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Trinitrofluorenon (TNF) in IBM-Kopierern macht in den USA Schlagzeilen:

IBM-Boß Cary schaltet sich in TNF-Disput ein

26.09.1980

ARMONK (bi) - "Laienhafte Beschäftigung" mit einem "brisanten Thema" wirft Frank T. Cary, Vorstandsvorsitzender der IBM Corp., Armonk, der COMPUTERWORLD in einem Brief vor. Das "brisante Thema" handelt von der Verwendung eines mutagenen, "möglicherweise karzinogenen" Stoffes in den IBM-Kopierern I und II, sowie dem Drucksystem IBM 3800. Die Substanz heißt Trinitrofluorenon (TNF); sie ist Teil der äußeren Beschichtung der als Fotoleiter dienenden Mylarfolie. Spuren von TNF können in den verbrauchten Toner oder in den auf den gedruckten Papieren fixierten Toner gelangen. TNF ist in der deutschen Liste der karzinogenen Stoffe, der MAK-Liste, nicht enthalten.

IBM hat die mögliche Toxizität von TNF bereits vor zehn Jahren kritisch überprüft. Die karzinogene Wirkung wurde damals in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben. Den eigenen Studien zufolge glaubte IBM, und glaubt dies auch weiterhin nach Vorliegen von neuen Testergebnissen und -analysen mit neuen Labortechniken aus diesem Jahr, daß die Art, wie TNF in den betreffenden Geräten verwendet wird, keine Gesundheitsgefährdung darstellt. Die deutsche IBM konkretisiert diese Aussage: "Die Mengen von TNT, die auf den Toner übertragen werden, sind extrem gering und chemisch-analytisch nicht nachweisbar, weshalb wir fest davon überzeugt sind, daß keine Beeinträchtigung der Gesundheit zu befürchten ist."

Die Xerox Corp. hatte Anfang dieses Jahres in einer ähnlichen Situation die Zusammensetzung ihres Toners verändert (CW Nr. 17 vom 25. April 1980). Es ging damals um die Substanz Nitropyren. "Möglicherweise Gründe, die im Patentrechtlichen liegen", macht Professor Dr. Rudolf Preußmann vom Institut für Pharmakologie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg dafür verantwortlich, daß IBM sein in Frage stehendes Kopier- beziehungsweise Druckverfahren seit zehn Jahren nicht geändert hat. "Sie werden wohl keinen Ersatz finden. Aber grundsätzlich wird es möglich sein - mit Sicherheit -, einen Ersatz zu finden. Das ist eine Frage von Forschung."

Die amerikanischen Wissenschaftler, die die COMPUTERWORLD befragt hat, sind Dr. William Haseltine vom Faber Krebs-Institut in Boston und Lawrence Garfinkel, stellvertretender Vorsitzender für Epidemiologie und Statistik bei der "American Cancer Society".

Haseltine äußerte sich: "Wenn es in der Fachliteratur Studien darüber gibt, daß diese Verbindung Tumore in Tieren - Ratten und Mäusen - erzeugt, von denen man wußte, so wäre es IBMs Pflicht gewesen, sich von der Ungefährlichkeit zu überzeugen, bevor man es vermarktet." Und: "Tatsache ist, daß es keine Möglichkeit gibt, zu erfahren was mit den Leuten passiert. Deshalb, wenn es Anzeichen dafür gibt, daß TNF gefährlich ist, sollte man es nicht mehr benutzen, bis kein Zweifel mehr besteht." Lawrence Garfinkel gab zu Bedenken: "Das Beste, was IBM jetzt machen kann, ist die Verwendung einzustellen."