen Markt betrachten viele Börsianer mit Skepsis. Man meint, daß die rein technische Belastung in den vergangenen Wochen stark zugenommen habe. Als Begründung führt man unter anderem die Rekordhöhe der vergebenen Effektenkredite an. Positionen, die mit Hilfe von Effektenkrediten aufgebaut wurden, sind bei sinkenden Kursen zunehmender Gefahr ausgesetzt, da dann der Eigenkapitalanteil der Anleger bei den Engagements schrumpft und der Broker, die Bank oder die Börse von irgendeinem Punkt an nicht mehr mitmacht. In der Regel folgen dann panikartige Zwangsliquidationen. Hohe Effektenkredite sind übrigens meist ein sicherer Hinweis auf ausgeprägte Spekulationsneigung im breiten privaten Börsenpublikum. Ähnliche Verhältnisse wie in Japan sind schon seit längerer Zeit am amerikanischen Markt zu beobachten.

Nun gibt es für Wallstreet nach Meinung börsentechnisch ausgerichteter Analytiker aus heutiger Sicht nur zwei überzeugende Losungsmöglichkeiten. Einmal könnte die Entwicklung unmittelbar auf einen regelrechten "Ausverkauf" zusteuern, der alle Erwartungen überschreitet und die noch zahlreich vertretenen Haussiers zu Baissiers bekehrt. Zum anderen ist es möglich, daß sich der Aktienmarkt auf dem gegenwärtigen Niveau fängt und zu einer ansehnlichen Erholung ansetzt, die aber im Laufe des Frühjahrs wieder in sich zusammenfallen dürfte. In dieser zweiten Alternative würde das bittere Ende für die uneinsichtigen Haussiers nur hinausgezögert, denn auch dann wäre ein "Ausverkauf" wohl unvermeidlich. Die beschriebenen Prozesse sind nach der Überzeugung erfahrener Börsianer unabdingbar, um die Voraussetzungen für einen neuen soliden Aufschwung im Rahmen der langfristigen Hausse zu schaffen.

Technologieaktien dürften bei fallender Allgemeintendenz von jetzt an vergleichsweise wenig an Terrain verlieren, weil sie sich als Gruppe bereits in einer krass "überverkauften" Lage befinden. Bei Erholungen werden die Qualitätswerte dieses Bereichs dagegen aus dem gleichen Grund überdurchschnittlich an Boden gewinnen. Es ist aber sehr fraglich, ob sich die Mehrheit dieser Papiere dann auf höherem Niveau zu halten vermag. Bei dieser Gelegenheit wird an die These erinnert, daß Gipfelpunkte, wie sie die meisten Technologiewerte Mitte vergangenen Jahres gebildet haben, auf Sicht von 15 bis 18 Monaten das Wiederaufleben einer Hausse verhindern. So lange dauert es nämlich aller Erfahrung nach, bis die angeschlagenen Aktien von schwachen Händen in starke übergegangen sind.

Es ist anzunehmen, daß sich die anderen wichtigen Börsen der Welt mehr oder minder stark an der Tendenz des amerikanischen Aktienmarktes orientieren werden. Wenn die aufgezeigten Aspekte zutreffen, können Anleger in den nächsten Wochen und Monaten wohl überall mit neuen günstigen Gelegenheiten zum Kauf rechnen. Die größten Chancen gibt man Aktien von solide finanzierten Unternehmen mit voraussehbarem Ertragswachstum, zu denen natürlich auch einige ausgewählte Technologiewerte zählen. Manche Analytiker empfehlen eindringlich, das Verhalten der IBM-Aktie sehr aufmerksam zu verfolgen. Sie, der man eine "Leithammel-Funktion" zuschreibt, könnte Hinweise darauf geben, wann der amerikanische Aktienmarkt Talsohle durchschreitet, heißt es.