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31.05.1985

IBM Die Rätsel der Sphinx sind zu lösen

31.05.1985

LONDON - "Alle", soll der ehemalige IBM-Präsident Vincent Learson schlicht auf die Frage geantwortet haben, welche Anteile Mother Blue am DV-Markt haben wolle. Die konsequente Entwicklung des Giganten auf dieses Ziel hin skizziert Jack van Kinsbergen*. Der Experte in Sachen IBM baut auf Allgemeinwissen auf: beispielsweise der jährlichen Steigerungsrate von 18 Prozent sowie der Verdoppelung des Unternehmensumfangs im Fünf-Jahres-Rhythmus. Im 21. Jahrhundert etwa, so seine Vision, wird unter einem blauen Himmel als Symbol für IBM-Systemsoftware schließlich alles - Benutzer, Anwendungen, Daten und Datenbanken - in einer unglaublich komplexen Umgebung vereint.

Als die IBM Corporation 1964 das System /360 auf den Markt brachte" erreichte sie einen Jahresumsatz von drei Milliarden Dollar, und die Datenverarbeitung beschränkte sich noch auf Großunternehmen. Mit System /360 - dem Urknall - wurde der Standard gesetzt, auf dessen Grundlage sich eine ganze Industrie entwickeln konnte.

Die Ausführung einer bestimmten Aufgabe, die 375 Sekunden Rechnerzeit beanspruchte, kostete 1955 sage und schreibe 14,54 Dollar. Die gleiche Aufgabe dauerte 1983 nur noch eine Sekunde und kostete 0,07 Dollar. Die Geschichte der Computertechnik ist also gekennzeichnet von riesigen Zuwachsraten und unzähligen technischen Neuerungen.

1952 war Sperry Univac das führende Unternehmen auf dem Gebiet der Datenverarbeitung und lag vor IBM. Andere Firmen waren praktisch ohne Bedeutung. 1962 beherrschten IBM und die sieben Zwerge (Sperry, CDC, RCA, NCR, General Electric, Honeywell und Burroughs) den Markt. IBM und fünf der sieben Zwerge sind 1983 noch übriggeblieben; neue Firmen wie DEC, Hewlett-Packard, Wang und Apple vervollständigen die Top Ten. In diesem Zeitraum war IBM der bei weitem überlegene Anbieter und konnte sogar große Unternehmen wie RCA und General Electric vom Markt verdrängen.

Eine 360-65-Maschine von 1964 besaß eine Verarbeitungsgeschwindigkeit von 680 000 Instruktionen pro Sekunde. In den achtziger Jahren erreichte die Chip-Festung 3084 Q bis zu 26 Millionen Instruktionen pro Sekunde. Diese beiden Systeme galten und gelten als Großrechneranlagen. Das Preis/ Leistungs-Verhältnis der Großrechner, so ist abzusehen, wird sich von 7000 Dollar je tausend Operationen pro Sekunde bis 1989 auf unter 100 Dollar je tausend Operationen pro Sekunde verbessern. Bei kleinen Systemen sind die Zahlen noch beeindruckender: Hier sind die Kosten je tausend Operationen pro Sekunde von über 10 000 Dollar auf unter 20 Dollar gefallen.

Doppelte Größe im Fünf-Jahres-Rhythmus

IBM erzielte 1929 einen Jahresumsatz von 19 Millionen Dollar. 1984 hingegen waren es 46 Milliarden Dollar. Dieses Wachstum entspricht seit 1929 einer Verdoppelung etwa alle fünf Jahre. Man kann sogar bis 1914 zurückgehen und das gleiche feststellen. 1939 erzielte IBM einen Jahresumsatz von 40 Millionen Dollar, bei einem Marktanteil von 22 Prozent, aber einem Gewinnanteil von 40 Prozent. Im Jahre 1964 war IBM auf 3,2 Milliarden Dollar angewachsen, mit einem Marktanteil von 65 Prozent, aber nur noch 37 Prozent Gewinnanteil. Dies zeigt deutlich eine Abnahme der Gewinnspannen von IBM; das System /360 wurde nicht nur eine Notwendigkeit für die Industrie, sondern auch für die interne Kostenkontrolle von IBM. Der Gesamt-Marktanteil von IBM lag 1984 nur noch bei 47 Prozent, jedoch erzielte das Unternehmen 70 Prozent der Industriegewinne. Bis 1989 erwartet man eine Steigerung auf etwa 88 Milliarden Dollar. Diese Zuwachsraten passen sehr gut in das Bild der Ausgabentrends, die bei MIS-Benutzern in diesem Zeitraum erwartet werden. Selbst wenn IBM nur den derzeitigen Marktanteil hält, wird sich die Unternehmensgröße bis 1989 ohne Schwierigkeiten wiederum verdoppeln können.

