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Multiprozessor-Server-Spezialist nach Übernahme 1999 jetzt auf dem Abstellgleis

IBM begräbt die Sequent-Systeme

21.06.2002
MÜNCHEN (CW/jm) - Viel Lärm gab es in den Medien um den Abbau Tausender Arbeitsplätze bei IBM. Betroffen von den Entlassungen sind auch 250 Angestellte von Sequent Computer Corp. Big Blue hatte den Spezialisten für Multiprozessor-Server Mitte 1999 für rund 810 Millionen Dollar aufgekauft. Jetzt verschickt IBM an seine Sequent-Kunden Briefe, in denen das Ende dieser Systeme mitgeteilt wird.

Bereits Ende April 2002 hatte IBM begonnen, Sequent-Kunden schriftlich mitzuteilen, das Unternehmen werde ab Ende dieses Jahres keine solchen Systeme mehr verkaufen. Nach 2007 wird Big Blue nach den vorliegenden Informationen auch keine Wartungsdienstleistungen mehr für die Multiprozessor-Systeme leisten.

Sequent war in den 90er Jahren bekannt geworden für seine Numa-Technologie (Numa = Non Unified Memory Access). Mit dieser war es möglich, Dutzende von Prozessoren so mit dem Hauptspeicher kooperieren zu lassen, dass verschiedene CPUs gleichzeitig Daten vom Speicher holen oder in diesen schreiben konnten, ohne die Datenkohärenz zu gefährden.

Numa-Q-Technik

Neben Sequent hatten verschiedene Unternehmen wie etwa Data General, NCR, Sun Microsystems oder Hewlett-Packard unterschiedliche Multiprozessor-Konzepte vorgelegt. Sequents Systeme, die zunächst unter dem proprietären "Dynix/ptx"-Unix-Betriebssystem liefen, wurden ab 1997 auch unter dem Windows-NT-Betriebssystem angeboten. Die Sequent-Maschinen besaßen den zusätzlichen Charme, industrieweit eingesetzte Intel-Prozessoren zu nutzen.

IBM unterhielt im Segment der Symmetrischen-Multiprozessor-(SMP-)Maschinen kein eigenes Angebot, wohl auch, weil man Ende der 90er Jahre den eigenen Mittelstandsmaschinen der damaligen AS/400-Linie und auch den Unix-basierenden RS/6000-Rechnern keine Konkurrenz machen wollte. Mitte 1999 aber kaufte Big Blue dann doch Sequent.

Zum damaligen Zeitpunkt allerdings hatte Sequent zumindest in Europa schon eine weitreichende Vertriebspartnerschaft mit der zur südafrikanischen Persetel-Gruppe gehörenden Comparex Holdings Ltd. geschlossen. Comparex übernahm große Teile des europäischen Vertriebs von Sequents Numa-Q-Servern und der Sequent-Geschäftstätigkeiten im gesamten deutschsprachigen Raum, den Benelux-Staaten sowie Spanien und Portugal. Nur Frankreich und Großbritannien waren von der Übernahme nicht betroffen.

Comparex holte sich zudem einen großen Teil der Mitarbeiter von Sequent an Bord. In Deutschland, Österreich und der Schweiz waren von dem Abkommen mit Comparex zirka 80 Beschäftigte betroffen. 17 Angestellte verblieben in der deutschen GmbH Sequents, um die Comparex-Niederlassungen zu betreuen.

Die Abkehr von der Sequent-Produktfamilie hatte sich bereits im Juli 2001 angedeutet. Seinerzeit hatte IBM angekündigt, die Server vom Typ "Numa-Q" würden nicht wie geplant das Betriebssystem Windows .NET Server und die Open-Source-Umgebung "Linux Application Environment" (LAE) unterstützen. Anwendern empfahl der Konzern damals, auf die "Summit"-Technologie umzusteigen, ein Verfahren, bei dem ebenfalls mehrere Prozessorplatinen zu einem Multi-CPU-System verbunden werden.

Doch während IBMs auf Sequents Numa-Architektur basierende "430"er Modelle bis maximal 64 CPUs gemeinsam nutzen konnten und mit Pentium-III-Xeon-Chips rechneten, konnten die ersten Summit-Rechner lediglich mit vier Systemplatinen und damit maximal mit 16 Prozessoren arbeiten.

Noch vier Monate zuvor im März 2001 hatte Big Blue Sequent-Anwender anlässlich der Vorstellung der Server-Reihe "x-Series 430" in Sicherheit gewiegt, auf den ehemals Numa-Q genannten Rechnern werde das Unternehmen eine breite Palette von Betriebssystemen unterstützen. Neben dem proprietären Unix-System "Dynax/ptx" sollten auch die Nachfolgeversion von Windows Datacenter 2000 sowie das Linux Application Environment (LAE) unterstützt werden. Diese Pläne wurden jedoch nicht umgesetzt. Anwender, die darauf gebaut hatten, mit dem Server-Betriebssystem Windows .NET Server von Microsoft einen zukunftsweisenden Pfad für ihre Plattform aufgezeigt zu bekommen, landeten in einer Sackgasse.

IBMs Sprecher Hans-Jürgen Rehm sagte, in Deutschland seien von der Entscheidung, die Sequent-Systeme sterben zu lassen, rund zwei Dutzend Kunden betroffen. Ohne detailliertere Informationen zu haben, äußerte Rehm weiter, in Großbritannien sei Sequent stärker vertreten als in Deutschland. In den anderen europäischen Ländern gebe es ähnlich viele Sequent-Kunden wie hierzulande.