Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

25.04.2003 - 

Software Group setzt Eckpfeiler ihrer künftigen Produktstrategie

IBM drängt Entwickler auf On-Demand-Kurs

NEW ORLEANS (as) - IBMs Strategie des On-Demand-Business beschäftigt künftig auch Entwickler und Partner. Sie sollen dieses weit reichende und komplexe Konzept technisch umsetzen. Bisher hat IBM allerdings neben seinen aktuellen Produkten und bekannten Techniken vor allem viel Theorie zu bieten.

Für IBM zeichnet sich ein On-Demand-Unternehmen vor allem durch die Fähigkeit aus, Veränderungen im Markt sofort zu erkennen und darauf zu reagieren, indem es die vernetzten Geschäftsprozesse mit Kunden und Partnern sowie Kostenstrukturen rasch an gewandelte Bedingungen anpasst. Die technische Voraussetzung dafür ist eine IT-Infrastruktur, die einen extrem hohen Grad an Flexibilität, Integration und (virtueller) Verfügbarkeit ihrer Bestandteile und Ressourcen bietet, um Unternehmensziele und taktische Entscheidungen kurzfristig abbilden zu können. Diese Infrastruktur existiert heute noch nicht.

Budget schonen - Ressourcen nutzen

Angesichts schrumpfender Etats muss die IT mehr denn je ihre betriebswirtschaftliche Daseinsberechtigung nachweisen. Laut IBM gehen jedoch derzeit durchschnittlich 40 Prozent der IT-Budgets in Unternehmen für die Wartung nicht integrierter IT-Systeme und Netzwerke verloren, und die Nutzung vorhandener Rechnerkapzitäten ist gering. So sind Mainframes laut Hersteller nur zu 60 Prozent ausgelastet, Unix-Server nur zu zehn und die meisten PCs gar nur zu fünf Prozent.

Die skizzierte On-Demand-Infrastruktur ist daher auch mit dem Versprechen verbunden, die Wartungs-, Entwicklungs- und Prozesskosten gegenüber bisherigen heterogenen IT-Landschaften reduzieren zu können sowie brachliegende Prozessorkapazitäten nutzbar zu machen. Um Letzeres zu erreichen, schwebt IBM im Prinzip eine vollständige Virtualisierung der Rechnerleistung vor, die nicht mehr ortsgebunden ist, sondern intern oder über Dienstleister nach Bedarf (on demand) zugeschaltet und -gekauft werden kann.

Auf ihrer diesjährigen Entwicklerkonferenz "Developerworks Live" wollte nun die IBM Software Group vor rund 3000 Teilnehmern dieses in seinen einzelnen Aspekten nicht neue Konzept mit Leben erfüllen. Gebetsmühlenhaft hieß es von den Managern und Softwarespezialisten, dass On-Demand-Computing langfristig angelegt sei, viele der dazu benötigten Infrastrukturtechniken aber schon vorhanden oder im Entstehen seien. So bezeichneten die Sprecher den Einsatz von Java für die Anwendungsentwicklung sowie offene Internet-Standards einschließlich des Linux-Betriebssystems als ersten Schritt, den viele Unternehmen mittlerweile gegangen sind.

Web-Services als Wegbereiter

XML und Web-Services würden zudem schon bald den Aufbau flexibler serviceorientierter Architekturen ermöglichen. Basierend auf Web-Services-Schnittstellen und dem Grid-Protokoll, lasse sich im nächsten Evolutionsschritt mit der Open Grid Services Architecture (OGSA) ein Abstraktionslayer in den Middleware-Produkten implementieren, über den Anwendungen den flexiblen Zugriff auf einzelne oder gruppierte Ressourcen im Netzwerk erhielten. Anwendungen und Systeme verfügten dann zudem über autonome Funktionen für die Verwaltung und Optimierung von (Grid-) Ressourcen, zur selbständigen Konfiguration, Fehlerdiagnose sowie zum Schutz des Systems gegen Attacken über das Netz (Autonomic Computing). Zuletzt, so IBM, würden sich Unternehmen fast nur noch mit der Entwicklung von Anwendungslogik beschäftigen und die nötige Infrastruktur und Rechenleistung dank Grid immer mehr über Dienstleister beziehen.

Mit der neuen Zielsetzung verwandelt sich das bisherige Portfolio der Software Group in eine Palette von On-Demand-Komponenten. Es sind dies die Java-Applikations-Server, Entwicklungswerkzeuge und Infrastrukturprodukte der "Websphere"-Familie, die Datenbank "DB2", die Groupware von Lotus, System-Management-Software von Tivoli sowie seit Jahresbeginn die zugekauften Entwicklungswerkzeuge von Rational.

