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23.04.1993 - 

"Computerworld" analysiert Marktchancen und moegliche Strategien

IBM: Anwender erwarten eine Bereinigung der Produktpalette

Viele Analysten und Anwender sind der Ueberzeugung, dass die Armonker schon bald beginnen, ihre Angebotspalette zu bereinigen. "Sie werden jedes Produkt auf heutige und kuenftige Profitchancen hin untersuchen. Dabei muessen sie die Kernprodukte definieren, die sie in das naechste Jahrhundert bringen", vermutet James Cassell, Analyst der Gartner Group. Die CW-Schwesterpublikation "Computerworld" hat die heutige Produktpalette der verschiedenen Lines of Business (LOBs) daraufhin abgeklopft und die Herausforderungen aufgelistet, denen sich Big Blue angebotsseitig stellen muss.

Das Geschaeft mit Mainframes, aus dem nach wie vor rund 50 Prozent der IBM-Profite stammen, muss laut "Computerworld" so lange aufrecht erhalten werden, bis die naechste Generation eigener Parallelcomputer die heutigen Grossrechner abloesen kann.

Der aus IBM-Sicht beklagenswerte Umsatzrueckgang in diesem Sektor von acht Prozent auf 12,7 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr steht der Verwirklichung dieser Strategie allerdings im Wege.

Auch dass der Markt fuer Grosssysteme nach Wert gerechnet in den vergangenen paar Jahren um 25 Prozent geschrumpft ist, macht die Chancen auf Erhalt des klassischen Mainframe-Business nicht groesser. Das Problem, erklaerte der Boss der Enterprise Systems, Nick Donofrio, selbstkritsch, bestehe darin, dass die IBM-Preise nach wie vor ueber denen der Konkurrenz laegen.

Relationale Datenbanken konkurrenzfaehig machen

Erst bei der fuer das naechste Jahr in Aussicht gestellten Familie parallel arbeitender Mainframes sollen die Kosten pro Mips nur noch halb so hoch sein wie bei den heutigen IBM-Grossrechnern.

Im Jahr 1991 (neuere Zahlen lagen bei Redaktionschluss nicht vor) setzte die IBM im Bereich der AS/400 rund 14 Milliarden Dollar um. Damit sie mit den Midrange-Rechnern weiteres Wachstum erzielen koenne, muss sie laut "Computerworld" kleine und mittlere Unternehmen weiterhin zufriedenstellen, waehrend sie die Produkte fuer Grosskunden verbessert. Ein Hemmschuh sei allerdings die Proprietaet der AS/400, die die Flexibilitaet der Entwickler stark einschraenke.

Big Blue muesse unbedingt das Versprechen einloesen, das System Client-Server-tauglich zu machen. Fuer Grossunternehmen, in denen die AS/400 mitunter als Abteilungsrechner fungiert, sollten die Armonker fuer eine "nahtlose Integration des Systems" in die Gesamt-DV der Anwender sorgen, wuenscht sich Michael Chang, Direktor Decision-Support Systems bei der Nissan Motor Corp. Das braechte seiner Meinung nach Big Blue einen Vorteil gegenueber den Unix-Systemen anderer Hersteller.

Im Sektor Enterprise Software erzielte die IBM zuletzt einen (geschaetzten) Umsatz von 2,7 Milliarden Dollar. Dieser Bereich stellt der "Computerworld"-Analyse zufolge zwar eine der groessten Hoffnungen im Markt fuer offene Systeme dar, allerdings nur dann, wenn die Armonker auch die Plattformen anderer Hersteller unterstuetzen.

Die ersten Schritte in dieser Richtung habe das Unternehmen bereits mit der Ankuendigung unternommen, seine DB2/6000-Datenbank auch auf HP-Maschinen zu portieren. Die Softwerker von Big Blue muessten schnell reagieren, fordert Donald Feinberg, Programm-Director bei der Gartner Group. Vor allem habe der Hersteller die Aufgabe zu bewaeltigen, seine relationalen Datenbanken konkurrenzfaehiger zu machen und sie im Client-Server-Umfeld zu positionieren.

