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01.06.1979 - 

Bösenberg: Von Trendwende keine Rede

IBM brockt sich Umsatzminus selbst ein

STUTTGART (CW) - Erstmals seit Kriegsende verzeichnet die IBM Deutschland GmbH rückläufige Umsätze. Das Geschäftsjahr 1978 bescherte den Stuttgartern einen um fast 100 Millionen Mark (= zwei Prozent) verminderten Inlandsumsatz. Der Jahresüberschuß sank gar um 200 Millionen, beim Cash-flow waren es 250 Millionen. Aus der Auflösung von Rückstellungen resultierten nur noch 42,5 Millionen Mark (= minus 87 Prozent). Von einer Trendwende für das Haus IBM könne keine Rede sein, meinte Firmenchef Walter A. Bösenberg vorbeugend, als er auf der Jahrespressekonferez zum Geschäftsergebniss Stellung nahm.

In der Tat enthält der Geschäftsbericht auch Plus-Posten. So stieg beispielsweise das Sachanlagevermögen (Immobilien und DV-Maschinen) um 106 Millionen auf 1,829 Milliarden Mark das Stammkapital wurde um 300 Millionen auf 1,4 Milliarden Mark erhöht, und die Exporte - gerechnet in Deutscher Mark - konnten noch einmal 1,5 Prozentpunkte zulegen.

Verfeinerte Produktionsmethoden und weiterentwickelte Technologien - in der

EDV nicht eben selten - betrachtet IBM als eine der Wurzeln des Übels; denn das auf ihnen basierende verbesserte Preis-/ Leistungsverhältnis neuer Produkte verdirbt die Preise vorhandener Ware und mindert den Umsatz. Da die neuen Produkte des Marktführers zumeist schon im Embryonalzustand auf dem Markt ausgeläutet werden, müssen die Stuttgarter den Preisverfall der "Altware" zu einem guten Teil ihrer eigenen Ankündigungspolitik anlasten.

Weiter machte IBM geltend, das Vorjahresergebnis sei durch hohe, periodenfremde Erträge beeinflußt gewesen, man habe eine über fünfprozentige Kostensteigerung abfangen müssen, und die Pluszahlen des Mitbewerbs seien nicht zuletzt auch insoweit zu relativieren, als IBM von einem weit höheren Level aus agiere. Angesprochen auf den guten Geschäftsgang der amerikanischen Muttergesellschaft verwies Bösenberg auf "unterschiedliche Strukturen und andere Zeitzyklen", die für die Märkte USA und Westeuropa kennzeichnend seien

Die Aussagekraft reiner Umsatzzahlen, fuhr der lBM-Boß fort, sei bei einem Haus wie dem seinen ohnehin eingeschränkt, da sie das Gewicht des Miete-/ Leasinggeschäfts nur unvollkommen widerspiegelten. Zu einer Aussage über die Relationen zwischen Verkauf und Vermietung mochte sich keiner der IBM-Leader durchringen. Traditionell zugeknöpft zeigten sich die IBMer auch in anderen Punkten:

- Man habe, hieß es, volle Auftragsbücher; welche Größenordnung real dahinterstecke, könne aber nicht verraten werden; doch das Jahr 1980 sei damit bereits ausgebucht.

- Angaben über die Höhe des inländischen Forschungsetats wolle man ja gerne machen, nur erfahre dann leider auch Mitbewerb, was er nicht wissen solle.

Gesprächiger zeigte sich Bösenberg als er die Gründe für seinen Zukunftsoptimismus darlegte ("auch am Aus- und Neubau mehrerer deutscher IBM-Fabriken abzulesen"). Seine Hauptthese lautete: "Der qualitative Nutzen der Datenverarbeitung wird in den 80er Jahren Allgemeingut."

Folgerichtig sieht Bösenberg derzeit noch keine Grenzen bei Hard- und Software, bei der weiteren Verbesserung des Preis-/Leistungsverhältnisses und bei den Einsatzmöglichkeiten der DV. Den Schlüssel für die Marktausweitung der Zukunft bildet der noch zu erwartende Fortschritt auf dem Gebiet der Schaltkreistechnik; um den Faktor 1000 glaubt Bösenberg, wird sich diese Technik bis zum Ende des Jahrhunderts verbessert haben.

Gerade zum richtigen Zeitpunkt - etwa ab Mitte der achtziger Jahre - wird nach IBM-Meinung eine schon mehr zur Informationstechnik gewordene Datenverarbeitung zur Verfügung stehen, die wachsende Produktivität schafft und damit die heute schon absehbaren Probleme - Mangel an Erwerbstätigen; Rentnerberg - bewältigen hilft. Deutlich unterstrich Bösenberg die steigenden Anforderunegn der Zukunft: an die Datenverarbeitung selbst, an die Arbeitsplätze, Arbeitsplatzinhaber und Unternehmer, bis hin zu den Anforderungen an die Industrieländer, wenn sie konkurrenzfähig bleiben wollten.

Verklausuliert war von dem bevorstehenden Mengenwachstum die Rede. "Der Faktor Menge ist bei uns im Anziehen", sagte Bösenberg, und wenig später meinte er beschwichtigend: "Der Markt wächst in einem solchen Tempo, daß hier wirklich für alle Platz ist."

Bösenbergs Kernsatz: "Es wird immer deutlicher, daß Information zu den wichtigsten wirtschaftlichen Größen gehört. Ohne sie gibt es keine Initiative."