Features für Autonomic- oder Grid-Computing waren in New Orleans noch kaum zu sehen (siehe Kasten "Autonomic und Grid "). IBM nutzte die Veranstaltung vor allem dazu, die eigenen Leute sowie die angereisten Entwickler und Partner über spezielle Programme und Services mit neuen Produkten, Techniken und der künftigen Strategie vertraut zu machen. Irritierten Zuhörern wurde in den Vorträgen zudem immer wieder der Besuch der Entwickler-Website www.ibm.com/developerworks sowie des Forums für neue Technologien http://www.alphaworks.ibm.com/ empfohlen, in dem sich erste Tools für Autonomic Computing sowie die "IBM Grid Toolbox" finden. Diese Anlaufstellen im Web entwickeln sich damit immer mehr zur wichtigsten und oft einzigen Orientierungshilfe im Wirrwarr der vielen Updates, Tools und Techniken der IBM Software Group.

Neue Angebote für Entwickler

Als Ergänzung dieser Foren kündigte Big Blue das kostenpflichtige Abonnement "Developerworks Toolbox" an, mit dem sich Entwickler verbilligt Programmierwerkzeuge individuell auf einer CD zusammenstellen lassen können sowie regelmäßig Updates und Informationen erhalten (Gebühren zwischen 400 und 3800 Dollar). Ebenfalls neu ist das Paket "Speed-Start Web Services", das Informationen sowie Testversionen von diversen Middleware-Produkten und der Entwicklungsumgebung "Websphere Studio" umfasst, sowie ein Update von "Speed-Start your Linux Apps", das von IBM-Software mit dem quelloffenen Betriebssystem unterstützt.

Neben viel Marketing und Zukunftsmusik ging es in den über 200 Vorträgen vor allem um Neuerungen in den Produktlinien. Auffällig ist hierbei, dass sich die Java-Plattform langsam als durchgängiges Programmiermodell durchsetzt und ein Trend zur Modularisierung des gesamten Portfolios zu beobachten ist. Letztere Entwicklung hat zur Folge, dass IBM immer öfter Tools und Features in seinen Produkten neu kombiniert, um diese technisch abzurunden und Kundenbedürfnissen nachzukommen. In diese Kategorie fällt beispielsweise der Einsatz von Tivoli-Werkzeugen im Websphere-Server oder die Verzahnung von Lotus Notes mit Websphere, dem Websphere Portal und der DB2-Datenbank (siehe CW 7/03, Seite 23).

Ein weiterer Themenschwerpunkt war die seit kurzem verfügbare Version 5 des Websphere-Servers, der allerdings bereits auf der letzten Developerworks vorgestellt worden war (siehe CW 21/02, Seite 14), sowie der Einsatz der verschiedenen Varianten von Websphere Studio und dem darunter liegenden Open-Source-Framework "Eclipse", das nun in Version 2.1 existiert. In diesem Zusammenhang wurde auf der Veranstaltung ein kostenloses Plugin für Websphere Studio vorgestellt, über das sich Java-Anwendungen auch für den Applikations-Server "Weblogic" des Konkurrenten Bea Systems schreiben, testen und einsetzen lassen.

Brückenschlag zu Bea Systems

Steve Mills, Senior Vice President der Software Group, begründete das viele Marktbeobachter überraschende Angebot mit den Anforderungen von Kunden, die zu rund 30 Prozent die Entwicklungsumgebung mit Weblogic kombinieren müssten. Ferner kündigte er das Paket "Websphere SDK for Web Services" an, mit dem sich Websphere-Anwender ein Bild vom Einsatz und der Generierung solcher XML-Standards verschaffen können sollen.

Parallel zur Flexibilisierung und Öffnung des Portfolios versucht IBM, auch die Reichweite und das Einsatzgebiet seiner Produkte zu erweitern. So sei laut Mills IBMs Business Consulting Group damit beschäftigt, Best Practices für On-Demand-Computing für 17 Branchen zu definieren. Zudem stellte er auf der Veranstaltung ein millionenschweres Partnerprogramm vor, mit dem IBM die Entwicklung mittelständischer Softwarelösungen fördern will. Systemhäuser sollen auf der Basis abgespeckter "Express"-Ausgaben IBM-Produkte und Linux nutzen, um künftig vor allem Microsoft dieses lukrative Marktsegment nicht allein zu überlassen (siehe CW 16/03, Seite 6).

