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04.01.1991 - 

Diebold-Analyse über den IT-Markt in der Bundesrepublik

IBM beherrscht mit Abstand die wichtigsten DV-Teilmärkte

FRANKFURT (hv) - Die Jahresbilanz der Diebold Deutschland GmbH läßt keinen Zweifel: IBM bleibt hier zulande in den meisten DV-Teilmärkten der klar dominierende Anbieter. Etwa ein Drittel der 1989 in Deutschland abgesetzten Hardware, deren Gesamtwert auf 22 Milliarden Mark veranschlagt wird, stammt von Big Blue.

Schärfster Konkurrent ist die Siemens AG, deren Marktanteil bei 17 Prozent liegt. IBM setzte 1989 - gesicherte Zahlen für 1990 konnte Diebold noch nicht zur Verfügung stellen - mehr Hardwareprodukte ab als die seit Oktober 1990 fusionierten deutschen Großanbieter Siemens und Nixdorf zusammen. Mit einem Wertanteil von rund fünf Prozent lagen die Paderborner in etwa gleich auf mit Hewlett-Packard. Einen Prozentpunkt mehr verbuchte nach Ausführungen von Diebold-Mitarbeiter Erich Schoepke der drittgrößte Hardware-Anbieter, die Münchner DEC GmbH.

In der gesamten DV-Statistik, die neben dem Bereich Hardware auch Software und Services berücksichtigt, fällt der Vorsprung der Armonker ebenfalls deutlich aus. Bei einem Marktvolumen von insgesamt 44 Milliarden Mark - der Bereich Telekommunikation wurde hier nicht berücksichtigt beherrschte Big Blue mit einem Anteil von 19 Prozent klar den Markt. Neun Prozent der Marktanteile entfielen auf Siemens und sechs Prozent auf Nixdorf. Mit drei und vier Prozent folgen Hewlett-Packard und DEC, während Bull, NCR und Unisys jeweils 1,5 Prozent an DV-Marktanteilen für sich verbuchen konnten.

Sowohl über den Hardwaremarkt als auch über das zunehmend lukrativer werdende Geschäft mit Software und Services veröffentlichte Diebold Zahlen. Entsprachen sich 1989 die Marktvolumen in den Bereichen Hardware auf der einen und Software und Services auf der anderen Seite mit jeweils 22 Milliarden Mark noch relativ genau, so erwartet Diebold hier für die 90er Jahre eine deutliche Verschiebung zugunsten des Softwaremarktes. "Der Markt wird nicht größer, er wird neu verteilt, urteilt Diebold-Referent Schoepke. Traditionelle Hardwarehersteller, die ihr Angebot nicht auf den Software- und Servicebereich ausdehnen, haben demnach kaum Überlebenschancen.

Der größte Umsatz wurde im Bereich Software und Services 1989 mit Standardsoftware (37 Prozent) erzielt. Der restliche Markt gliedert sich zu etwa gleich großen Teilen von durchschnittlich 21 Prozent auf die Bereiche Individualsoftware, Hardwarewartung sowie Services, inklusive Schulung, Beratung und RZ-Leistungen.

Das Outsourcing-Geschäft entwickelt sich langsam

Wachstumsfelder bei Software und Services werden laut Diebold in den 90ern vor allem die Bereiche Systemintegration und Facilities Management sein. Gerade die Auslagerung von Teilen der Datenverarbeitung verspricht lukrative Geschäfte. Nach Ausführungen von Diebold-Mitarbeiter Schoepke läuft dieses Geschäft derzeit aber noch eher "moderat" an. Die Begründung: "Es gehört eine gewisse Uberzeugungskraft dazu, den DV-Leiter zur Aufgabe seiner Datenverarbeitung zu bewegen".

Im Hardwarebereich wurde das größte Geschäft mit Mainframes in der Preisklasse von mehr als zwei Millionen Mark gemacht. Für etwa 900 verkaufte Systeme - inklusive Upgrades - haben die Anwender 6,3 Milliarden Mark ausgegeben (29 Prozent des gesamten Hardwaremarktes). Nach Diebold-Berechnungen erzielte die IBM in diesem Bereich 55 Prozent der Umsätze, 25 Prozent der Marktanteile entfielen auf Siemens. Mit je vier Prozent des gesamten Umsatzes folgten beiden sehr großen Systemen die Anbieter Unisys, Comparex und Amdahl auf den hinteren Rängen.

IBM dominiert im Upgrade-Business

Die größten Unterschiede zwischen Marktführer IBM und Herausforderer Siemens zeigen sich im Upgrade-Geschäft, wo Big Blue mehr als die Hälfte seiner Mainframe-Umsätze erzielte. Siemens dagegen hat in diesem Segment einen deutlich geringeren Prozentsatz seiner Einnahmen erwirtschaftet.

Auch bei Großrechnern mit einem Kaufpreis zwischen 500 000 und 2 Millionen Mark hatte IBM bei einem Marktwert von insgesamt 1,8 Milliarden Mark klar die Nase vorn. Die Armonker haben in diesem Teilmarkt im letzten Jahr 37 Prozent des Umsatzes generiert, während Siemens und DEC hier nur auf 16 beziehungsweise 15 Prozent kommen.