Zwar fuhr die IBM im vergangenen Jahr mit offenen Systemen (geschaetzt) zwei Milliarden Dollar ein, doch der Erfolg in diesem Sektor werde daran gemessen, ob Big Blue es schafft, die Offenheit der Systeme ueber die gesamte Produktpalette hinweg zu realisieren.

"Open Systems sind das neue Mantra der IBM", sagte Omri Serlin, Industrie-Analyst bei der Itom International Co., Kalifornien. Allein in diesem Jahr habe Big Blue den Begriff "offen" bei Ankuendigungen sowohl im Bereich der Mainframes als auch der AS/400 verwendet. In den naechsten zwei Jahren sei damit zu rechnen, dass IBM Midrange-Rechner auf Basis des Power-PC-Chips herausbringe.

Bei PC-Hard- und Software erreichten die Einnahmen der IBM 1992 - inklusive der RS/6000 - eine Hoehe von 9,8 Milliarden Dollar. Wollen die Armonker in diesem Bereich Profite machen, bedeutet das laut "Computerworld" fuer sie, dass sie ihren Desktop-Marktanteil halten und OS/2 als lebensfaehigen Betriebssystem-Konkurrenten gegen NT und Unix etablieren koennen.

Der kuerzlich eingeschlagene Weg in Richtung Direktvertrieb und eine aggressivere Preisgestaltung haetten die Erosion des Marktanteils stoppen koennen. Nach Angaben von James Cannavino hat IBM im vierten Quartal vergangenen Jahres 1,4 Millionen PCs verkauft. "Computergram" zufolge habe die PC-Company in den ersten drei Monaten diesen Jahres sogar ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt. Zur Haelfte ist offenbar das Europa-Geschaeft fuer diese Stueckzahlen verantwortlich. Dort soll sich, wie der Newsletter "Inside IBM" meldet, der Absatz zwischen Oktober und Dezember 1992 gegenueber dem dritten Quartal verdreifacht haben.

Gleichzeitig kaempft die IBM aber mit Microsoft um die Vorherrschaft bei der naechsten Generation der objektorientierten Betriebssysteme.

Kurzfristig werde Big Blue, so die Einschaetzung der "Computerworld", 0S/2 auf Intel-Plattformen gegen Unix und das von Microsoft angekuendigte DOS 7.0 positionieren. Ausserdem plane IBM eine portierbare Version von OS/2 fuer ihre RISC-Power-PCs, die gegen Windows NT und Unix verkauft werden soll. Der wirkliche Erfolg in diesem Bereich haenge jedoch hoechstwahrscheinlich von dem Taligent-Projekt ab.

Hier bestehe die Aufgabe darin, Pink herauszubringen, bevor Microsoft das Projekt "Cairo" abschliessen und ein Konkurrenzprodukt fuer den objektorientierten Bereich anbieten kann.

Netzwerk-Software muss offener werden

Im Netzwerk-Business erzielte Big Blue laut "Computerworld" rund 5,3 Milliarden Dollar Umsatz. Der von Ellen Hancock gefuehrten Line of Business eroeffneten sich gute Moeglichkeiten im Bereich der aufkommenden Hochgeschwindigkeits-Netze auf ATM-Basis, wo es nicht darum gehe, eine bereits installierte Basis anzugreifen. Ausserdem muesse es der IBM gelingen, Anwendern Migrationsangebote von SNA auf LAN-basierte Netze zu machen.

Darueber hinaus sei zu erwarten, dass die Hancock-Truppe Kommunikationssoftware wie Netview und Systemview sowie die CICS-Transaktions-Verarbeitung und APPN (Advanced peer-to-peer-Networking)- Protokollen weiter vorantreibt.

Um erfolgreich zu sein, muesse sich die IBM jedoch verpflichten, ihre Schluesselsoftware im Netzwerkbereich, besonders APPN Network Node, so offen wie moeglich zu gestalten, indem sie den Code fuer wenig Geld lizenziert oder indem sie Spezifikationen weitergibt.