Der mit Spannung erwartete erste Auftritt von Rational als neues Mitglied der Software Group fiel hingegen unspektakulär aus. Nur am Rande der Veranstaltung war zu hören, dass noch für dieses Jahr eine gemeinsame Produktstrategie geplant ist, da sich bisher nur einzelne Produkte beider Hersteller kombinieren lassen. Ausnahmen sind vor allem das Tool für Konfigurations-Management "Rational Clear Case LT", das in Websphere Studio 5 enthalten ist, sowie die Modellierungsumgebung "Rational XDE", die sich dank eines Plugin für Eclipse in die Benutzeroberfläche von Websphere Studio einbinden lässt. Überlegungen gehen laut Eric Schoor, Vice President Marketing bei Rational, nun dahin, DB2 künftig als Projektdatenbank, Lotus als Komponente für die Teamentwicklung und Tivoli zum Monitoring neuer Anwendungen zusammen mit eigenen Tools einzusetzen. Vor allem aber hoffen Entwickler, dass XDE künftig enger mit Websphere Studio integriert und zusammen lizenziert wird, da Letzteres keine Modellierung ermöglicht und der separate Kauf beider Produkte kostspielig ist.

Da auch die Softwarentwicklung laut IBM den Aufbau einer On-Demand-Infrastruktur fördert, gab der bekannte Methodenspezialist Grady Booch einen kurzen Ausblick auf das, was Entwickler damit erwartet. Seiner Ansicht nach werde künftig bei der Anwendungsentwicklung ein modellgetriebener Ansatz dominieren. Durch ihn ließen sich alle Aspekte eines Systems mit Hilfe der Unified Modeling Language grafisch darstellen - von der Architektur bis hin zu den Komponenten und Datenbankschemata. Zu diesem Ansatz gesellen sich Konzepte wie die komponentenbasierende Softwareentwicklung, der Einsatz von Pattern, Aspekten sowie collaborative Programmierumgebungen. Doch anders als seine On-Demand-Kollegen warnte Booch davor, zu glauben, dass sich damit Anwendungen in Zukunft leichter erstellen ließen: "Ich muss Sie daran erinnern, dass die Softwareentwicklung eine sehr, sehr schwierige Aufgabe bleiben wird."

Autonomic und Grid

Zwar sind beispielsweise mit dem Server-Projekt "Eliza" oder mit dem Tool "Leo", das als Bestandteil der Version 8.1 der DB2-Datenbank für optimierte SQL-Abfragen sorgen soll, neue Techniken im Entstehen (siehe Seite 34). Doch stellen derzeit vor allem Tools für automatisiertes System-Management von Tivoli IBMs Antwort auf die Aufgaben einer On-Demand-Infrastruktur von morgen dar.

Vorgestellt wurden in New Orleans das Werkzeug "Log and Trace", mit dessen Hilfe sich das mühsame Auswerten von Log-Files beim Debuggen und der Fehlerbehebung in verteilten Anwendungen vereinheitlichen und steuern lässt, sowie die regelgestützte Engine "Agent Building and Learning Environment" für komplexe Analysen von Datenströmen und die Prognose des zu erwartenden Systemverhaltens. Aus dem Tivoli-Portfolio stammen die "Monitoring Engine", die Systemfehler überprüft, Multiserver-Umgebungen korreliert und automatisch Korrekturen einleitet, sowie das Produkt "Business Workload Management", das Antwortzeiten von Applikationen misst sowie die Art beziehungsweise Häufigkeit von Transaktionen überwacht.

Bezüglich Grid Computing wurden in erster Linie die Grundlagen vorgestellt, die die Open Grid Software Architecture (OGSA), die IBM und das Open Source-Projekt Globus entwickeln. Sie definiert eine Architektur aus Grid-fähigen Web-Diensten, die die gemeinsame Nutzung von verteilten Applikationen sowie Ressourcen erlaubt. Bisher ist vor allem die Grid Toolbox über die Alphaworks-Seiten erhältlich.

IBM plant, OGSA zur Basis der Tivoli-Produkte zu machen sowie über sie die DB2-Datenbank in ein Grid einzubinden. Zudem wird sie Teil der Websphere-Runtime, die künftig die Grid-Technik mit zusätzlichen ServerDiensten für Web-Services wie "Service Desk" oder "WS Security" versorgen soll. Dieses Bundle wiederum könnte Bestandteil von Speicherlösungen und IBM-Servern werden.