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06.04.1990 - 

Die Mär vom "gesunden Softwaremarkt"

IBM-Chef Henkel schmeichelt deutschen SW-Unternehmen

HANNOVER (CW) - "In keinem Land der Welt gehen so viele Softwarehäuser pleite, wie in Deutschland", stellt Detlev Schiewe, Geschäftsführer der Midas Micro-Datensysteme GmbH, Frankfurt, klar. Ihm erscheinen die im STERN veröffentlichten positiven Eindrücke des deutschen IBM-Geschäftsführers Hans-Olaf Henkel als taktisches Geplänkel.

"IBM buhlt um die Gunst deutscher Softwareunternehmen, vermutet Schiewe. Die Armonker hätten vor Jahren den fatalen Fehler gemacht, nur auf den Hardwaremarkt zu setzen; entsprechend verzweifelt seien jetzt Big Blues Bemühungen, dieses Defizit auszugleichen und interessante Softwareunternehmen an sich zu binden.

Höchstens 600 gesunde Softwarehäuser gibt es nach Ansicht des Midas-Chefs in Deutschland. Henkel hatte von 3000 florierenden Unternehmen berichtet. Auch Harald Summa, Prokurist der Kölner Infodas GmbH geht eher von einem kränkenden Markt mit nicht mehr als etwa 1000 gesunden Unternehmen aus.

Die kleinen Häuser tragen nach Ansicht der beiden Software-Experten einen erbitterten Preiskrieg aus, um sich gegenseitig aus dem Rennen zu werfen. Die Konsequenzen für den deutschen Markt erläutert Schiewe: "Deutsche Software hat kein sehr gutes Image, weil die meisten Anbieter höchstens fünf oder sechs Jahre überleben." Nach Ansicht Summas wird die jüngste gesamtdeutsche Entwicklung diese Situation noch weiter verschärfen.

Doch auch größeren deutschen Softwareunternehmen bläst nach Ansicht des Infodas. Mitarbeiters der Wind ins Gesicht. Anbieter wie ADV-Orga seien von Rüstungsaufträgen abhängig - deren Zukunft sei aber bei der derzeitigen politischen Lage mehr als ungewiß.

Auch Hanno Theisen, Geschäftsführer des kleinen Münchener Softwareunternehmens Mental, sieht die Situation am deutschen Markt kritisch. Die Gesundung hänge seiner Meinung nach von einer grundsätzlichen Neuorientierung ab. Dazu wäre aber auch die sprachliche Anpassung vorhandener Software nötig - für viel, Anbieter ein unzumutbarer Kostenfaktor.