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28.03.1997 - 

Entscheidungen müssen in den obersten Etagen gefällt werden

IBM-Chef Gerstner warnt vor Ignoranz gegenüber dem Internet

28.03.1997

Für den IBM-Boß ist die Diskussion um das Internet in vielen Branchen nicht von der Strategiediskussion zu trennen. Es sei Pflicht für jede Chefetage, sich von Grund auf neu mit der Frage auseinanderzusetzen, welche Konsequenzen es habe, ein bestimmtes Geschäft zu betreiben. "Was bedeutet es, heute Finanzdienstleistungen anzubieten? Was heißt es, im Zeitalter des Telelearnings eine Schule zu betreiben? Welche Auswirkungen hat das WWW auf Kaufhäuser, deren Kunden über das Internet einkaufen könnten?" Die Implikationen seien so groß, daß es einfach nicht angehen könne, diese Entscheidungen an den Web-Master oder den Einkäufer irgendwelcher Spreadsheets zu delegieren.

"Es geht um das Teilen und Verteilen von Wissen"

In seiner emotionalen Ansprache machte Gerstner einen fundamentalen Wandel in der IT-Industrie aus. "Es ist spürbar, daß es in der IT erstmals seit 20 Jahren nicht mehr darum geht, die Produktivität einzelner Büroarbeitsplätze zu erhöhen - nach dem Motto: noch eine Textverarbeitung, noch ein Spreadsheet, noch ein Korrekturprogramm." Die Industrie gehe jetzt daran, mit Hilfe neuester Informationstechnik das Kerngeschäft zu optimieren.

Auf Unternehmensebene treibe das Intranet die Revolution voran: "Die internen Netze geben den Beschäftigten noch nie dagewesene Chancen, Produktentwicklung, Kundensupport und Entscheidungsfindung besser zu gestalten. Es geht um das Teilen und Verteilen von Wissen. Das wichtigste Kriterium für den Erfolg von Unternehmen wird sein, wie die Kommunikation mit strategischen Geschäftspartnern funktioniert."

Der IBM-Macher ging auch noch einmal auf das Thin-Client-Modell ein, das nach seinen Vorstellungen den überladenen und schwer zu verwaltenden Desktop-PC an vielen, aber bei weitem nicht allen Arbeitsplätzen ablösen wird. "Die Kunden sind einfach nicht bereit", so Gerstner, "pro Jahr 12000 Dollar in jeden Arbeitsplatzrechner zu investieren. Das ist definitiv zuviel. Daher werden die Low-cost-Alternativen zum Desktop-Modell ihre Abnehmer finden."

In der Industrie habe eine Schlammschlacht eingesetzt. Die einen behaupteten, der PC sei tot. Die andere Seite stelle den NC als Papiertiger dar, der letztendlich nur erfunden worden sei, um das Mainframe-Geschäft der IBM wiederzubeleben. Diese Diskus- sion sei für Kunden, denen es ausschließlich darum gehe, ihre Geschäfte abzuwickeln, völlig uninteressant.

Ohne Emotionen sprach der IBM-Boß über sein Verhältnis zu Microsoft: "Deren Strategie unterscheidet sich in einigen wichtigen Punkten von unserer, so daß wir nur teilweise konkurrieren. Sie sind in die Browser-Debatte involviert - sie müssen es sein, weil es ihr Kerngeschäft tangiert. Und sie wollen im Content-Geschäft dabei sein; beides interessiert die IBM weniger. Doch wir arbeiten mit Microsoft zusammen an gemeinsamen Internet-Standards und haben eine komplexe Geschäftsbeziehung zu ihnen - genau wie zu anderen Unternehmen auch.