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Plasmaforscher rechnen mit CDC, Amdahl, Cray und demnächst mit Siemens:


25.01.1980 - 

IBM bald nicht mehr in Garching vertreten

GARCHING - "Nur durch umfangreiche Rechnungen ist die Generationenzahl teurer Experimente einzuschränken", sagte Professor Dr. Arnulf Schlüter, Leiter des Bereichs "Theorie dreidimensionaler Systeme" und Mitglied des Direktoriums des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP) in Garching bei München vor Institutsmitarbeitern und rund 40 Gästen und Journalisten. Anlaß seiner Rede war ein Presseempfang am 15. Januar, bei dem das IPP sein um einen Cray-1-Rechner erweitertes Rechenzentrum der Öffentlichkeit vorstellte.

Nach der Begrüßungsansprache durch, Professor Dr. Rudolf Wienecke, dem wissenschaftlichen Direktor des IPP und Vorsitzenden der wissenschaftlichen Leitung, erläuterte Schlüter einige wesentliche Forschungsaufgaben des IPP, zu denen neben der Fusionsforschung beispielsweise auch die Informatik gehöre. Mit der neuen Rechnerkapazität sollten ebenso "grobe Betrachtungen des Plasmas (Schlüter)" wie auch Erkundungen des Verhaltens von Plasma-Einzelteilchen vorgenommen werden - neben anderen Aufgaben.

Als Beispiele einer groben Betrachtungsweise nannte Schlüter das Erforschen der Transportfähigkeit und der Bewegungsstabilität von Plasmateilchen sowie einwandfreier Magnetfeldlinien und "Inselbildungen" bei unterschiedlichen Temperaturen. Die Einzelbetrachtung untersucht beispielsweise die Ausbreitung auftretender Neutronen sowie elektrische Spannungen. Zwar sind die Bahnverläufe unbotmäßiger Teilchen nach Schlüters Darstellung selbst mit Cray-Hilfe nicht zu berechnen, gleichwohl diene der Einsatz des Superrechners immer auch der menschlichen Sicherheit.

Schlüter bezeichnete die Cray-1 zusammenfassend als ein "entscheidendes Hilfsmittel für vernünftige Forschungsdurchführung". Die Forschungsaktivitäten der am Rechenzentrum Garching beteiligten Institute - zu ihnen gehören beispielsweise auch das Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik - umfaßten immer schon große numerische Simulationsaufgaben, erklärte Professor, Dr. Friedrich Hertweck, Leiter des Bereichs Informatik beim IPP, zu Beginn seiner Ansprache. Darum habe man 1969 den seinerzeit leistungsfähigsten technisch-wissenschaftlichen Rechner angeschafft, eine IBM /360-91, den man im Laufe des Jahres 1980 durch eine Siemens 7.870 S ersetzen werde, und eben jetzt die Cray-1.

Hintergrundrechner für IBM- und Amdahl-Verbund

An Großrechner stehen in Garching augenblicklich die, IBM /360-91 und die Cray-1, ferner ein Amdahl 470 V/6 sowie eine CDC 7600. Im Rückblick berichtete Hertweck, das IPP habe 1970/71 ein Terminalsystem "Amos" entwickelt, um den Wissenschaftlern einen besseren Zugang zur 360-91 bei bescheidenen Anforderungen an die Betriebsmittel zu verschaffen, Als die Amdahl 470 V/6 hinzukam, sei "Amos" als virtuelle Maschine in VM/370 implementiert worden und bediene heute etwa 80 Dialog- und 25 Batch-Stationen. In das Konzept der gekoppelt arbeitenden IBM und Amdahl-Systeme passe die Cray-1 "auf ganz natürliche Weise", und zwar als Hintergrundrechner, wobei sie im IPP erstmals an VM/370-Betriebssysteme in den Front-End-Rechnern angeschlossen sei.

Leistungsfähigster Rechner in Kontinental-Europa

Hertweck informierte die Zuhörer abschließend über die Datenfernverarbeitungs-Aktivitäten des IPP. Die über Stand- und Wählleitungen bestehenden Verbindungen mit Forschungsstätten etwa in Hamburg, Heidelberg, Culham (England) und Lausanne (Schweiz) sollten beispielsweise per Euronet Diane ausgebaut werden. Satellitenübertragung komme wegen hoher zusätzlicher Personalkosten nicht in Betracht. und bei Auslandsverbindungen über Wählleitung habe man die Erfahrung gemacht, daß Übertragungsstandards von den nationalen Postverwaltungen unterschiedlich interpretiert würden.

Letzter Redner, in Garching war Jürgen Kesper, Geschäftsführer der Cray Research GmbH, München. An Geschäftlichem aus dem Hause des Computerarchitekten Seymour Cray berichtete er.

- die neun im Jahre 1980 zu produzierenden Maschinen sind bereits verkauft,

- 15 Prozent des Cray-Umsatzes gehen in die Forschung, davon ein Drittel für Software. ein Drittel für Systemausbau. das letzte Drittel für neue Hardware Cray-2, Cray-3).

Der 20-Millionen-Mark-Rechner des Max-Planck-Instituts ist nach Kespers Angaben der leistungsfähigste Computer Kontinental-Europa. Er besteht aus einem

- Hauptspeicher mit einer Million Worte ä 64 Bit,

- konventionellen Skalar-Verarbeitungsteil,

- Vektorteil,

- Ein-/Ausgabeteil mit Koppelwerk für Vorschaltrechner sowie Massenspeicher,

- Wartungsrechner.

Anders als der Illiac IV von Burroughs - so Kesper - sei die Cray-1 von vornherein nicht als Parallelrechner konzipiert gewesen. sondern stelle mangels vorhandener Algorithmen für parallele Verarbeitung einen Kompromiß zwischen den technologisch möglichen und den architektonisch denkbaren Merkmalen dar. Aber auch als "Zwischenprodukt auf dem Weg zu mehr Parallelität" (Kesper) kann die Cray-1 sich sehen lassen: Ihre Taktzeit beträgt 12,5 Nanosekunden; in dieser Zeit legt ein Lichtstrahl 30 Zentimeter zurück.