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28.02.2003 - 

Big Blue schickt Intels Itanium in die Warteschleife

IBM baut das Blade-Angebot aus

MÜNCHEN (IDG) - IBM wird in diesem Jahr seine Blade-Server mit schnelleren und mehr CPUs bestücken. Darunter ist auch eine Variante, die mit 64-Bit-Power-Prozessoren arbeitet. Widersprüchliche Aussagen deuten darauf hin, dass Big Blue Intels Itanium-Strategie reserviert gegenübersteht.

Es war gewiss kein Zufall, dass IBM einen Tag, nachdem Sun seine ersten Blade-Server vorstellte (siehe CW 7/03, Seite 8), in gleicher Sache an die Öffentlichkeit ging. IBM versucht, nicht nur der Konkurrenz den Wind aus den Segeln zu nehmen, sondern trägt damit auch dem Blade-Boom Rechnung. In den ersten zehn Wochen seit Verfügbarkeit des blauen "Bladecenter"-Angebots hat IBM nach eigenen Angaben 5000 Server dieses Typs verkauft. "Die Blade-Nachfrage explodiert in diesem Jahr", erklärt Jeff Benck, Director des E-Server-Bereichs bei Big Blue, "und übertrifft alles, was wir im Server-Markt erlebt haben".

Prompt wird das Angebot der Zwei-Wege-Blades unter dem Label "HS20" ausgebaut. In Kürze werden Modelle mit Xeon-CPUs erscheinen, die auf 2,6 und 2,8 Gigahertz statt bisher 2,4 Gigahertz getaktet sind. In der zweiten Jahreshälfte 2003 soll dann ein neuer Blade-Server auf den Markt kommen, der mit vier symmetrischen Xeon-MP-Prozessoren bestückt ist und trotz doppelter Breite in das aktuelle Bladecenter-Chassis passt. Dieses "Rechnerscheibchen" wird allerdings 7U Normbauhöhe (12,25 Zoll = 30 Zentimeter) haben. Sieben von ihnen werden nebeneinander in einem Chassis Platz finden.

Ähnlich wie Sun sieht IBM einen Markt für 64-Bit-Blades. In der zweiten Hälfte dieses Jahres möchte Big Blue Zwei-Wege-Blades mit dem eigenen "Power"-Risc-Prozessor zur Marktreife bringen. Wahrscheinlich wird dafür eine auf einen Prozessorkern reduzierte Variante des Dual-Core-Chips Power 4, der künftige Typ 970, Verwendung finden.

Die Power-Blades will der Anbieter allerdings wie bisher zuerst mit Linux offerieren, obwohl auf dem Prozessor auch AIX und im Prinzip sogar OS/400 laufen könnte. Benck: "Das Blade-Wachstum geht mit Linux einher." Denn auch 64-Bit-Blades dürften noch zu einem erheblichen Teil für Web-gerichtete Anwendungen genutzt werden, eine klassische Domäne des quelloffenen Betriebssystems.

Itanium-Blade im Labor?

Der IBM-Manager ließ durchblicken, dass sein Unternehmen Zwei-Prozessor-Blades auch auf der Basis des Itanium 2 entwickelt. Diese Server seien doppelt so breit wie die bisherigen Xeon-bestückten Geräte, weil der stromfressende Itanium sehr viel mehr Hitze abstrahlt. Ob derlei sinnvoll ist, darf debattiert werden; denn solche Blades verlieren zwei wichtige Kostenvorteile: geringerer Energieverbrauch und weniger Aufwendungen für die Kühlung.

Die Itanium-Blade-Ankündigungen von Benck stehen jedoch im Widerspruch zu Aussagen anderer IBM-Manager, die den Anschein einer zunehmenden Distanz von Big Blue zu Intels 64-Bit-Architektur erwecken. So bestätigte Firmensprecher Ron Favali, eine Hand voll Entwickler, die bisher Linux an Intels Itanium-Prozessoren anpassten, hätten eine neue Aufgabe zugewiesen bekommen. Sie sollen jetzt das Open-Source-Betriebssystem für IBMs eigene "Power"-Risc-CPUs optimieren.

Favali begründete die Umpositionierung damit, dass es dem Itanium noch an Akzeptanz fehle: "Unserer Ansicht nach ähnelt Itanium einem wissenschaftlichen Projekt. Es gibt keinen Markt dafür." IBM hatte Itanium-basierende Server eigentlich schon für den Herbst letzten Jahres angekündigt. Favali jetzt: "Wir werden Itanium-Systeme herausbringen, wenn die Kunden sie wollen, aber sie verlangen nicht danach. Wir glauben, der Xeon-Prozessor hat noch einige Zeit vor sich."

Mit dieser Chipstrategie befindet sich IBM unversehens Seite an Seite mit Dell. Der Houstoner Computerbauer hat von Anfang an nur verhaltenes Interesse am Itanium 2 gezeigt und sich bisher auf dessen Vorgänger beschränkt. Solange der Markt nicht nach Servern mit Intels 64-Bit-CPU schreit, gilt das Hauptaugenmerk dem 32-Bit-Chip Xeon. Auch in Sachen Linux für Itanium gibt es eine Parallele zu IBM: Dell hat zwar eine Meldung dementiert, nur einen einzigen Linux-Itanium-Spezialisten zu beschäftigen, weigert sich aber, Angaben zur Größe des Entwicklerteams zu machen.

Power-Fraktion hat Aufwind

Anscheinend gibt es bei Big Blue ein Tauziehen um die Hauptlinien der CPU-Politik. Robert Amezcua, Vice President P-Series bei IBM, vertritt dabei natürlich die Linie der "Power-Fraktion". Er räumt ein, dass es IBM-intern Diskussionen darüber gegeben habe, ob die Power-PC-Architektur zugunsten des Itanium aufgegeben werden soll. Man habe sich damals die Roadmaps für die Chips angeschaut, "und wir glauben, mit der Power-Technologie die richtige Antwort zu haben. Wir werden dafür sorgen, dass der Itanium nicht überlebt."

Die IBM verliere zunehmend die Scheu, klar zu machen, dass der Power-Chip ihr Trumpf im 64-Bit-Spiel ist, konstatiert Gordon Haff, Analyst beim Marktforschungsinstitut Illuminata. "Die IBM wird eher auf den eigenen Prozessor setzen, weil sie seine Entwicklung besser bestimmen und mit ihm mehr Geld machen kann. Das System gehört schließlich IBM."

Zwischenlösung von AMD

Bis es zum Show-down zwischen Power- und Itanium-Architektur kommen kann, wird mindestens noch ein Jahr vergehen. Erst in der ersten Hälfte 2004 wird IBM den Power 5 vorstellen, dessen Eigenschaften wie "Simultaneous Multithreading" mit Intel-Technologien wie "Hyperthreading" nicht nur gleichziehen, sondern die IA-64-Architektur in den Schatten stellen könnten (siehe CW 7/03, Seite 7).

Um bis dahin das 64-Bit-Feld nicht ganz der Konkurrenz zu überlassen, setzt IBM, beginnend im Lowend, auf den Opteron-Chip des Herstellers AMD, mit dem das Unternehmen ohnehin eng liiert ist. "Wenn der Opteron ein Erfolg wird, sind wir dabei", erklärt IBM-Fellow und -Chefarchitekt Ravi Arimilli. IBM könnte den Prozessor sogar als OEM herstellen. Der Opteron sei "eine ziemlich gute Sache für das Jahr 2003, aber nicht mehr 2004, wenn der Power 5 kommt". (ls)