Die Installationszahlen bei großen Mainframes steigen weiter, wenn auch langsamer als bei Personal Computern. Die Anzahl der installierten Systeme wächst jährlich mit respektablen 10 bis 15 Prozent. Die Leistungssteigerung dieser Systeme indes liegt eher im Bereich von 50 bis 60 Prozent jährlich.

Wie soll dieses Leistungspotential genutzt werden? In den nächsten Jahren wird sich das Vorgehen von IBM bei der Datenverarbeitung stark auf die verteilte Verarbeitung und Büroautomatisierung konzentrieren. Die Informationsarchitektur wird sich um einen Mainframe drehen, der mit Host-Rechnern des Systems /36 in den Fachabteilungen verbunden ist, die wiederum an Einzelplatzstationen in Form von PCs angeschlossen sind. Der Mainframe wird für umfangreiche Datenbanken und Vorgabedaten sowie als Unterstützung oder Reserve für die dezentralen Prozessoren auf Abteilungsebene eingesetzt werden. Die Prozessoren in den Fachabteilungen entnehmen den Host-Datenbanken die Daten für lokale Datenbanken sowie zur Unterstützung der PC-Datenbanken. Die Personal Computer, also die Arbeitsplatzterminals, schließlich erhalten Daten vom Host und den Prozessoren auf Abteilungsebene, um daraus persönliche Datenbanken zu erstellen.

Das Büro der Gegenwart ist charakterisiert durch Stand-alone-Systeme, die verschiedene Aufgaben bewältigen, beispielsweise die Textverarbeitung. In den Augen von IBM umfaßt die Zukunft der Büroautomatisierung drei Verarbeitungsebenen, die über Standardprotokolle wie SNA, DCA, DIA, DISSOS und PROFS miteinander gekoppelt sind. Die Mainframes werden an Prozessoren mittlerer Leistung auf Abteilungsebene angeschlossen sein, die wiederum mit lokalen Clustern von Personal Computern und Terminals verbunden sind. Auf diese Weise werden Bürosysteme in den Großunternehmen integriert.

Diese Systemarchitektur wird einen erheblichen Bedarf an sogenannten Tischsystemen zur Folge haben. Derzeit befinden sich etwa 22 Millionen solche Geräte in Betrieb. Bis 1986 soll ihre Zahl auf 76 Millionen steigen, wovon viele in Büros stehen werden.

28 Milliarden Investitionen in fünf Jahren verdoppeln

Als Folge dieser Entwicklung wird sich die Zusammensetzung der IBM-Erträge verändern. 1983 entfielen bei einem Umsatz von 40 Milliarden Dollar 48 Prozent der Einnahmen auf Mainframe-Systeme, 21 Prozent auf Personal Computer, 6 Prozent auf Software und 25 Prozent auf sonstige Produkte. Geht man für 1989 von einem Jahresumsatz von 88 Milliarden Dollar aus, werden 33 Prozent auf Mainframes entfallen (wobei dies jedoch 33 Prozent eines größeren Unternehmens sind), 26 Prozent auf Personal Computer und 16 Prozent auf Software.

Prognosen über die ausgelieferten Stückzahlen der gesamten Industrie unterstützen diese Ertragssteigerungen bei IBM. Auf dem Markt für Personal Computer wird der Marktanteil vermutlich noch zunehmen. Die Benutzeranforderungen und die Prognosen für diesen Markt sprechen eindeutig für diese Wachstumsziele der IBM in den kommenden Jahren.

Um diesem Markt gerecht zu werden, verstärkt IBM die Investitionstätigkeit. Im Zeitraum 1979 bis 1984 hat das Unternehmen insgesamt 28 Milliarden Dollar investiert, und diese Summe soll in den nächsten fünf Jahren verdoppelt werden. Die Kostenaufgliederung der vergangenen fünf Jahre weist 15,5 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung, 10,5 Milliarden Dollar für Sachanlagen und 2 Milliarden Dollar für Software aus. Betrachtet man die Software-Investitionen näher, so ist zu erkennen, daß diese stark steigen. Von 1979 bis 1982 wurden hier insgesamt 609 Millionen Dollar investiert, während es allein im Jahr 1983 bereits 588 Millionen und 1984 sogar 803 Millionen Dollar waren. Diese Zahlen weisen deutlich die verstärkten Software-Aktivitäten von IBM aus.

