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19.06.1987 - 

Das Know-how für die neue PS2-Familie soll im Hause bleiben:

IBM blockt mögliche Mikrokanal-Nachahmer ab

FRAMINGHAM (CWN) - Entschieden hat sich IBM gegen Presseberichte und Spekulationen gewandt, denen zufolge es zu einer Annäherung zwischen dem Unternehmen und Herstellern kompatibler Geräte bezüglich der Lizenzierung der Microchannel-Architektur gekommen sei. Diese Architektur ist die Basis der drei größten Maschinen in IBMs neuer PS/2-Familie.

Zwar hat IBM bis jetzt noch keine offiziellen Microchannel-Lizenzen angeboten. Berichten zufolge will der Marktführer jedoch interessierten Herstellern eine solche Lizenz zur Verfügung stellen, wenn damit nicht die Verwertung einer anderen IBM-Erfindung beabsichtigt sei.

"Interessenten müssen uns mitteilen, für welches Patent sie eine Lizenz wünschen. Wir werden weder aufdecken, durch welche Patente der Mikrokanal geschätzt ist, noch führen wir für andere Anbieter diesbezügliche Überprüfungen ihrer Produkte durch", stellte ein Mitarbeiter der zuständigen IBM-Abteilung klar.

In der Vergangenheit hatten sich IBM-Sprecher schon mehrfach geweigert zu erklären, welche spezifischen Patente die Mikrokanal-Architektur berühren. Jetzt gab ein Mitglied des Entwicklungsteams Auskunft und schilderte ein typisches Beispiel: "Angenommen, Sie haben ein Konzept, Daten von und zu einem Bandlaufwerk zu puffern. Ganz gleich, wie Sie das nun realisieren oder welche Komponenten Sie dazu verwenden, Sie wären nicht der Eigentümer des Konzepts."

Zwei zu diesem Thema befragte Patentanwälte stimmten darin überein, daß sich ein sogenanntes "Utility-Patent" auf "eine Kombination von nicht offensichtlichen Einzelschritten" bezieht, die dazu dienen, die Funktionsweise eines Produkts gegenüber bisherigen Ausführungen zu verbessern. Gegenwärtig sind eine Reihe von Patentanwälten eifrig dabei herauszufinden, wie weit IBMs Schutzansprüche gehen und ob der gesamte Mikrokanal unter Patentschutz fällt.

"Es ist immer von Interesse, ob ein solches Patent alle Computer betrifft, die eine ähnliche Systemarchitektur aufweisen, oder nur eine bestimmte Untergruppe, die ganz spezielle Eigenschaften hat, die nicht allzu viele Leute betreffen", erklärte ein Bostoner Patentanwalt. In der DV-Szene wird damit gerechnet, daß IBM seine Patente mindestens für die nächsten 18 Monate nicht publiziert.

Jedoch erklärten IBM-Offizielle vorbeugend bereits jetzt, daß der Mikrokanal nicht nur durch solche Utility-Patente geschätzt sei, sondern auch Mikrocode "und andere Geschäftsgeheimnisse" enthalte, welche unter die Kategorie der "Design Patents" fallen, welche von IBM niemals lizenziert würden.

"Der PC war noch zu clonen. Aber wir haben einen großen Aufwand investiert, um die Neuen nachbausicher zu machen", war von Big Blue zu hören. "Wir haben nicht vor, unsere Familienjuwelen zu verschenken." Auf die Frage, ob es denn technisch möglich sei, ein System auf Basis des Mikrokanals zu bauen, das auch die existierende Architektur unterstütze, erklärte der IBM-Fachmann, machbar sei dies wohl, aber er sehe keinen Grund, warum es jemand versuchen wolle. Ein solches Vorhaben wäre ein "monumentaler technischer Akt".

"Ich kann Ihnen sagen, es war ein hartes Stück Arbeit, diese Maschine zu bauen", erinnerte er sich. "Und für jemand anderen wäre es auch eine Menge Mühe. Natürlich ist es leichter, die Arbeit eines anderen zu kopieren. Aber IBM wird seine Haltung bezüglich des Rechtes auf geistiges Eigentum nicht ändern, und wir werden jeden notwendigen Schritt unternehmen, der sich zur Verteidigung dieses Rechtes als notwendig erweisen sollte."