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18.04.1986 - 

Wenn der Trend anhält, bleibt das 100-Milliarden-Dollar-Ziel in weiter Ferne

IBM: Aus dem Neugeschäft ist die Luft raus

MÜNCHEN/NEW YORK (ujf) - Vollmundig hatte die IBM Corp. ihr Ziel verkündet, mit der DV-Branche zu wachsen, das heißt jährlich um nicht weniger als 15 Prozent. Bis 1990 schien so ein Jahresumsatz von 100 Milliarden Dollar erreichbar. Das Wall Street Journal verstieg sich kürzlich gar zu der Frage "200 Milliarden bis 1995?" Doch das Neugeschäft stagniert, und die Mieterträge sinken - allein am Service hält sich IBM schadlos. Sind dem Wachstum des Giganten Grenzen gesetzt?"

Das schwächste Quartal des Geschäftsjahrs ist immer das erste; deshalb hatte schon niemand damit gerechnet, daß Big Blue am 11. April 1986 ein hervorragendes Ergebnis präsentieren könnte. Daß es aber derart mäßig ausfallen würde, überraschte dann doch selbst die Insider. Denn die Fieberkurve der Umsatzentwicklung zeigt nach den ersten drei Monaten des Geschäftsjahrs 1986 steiler nach unten als üblich (siehe Grafik). Zwar stieg der Gesamtumsatz gegenüber dem Vergleichsquartal noch um den Betrag den etwa Compaq in neun Monaten einnimmt, nämlich um 358 Millionen (auf 10,13 Milliarden) Dollar, doch bei Mother Blue sind das eben nur 3,66 Prozent vom Ganzen. Interessant ein anderer Vergleich: Das erste Quartal 1986 liegt um 41 Prozent unter dem Schlußviertel des Jahres 1985, während der Rutscher von IV 1984 auf I/1985 "nur" 32,6 Prozent ausmachte.

Am schlimmsten sieht es für Big Blue im Neugeschäft, bei den Shipments, aus. Hier sank der Umsatz um 0,3 Prozent oder 17 Millionen Dollar gegenüber dem bekanntlich schwachen ersten Quartal 1985, in dem der Umsatz um ganze 1,9 (!) Prozent geklettert war; die Anwender kauften von Januar bis März 1986 IBM-Rechner für 6,10 Milliarden Dollar. Nicht nur überkritische Geister unter den "IBM-Watchers" fragen sich angesichts dieser Zahlen, wie das IBM-Management alle fünf Jahre den Umsatz verdoppeln will.

Die Kurve für das Vermietungsgeschäft neigt sich immer weiter nach unten, denn die Vertriebspolitik forciert seit einiger Zeit den Verkauf zuungunsten von Miete und Leasing. Binnen zwei Jahren sanken die Mieteinnahmen um fast zwei Drittel auf nur noch 812 Millionen Dollar. Einzig im Servicegeschäft präsentiert die IBM noch stramme Wachstumszahlen: 31,5 Prozent mehr als vor einem Jahr spülte dieser Bilanzposten in die Kasse des Unternehmens, nämlich 3,21 Milliarden Dollar.

Der Oberboß des Headquarters im New Yorker Vorort Armonk, President John F. Akers, erklärt das (gemessen an den Ansprüchen von IBM) äußerst magere Ergebnis mit der allgemein mäßigen Wirtschaftslage in den USA; zudem seien die Kunden angesichts der Unklarheiten über die geplante Steuerreform verunsichert. Das Argument vom letzten Jahr zieht nicht mehr; da war es der hohe Dollarkurs, der den Export erschwerte Akers konzediert sogar, daß das Nachgeben des Dollar gegenüber den anderen Leitwährungen IBM 915 Millionen Dollar mehr Umsatz und 140 Millionen mehr Gewinn beschert habe. Mit anderen Worten: Dem Verfall des Dollarkurses verdankt es Mother Blue nach Ansicht ihres Vorstandsvorsitzenden, daß der Umsatz nicht um 5,7 Prozent und der Gewinn nicht um 11,0 Prozent zurückgegangen ist.

Es gibt überdies Hinweise darauf, daß Akers auch noch aus einem anderen Grund der Presse und Wall Street diese wenig erfreulichen Zahlen präsentieren mußte. Wäre das vierte Quartal 1985 nämlich schwächer ausgefallen, hätte dies das Jahresergebnis verdorben; mit einem um neun Prozent gesteigerten Umsatz und einem knapp behaupteten Gewinn kam der Konzern nämlich für 1985 gerade noch mit einem blauen Auge davon. Deshalb hatte Akers kurz vor Jahresende die Verkäufe so forcieren müssen, daß möglichst viel Geld noch vor dem Stichtag 31. Dezember hereinkam. Dieser Umsatz fehlte dann - natürlich - im ersten Quartal in der Kasse.