Firmenaufkäufe beseitigen Kommunikationskonkurrenz

Kommunikations-Technik ist ein weiterer wichtiger Schwerpunkt von IBM. Zu den neueren Investitionen gehören eine Erhöhung der Beteiligung an SBS sowie die Förderung von Sytek im Rahmen der Entwicklung eines lokalen Netzes. Den Abschluß bildete der Erwerb der Rolm Corporation für 1,25 Milliarden Dollar. Die wichtigsten Bereiche für IBM sind lokale Netze, SNA und private Nebenstellenanlagen, die den Weg zu amerikanischen Großunternehmen öffnen sollen.

Der verdeckte Kommunikationskrieg mit AT&T wird vermutlich erst in den neunziger Jahren offen zu Tage treten. Damit IBM auf diesem Markt weiterhin konkurrenzfähig bleiben kann, ist eine deutliche Vergrößerung der "kritischen Masse" erforderlich. Die bisher vorgenommenen Investitionen reichen allein noch nicht aus. Potentielle Ziele für eine Zusammenarbeit oder Übernahme sind unter anderem die Firmen GTE, Western Union, Boeing Computer Services, Geisco und ADP.

All dies dreht sich um die IBM-Serie 380X mit VM und MVS/XA als den wichtigsten Betriebssystemumgebungen. Zu den "Satelliten auf dieser Umlaufbahn" zählen die Geräte des System /36 sowie der Serie 4300.

IBM wird eindeutig auf das beherrschende, große Host-System im Zentrum setzen, um die kleineren Umgebungen aus Personal Computern, 4300 und System /36 im Büro zu unterstützen.

Im 21. Jahrhundert wird dies alles auf ein großes blaues Loch der System-Software hinauslaufen. IBM wird wirklich alles - Benutzer, Anwendungen, Daten, Datenbanksysteme etc. - in diese unglaublich komplexe Umgebung hineinziehen, die von der System-Software geschaffen wird.

Dank ihrer Erfahrung, Fachkenntnisse und Aggressivität ist IBM ein außerordentlich erfolgreiches Unternehmen. Auf die Frage, welchen Anteil man am Geschäft haben wolle, soll der ehemalige IBM-Präsident Vincent Learson schlicht geantwortet haben: "Alles". Dies kennzeichnet die Haltung von IBM: Ein kontinuierliches Wachstum von jährlich 15 bis 18 Prozent ist angesagt sowie daneben weiterhin die besten Gewinnspannen zu verzeichnen. Jeden Wechsel in der Unternehmensführung hat IBM dank der selbst geschaffenen Unternehmensphilosophie und äußeren Bedingungen ohne Schaden überstanden, Keine Marktnische bleibt unbearbeitet, in dem Bestreben, auch weiterhin alle fünf Jahre die Größe des Unternehmens zu verdoppeln. IBM wird - für alle Beteiligten - rentable Beziehungen mit unabhängigen Softwarehäusern eingehen und den Softwaremarkt durch Vergrößerung und Standardisierung der Hardware drastisch erweitern. Auch den Markt der Datenbank-Managementsysteme wird IBM zurückerobern, denn er ist ebenfalls wichtig genug. Auf lange Sicht sind die Einnahmen aus dem Bereich Kommunikation also der wichtigste Faktor für ein weiteres Wachstum von Mother Blue in der Zukunft.

Diese Wachstumsziele wird IBM erreichen, indem das Unternehmen die Kontrolle über die wichtigsten Großsystemkunden behält. Die 250 führenden Großunternehmen werden auf einfache Weise kontrolliert: IBM stellt sicher, daß der Leiter des Rechenzentrums ein Freund des Unternehmens ist - und bleibt. Die IBM Strategie besteht darin, alles einschließlich der Büroautomatisierung, in sein Umfeld einzubeziehen und alle Angelegenheiten über den Leiter des Rechenzentrums zu steuern. Kleinere Unternehmen werden von hochqualifizierten Verkäufern betreut, die den Kunden in jeder Hinsicht überlegen sind. Die Ausbildung dieser Verkäufer ist zwanzigmal besser als die der Konkurrenz. Kurz gesagt, sie treten aggressiv auf, sie setzen die Standards, und keine andere Architektur wird die heile IBM-Welt ankratzen können.

IBM hat derzeit überall viele Freunde. Ronald Reagan hat sich dem Unternehmen gegenüber sehr freundlich gezeigt, als er die Antitrust-Klage fallen ließ. Immerhin hatten um deren Durchsetzung drei frühere Regierungen heftig gerungen. Auch das FBI ist freundlich gesinnt und hat bei dem Hitachi-Problem "ausgeholfen".