Das Betriebssystem Unix wird bei den größten Rechnern mit einem Kaufwert von mehr als 2 Millionen Mark in den nächsten Jahren keine Rolle spielen. Hier dürften nach Ausführungen des Diebold-Referenten auch in Zukunft proprietäre Betriebssysteme zum Einsatz kommen. Bei den Rechnern in der Preisklasse zwischen 500 000 und zwei Millionen Mark dagegen wird sich das Bild ändern: Bis 1993194 soll bereits ein Viertel dieser Systeme mit Unix arbeiten.

Big Blue setzt die meisten PCs ab

Zweitgrößter DV-Teilmarkt nach den Großrechnern ist mit 24 Prozent des Gesamtmarktes und einem Umsatzvolumen von 5,3 Milliarden Mark der Bereich professioneller PCs und Workstations - Systeme mit einem Kaufpreis zwischen 2500 und 25 000 Mark. 145 000 Rechner, das entspricht 20 Prozent aller verkauften Systeme, wurden hier von IBM abgesetzt.

Weniger als die Hälfte dieses Absatzvolumen erreichte Verfolger Siemens, obwohl die Münchner ihre Marktposition im Vergleich zu 1988 von sechs auf acht Prozent ausbauen konnten. Mit sieben Prozent folgen Tandon und Vobis, während jeweils sechs Prozent der abgesetzten Systeme von Commodore, Schneider und Compaq stammen.

Lag der Anteil von Rechnern mit einem Intel-286-Prozessor 1989 noch bei 73 Prozent, so rechnen die Diebold-Marktforscher ab 1991 mit einer Ablösung durch Systeme mit 386- und 486-Prozessoren. Betriebssystem Nummer eins bleibt MS-DOS, das von seinem 89-Prozent-Marktanteil im letzten Jahr allerdings einige Prozentpunkte an Unix abgeben dürfte.

OS/2: Keine Alternative für den PC-Markt

Auch die Verbreitung von OS/2 wird leicht zunehmen, wenngleich sich das Betriebssystem laut Diebold nicht als Alternative für den PC durchsetzen wird. Die Marktforscher begründen das damit, daß immer weniger Softwarehäuser an OS/ 2-Portierungen ihrer Produkte interessiert seien, weil Windows in der Version 3.0 in Kombination mit MS-DOS die interessantere Alternative darstelle.

Ein von IBM weitgehend unbeeinflußter Teilmarkt war 1989 das Geschäft mit den Workstations - ein Umstand, der sich in den 90er Jahren ändern könnte, weil die IBM-RISC-Familie RS/6000 erfolgreich am Markt plaziert wurde. Rechner mit einem Kaufpreis zwischen 15 000 und 200 000 Mark hat 1989 Hewlett-Packard am erfolgreichsten verkauft.

Bei einem Workstation-Marktvolumen von insgesamt etwa einer Milliarde Mark (fünf Prozent des gesamten Hardwaremarktes) konnten die Böblinger - inklusive der Apollo-Systeme - 39 Prozent des gesamten Umsatzes erzielen, 15 Prozent mehr als Verfolger DEC (24 Prozent), der hier den größten Teil seiner Umsätze mit dem proprietären Betriebssystem VMS erwirtschaftete. An dritter Stelle folgt Sun Microsystems mit einem Marktanteil von 16 Prozent.

Als einen "strategisch interessanten Teilmarkt" bezeichnet Diebold-Referent Schoepke den Bereich der kleinen Mehrplatz-Systeme mit einem Kaufpreis von 25 000 bis 100 000 Mark. Wer im unteren Midrange-Bereich eine installierte Basis habe, profitiere später von den Upgrade-Geschäften.

Drei Anbieter dominierten 1989 dieses Marktsegment, das ein Volumen von 1,2 Milliarden Mark aufweist: Nixdorf und Siemens mit je 18 Prozent der Gesamtumsätze und IBM mit 16 Prozent. Diesem Markt prophezeit Diebold in den nächsten Jahren deutlich geringere Wachstumsraten als die im vergangenen Jahr erreichten zehn Prozent, weil die Konkurrenz durch High-end-PCs mit 386- und 486-Technologie immer größer werde.

Mittlere Systeme: IBM denk AS/400 stark

Im Bereich mittlerer Systeme, deren Marktanteil bei insgesamt 14 Prozent lag, unterscheidet Diebold zwischen Systemen in der Preisklasse von 100 000 bis 250 000 Mark und Rechnern, deren Kaufpreis zwischen einer vierter und einer halben Million Mark liegt. Nixdorf, IBM und Siemens lagen hier im vergangenen Jahr mit 16, 15 und 14 Prozent des Gesamtumsatzes etwa gleich auf.

In der größeren Preiskategorie, die 1989 noch klar von proprietären Systemwelten beherrscht wurde, dominierte IBM dank der AS/400 den Markt mit 29 Prozent klar vor Siemens (17 Prozent), Hewlett-Packard (13 Prozent), DEC (13 Prozent) und Mannesmann-Kienzle (acht Prozent). Auf die mittleren Systeme wird sich der Unix-Boom der 90er Jahre laut Diebold besonders auswirken. Etwa drei Viertel der in der unteren Preisklasse angebotenen Midrange-Systeme und ungefähr die Hälfte der größeren Modelle werden, so die Prognose, 1993194 mit dem Betriebssystem Unix arbeiten.