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28.02.1986 - 

Japaner analysieren die Marktmacht von Big Blue - Sorge der westlichen Welt:

IBM als Fremdkörper in der Wirtschaftswelt

TOKIO (CW) - Wenn von der IBM als einem marktbeherrschenden Unternehmen gesprochen wird, gilt dies fast ausnahmslos für die westliche Welt. Wie gesagt, fast. Denn in Japan hat sich der Marktanteil des blauen Riesen innerhalb eines Jahrzehnts von 60 auf jetzt 27 Prozent reduziert. Gleichwohl betrachten die Japaner IBM als eine Bedrohung, als einen Fremdkörper im marktwirtschaftlichen System.

Obwohl die Japaner sich aufgrund ihres Erfolges auf dem eigenen Rechnermarkt zufrieden zurücklehnen könnten, bereitet ihnen die Allgegenwart des amerikanischen Computergiganten Kopfzerbrechen. Ihre Sorgen teilen sie offensichtlich mit der Europäischen Gemeinschaft. So berichtet jetzt "Blick durch die Wirtschaft" über "gewisse Übereinstimmungen zwischen Tokio und Brüssel".

Etwa 90 Prozent aller Daten werden gegenwärtig weltweit in IBM-Systemen gespeichert, heißt es in dem Korrespondentenbericht. Ebenso hoch wird der Anteil des IBM-Konzerns an der gesamten weltweiten Rechnerkapazität geschätzt. In verantwortlichen japanischen Stellen schließt man die Möglichkeit nicht aus, daß der IBM-Umsatz nach derzeit knapp 50 Milliarden Dollar bis zur Jahrhundertwende deutlich über 200 Milliarden Dollar steigen könnte. Der Weltpostumsatz, so führen die Japaner an, liegt derzeit bei 250 Milliarden Dollar.

Schätzungen zufolge dürften die Ausgaben für Forschung und Entwicklung der blauen Weltmacht heute etwa 50mal so hoch sein, wie die der stärksten US-Konkurrenten. Ferner beschäftigt IBM allein in Europa mehr Mitarbeiter als der Mitbewerb auf dem Kontinent. Diese beherrschende Rolle hat IBM seit den fünfziger Jahren kontinuierlich aufgebaut.

Interessant ist, so ermittelten die Japaner, daß Käufer von DV-Produkten bereit sind, 20 bis 30 Prozent für IBM-Erzeugnisse mehr zu zahlen als für die der Konkurrenz. Unterstellt wird, daß Käufer glauben, durch den Preisaufschlag grundsätzlich die modernste Technik zu erwerben. Beim Erwerb von PCM-Produkten ist ein Abschlag als "Zitterprämie" unerläßlich. So haftet diesem Unternehmen der Ruf an, vielleicht morgen mit der Entwicklung nicht mehr mithalten zu können.

Haarscharf haben die Japaner auch die Verquickung zwischen Kauf von IBM-Produkten und Karrieren analysiert. So heißt es in dem Bericht: "Innerbetriebliche Karriere-Risiken laufe ausschließlich jene Führungskraft, die sich - aus welchen Gründen auch immer - gegen die Anschaffung von IBM-Produkten entscheide. Der Entschluß von Führungskräften, IBM-Rechner und -Peripherie einzusetzen, sei daher ein Akt zur Sicherung des eigenen Arbeitsplatzes."

Den möglichen Schaden, den die IBM aufgrund ihrer Marktmacht einzelnen Volkswirtschaften zufügt, veranschlagen die Japaner um das Hundertfache höher als den Steuerbetrag, den die IBM in dem jeweiligen Land entrichtet. Hinzu kommt: Mit großzügigen Spenden und Nachlässen für Hochschulen und Forschungseinrichtungen bereiten die Strategen in Armonk gezielt die Gewöhnung an die blaue Welt vor.

Gleichfalls wird im Land der aufgehenden Sonne die Taktik beobachtet, daß IBM die Preise für Hardware ständig senkt, demgegenüber die Software aber kontinuierlich verteuert. Diese Strategie mache es Konkurrenten immer schwerer, in diesem Preiskampf mitzuhalten, zumal sie mit der Massenproduktion der IBM nicht mithalten können. Die hohen Softwarepreise kann der US-Primus nur halten, da die PCM-Industrie zumeist nicht mit ihrer Software ins Geschäft kommt.

In Tokio wird seit geraumer Zeit über die weitere mögliche Entwicklung diskutiert. Zum anderen überlegen sich Regierungskreise Gegenmaßnahmen. Ein japanischer Alleingang wird ausgeschlossen. Dies liegt nicht zuletzt an den japanischen Handelsbilanzüberschüssen gegenüber den USA. Sie dürften die Aktionsbereitschaft stark dämpfen. Gleichzeitig hat Japan die Rolle der IBM in der westlichen Welt durchleuchtet. Alle hochentwickelten Länder sind hochgradig von der Datentechnik abhängig - sowohl private und staatliche Unternehmen sowie öffentliche Verwaltungen: "Je stärker die westliche Welt über die nationalen Grenzen hinaus zusammenwächst, desto mehr stößt sie an die datentechnische Weltmachtstellung des IBM-Konzerns."