Es gibt momentan 725 000 Aktionäre, die derzeit eine weitere Aufteilung erwägen, um sich der Zahl von 3 Millionen AT&T-Aktionären zu nähern, was eine stärkere Unterstützung an der Basis bedeuten würde. In Europa beschäftigt IBM 100 000 Menschen, erzielt Jahreseinnahmen von 10 Milliarden Dollar und unterhält 25 Fertigungs- und Entwicklungszentren in neun Ländern.

1984 erzielte IBM alle vier Stunden Einnahmen von 20 Millionen Dollar. 1988 werden es etwa 40 Millionen Dollar sein.

IBM wird in allen Sektoren der Informations- und Datenverarbeitung als Hersteller mit niedrigen Kosten konkurrieren. Der Gewinn nach Steuern beläuft sich auf 5,5 Milliarden Dollar. IBM ist das rentabelste Unternehmen der Welt. Dennoch rangiert das Unternehmen mit Einnahmen von 40 Milliarden Dollar nur an siebter Stelle unter den größten Firmen der Welt.

1964 erwarb IBM ein kleines Verlagsunternehmen. Der nächste Schritt war 1974 ein Joint-venture mit SBS. Die CADAM-Gruppe von Lockheed erwarb IBM 1977. Allein 1984 hat sich IBM in den USA und im Ausland an sieben Joint-venture-Projekten beteiligt, wurde Minoritätseigner an sieben Firmen und hat ein Vertriebsnetz über Drittfirmen aufgebaut, zu dem 650 Systemintegratoren, 40 Systemhäuser und zehn Vertriebsfirmen für Industrieelektronik gehören. Außerdem unterhält IBM weltweit 20 Vertriebsprogramme. Und IBM erhöht das Tempo. Im Jahre 1987 wird IBM wesentlich mehr 50-Prozent-Beteiligungen besitzen und praktisch eine Unternehmensfamilie sein, die den gesamten Informations- und Datenverarbeitungsmarkt abdeckt.

IBM wird die Standards setzen

Was den Wettbewerb angeht, sind die alten Bedrohungen weitgehend ausgeschaltet: Dies sind Minicomputer, steckerkompatible Geräte und Mikrocomputer. Die neuen Gefahren heißen AT&T und Japan. Diese kommen IBM in Finanzausstattung, Wissenschaft, Erfahrung und Produktionskapazität sehr nahe. Sie sind eine sehr starke Bedrohung, aber IBM wird die Kontrolle behalten, indem es die Standards setzen wird, insbesondere SNA und hoffentlich DIA (Document Interface Architecture) und DCA (Document Contents Architecture) für die Büroautomatisierung. Zusammen bilden diese Systeme und Protokolle eine funktionsfähige, umfassende Büroautomatisierungslösung.

IBM hat die Angewohnheit, zunächst andere einen Markt erschließen zu lassen, erst später dann ebenfalls auf diesem Feld zu erscheinen und dort schließlich zu dominieren. In den sechziger Jahren entwickelte Digital Equipment die Minicomputer. Als diese ausgereift waren, kam IBM auf den Markt und schnitt sich vom Kuchen den größten Teil ab, auch wenn man in diesem Fall noch nicht direkt von Dominanz sprechen konnte. Apple baute in den siebziger Jahren die ersten Personal Computer. Als die Sache dann ausgereift war, trat IBM in Erscheinung, übernahm wiederum den größeren Anteil, konnte aber bisher den Markt noch nicht dominieren. In den achtziger Jahren wird die Datenkommunikation ausgereift sein. Könnte es sein, daß IBM auch auf diesem Markt wieder einen größeren Anteil erobern wird? Was den Mainframe-Bereich angeht, so ist MVS/XA sicherlich der Standard und wird dies auch noch längere Zeit bleiben. Bei der Produktion von Mainframe-Systemen lautet die einfache Formel: IBM gegen Japan. In den letzten drei Jahren wurden 4000 bis 5000 Systeme der Serie 3080 verkauft. Für die kürzlich angekündigte Serie 3090 rechnet man mit Verkaufszahlen von 7000 bis 8000 Stück über die gesamte Lebensdauer des Systems. Von der Serie 4381 sollen insgesamt etwa 8000 bis 10 000 Systeme verkauft werden, wovon 50 Prozent unter MVS/XA laufen werden. Das Preis/Leistungs-Verhältnis dieser Systeme wird sich etwa im gleichen Tempo wie bisher verbessern.

Datenbanken im Handstreich durch relationalen Standard

Bei der Software werden Zuwachsraten von 30 bis 40 Prozent jährlich erzielt. Der Gesamtumsatz aller Softwareunternehmen in den USA belief sich 1983 auf etwa 9 Milliarden Dollar. Hiervon entfielen 2,3 Milliarden Dollar auf IBM, wovon etwa 60 Prozent in den USA und der Rest im Ausland erzielt wurden.

Mit IMS hat IBM den Datenbankmarkt während der gesamten sechziger und bis in die siebziger Jahre dominiert. Neue Anbieter sind auf den Markt gekommen und haben bei Systemen in der mittleren Leistungsklasse erhebliche Marktanteile gewonnen. 70 Prozent der großen Systeme laufen jedoch noch immer mit IMS - das ist der eigentliche, sichere Markt für IBM. Das Unternehmen war gezwungen, DB2 als relationales Datenbanksystem einzuführen, um sich mit den Aufgaben von mittleren Unternehmen befassen zu können. Eines der Probleme hierbei bezieht sich auf die Komplexität und den erforderlichen Aufwand für IMS. Aber IBM wird vermutlich den Markt für Datenbank-Managementsysteme zurückerobern, wenn es gelingt, mit DB2 und Sequel - den relationalen Standard zu setzen. Langfristig wird das Wachstum von IBM auf der Büroautomatisierung und der momentan eingeführten Architektur basieren.

Dank der erfolgreichen Mainframes in den vergangenen 20 Jahren gehört IBM der Markt im Bereich Großunternehmen. Diese Position wird IBM nutzen, um hier auch Büromaschinen und Personal Computer abzusetzen. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage bei diesen Großunternehmen hat gezeigt, daß 72 Prozent der 1985 gekauften Personal Computer den Namen IBM tragen werden. In den kommenden sieben Jahren sollen allein in den USA 73 Millionen Personal Computer verkauft werden. Die Gesamteinnahmen der Industrie aus Personal Computern werden von 11,5 Milliarden Dollar bis 1989 auf 56 Milliarden Dollar steigen. Bis heute hat IBM an die 500 größten amerikanischen Unternehmen etwa 60 bis 70 Prozent aller Personal Computer geliefert, jedoch ohne den Markt zu kontrollieren. Die neue Systemarchitektur wird für IBM eine bessere Kontrolle ermöglichen.

Das neue Schlagwort bei IBM lautet "Bürosystemfamilie" und verkörpert die Ergebnisse vierjähriger Bemühungen, voneinander getrennte Produkte über den Austausch bearbeitbarer Dokumente zu verknüpfen. In dieser Familie ist System /36 der überlegene Sieger als IBM-Prozessor für Fachabteilungen. Für den Dokumententransfer werden DIA und DCA zum De-facto-Standard werden.

Dies zeigt nur einen kleinen Einblick in die Gesamtstrategie, nach der IBM in den kommenden Jahren vorgehen wird. Die Konkurrenz wird bei dem Preisdruck des Personal Computers und des System /36 nicht mithalten können. Sie wird nicht über ein vergleichbares Angebot an Anwendungen verfügen oder die gleiche homogene Schnittstelle zwischen Mikrocomputer und Mainframe anbieten können. Und schließlich wird die Konkurrenz Schwierigkeiten haben, ihre Kunden in gleicher Weise wie IBM zu unterstützen. Das Ergebnis wird sein, daß IBM zum ersten Mal über ein einheitliches Dokumentenverarbeitungs- und Mitteilungssystem verfügen wird, das den Personal Computer mit anderen Büromaschinen und sonstigen Systemen verbindet.

Die Strategie zielt darauf ab, IBM wieder zur Führungsrolle zu verhelfen und den Leiter des MIS Systems wieder ans Steuer zu setzen. Dies ist dann das erste Mal, daß IBM ein Textverarbeitungsprodukt anbieten kann, das für die gesamte Produktlinie geeignet ist.

IBM hat eine Strategie entwickelt die Zukunft des Unternehmens auf die Verbindung von Büromaschinen bei den heutigen Mainframe-Kunden aufzubauen. Diese Verbindung wird auf denjenigen Standards beruhen die IBM zu setzen wünscht. Sie umfaßt alles - Personal Computer, Kommunikation und Mainframes. Praktisch ist dies eine Strategie, mit der IBM in den kommenden Jahren den Kampf gegen AT&T und die Japaner verfolgen wird. Konzentrierte, gezielte Ausrichtung, das Verständnis und die Kontrolle des Marktes lassen IBM auch in Zukunft der große Gewinner sein.

Dieses Referat hielt Jack van Kinsbergen, President von Boole & Babbage Inc., Kalifornien, während der Eurocim-Konferenz vom 22. bis 23. Mai 1985 in London. Diese Treffen veranstaltete die Tochtergesellschaft European Software Company.