Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

31.01.1986 - 

Volle Unterstützung von Unix auf einer Workstation von Big Blue:

IBM dringt mit RISC-PC in DEC-Reservat ein

NEW YORK/MÜNCHEN (CW) - Zwei Modelle einer Workstation auf Basis eines RISC (Reduced Instruction Set)-Computers stellte die IBM Corp. unter der Bezeichnung RT PC in den USA vor: Ein Desktop- und ein Standgerät. Erstmalig kommt als Betriebssystem eine IBM-Version von Unix unter der Bezeichnung AIX 1 zum Einsatz. Für den deutschen Markt wurde der RT PC noch nicht freigegeben.

AIX 1 steht für Advanced Interactive Executive und kombiniert die Unix-Version V.1 mit Berkeley-Unix Grund Teilen von IX3 von Interactive Systems. Das IBM-Betriebssystem wird mit vier Benutzerschnittstellen ausgeliefert, nämlich C-Shell, Bourne-Shell, einem PC-DOS-Interface zur Verwendung mit einem optionalen 80286-Koprozessor sowie IBMs Hauptbeitrag, einer Benutzerschnittstelle für den Unix-Einsteiger (Usability Services). Neben dem Betriebssystem bietet IBM für 1000 US-Dollar einen Virtual Resource Manager mit Assembler und der Sprache C an. Für weitere 1000 Dollar sind ein Basic-Interpreter und -Compiler erhältlich, ferner Pascal (1000 Dollar) und Fortran 77 (650 Dollar).

Der RT PC basiert auf einem 32-Bit-Mikroprozessor von IBM, dem registerorientierten 801-RISC mit einem Befehlsumfang von 118 Instruktionen. Dies ist wesentlich mehr als bei bisherigen RISC-Systemen mit durchschnittlich 20 bis 50 Befehlen. Eine Addition führt der Prozessor in nur einem Taktzyklus von 170 Nanosekunden aus. Er verfügt in der Grundversion über 1 MB Arbeitsspeicher, ein Diskettenlaufwerk für 1,2-MB-Floppies und eine Winchester mit 40 MB.

Drei Bildschirme stehen zur Auswahl: Ein monochromer Zwölf-Zoll-Schirm mit 720 x 512 Pixel Auflösung, ein Farbbildschirm mit der gleichen Auflösung, 16 Farben und einer Diagonale von vierzehn Zoll sowie ein einfarbiges Fünfzehn-Zoll-Display mit 1024 mal 768

Bildpunkten. Der Desktop (6151 Model 10) kostet in der Minimalkonfiguration 11 700 Dollar, das Standgerät 19 500 Dollar zuzüglich 3400 Dollar für das AIX 1. Keyboard und Monitor schlagen extra zu Buche, doch standen die Preise bei Redaktionsschluß noch nicht fest.

Wie verlautet, bedient der neue Rechner in der Ausführung als Standgerät bis zu acht User. Eine optionale Koprozessorkarte mit einer 80286-CPU erlaubt zusammen mit einem Koprozessorprogramm auch die Verarbeitung von Programmen, die für den IBM AT konzipiert wurden.

Allerdings benötigen die RT-Workstations, die nach IBM-Empfehlung untereinander durch ein PC-Network verbunden werden können, jeweils eine eigene Festplatte. Die Begrenzungen des PC-Netzes erlauben im Unterschied zu Ethernet keine zentrale Speicherung der oft umfangreichen CAD/CAM-Dateien.

An Software werden mehrere Pakete erhältlich sein, so das "IBM Personal graPHIGS", ein Grafik-Interface für die Anwendungsprogrammierung. Das Electronic Mail System Inmail/Innet erlaubt den Dateitransfer zwischen dem RT PC, IBM Personal Computern und Großrechnern mit IX/370. Bei SQL/6150 handelt es sich um eine spezielle Version des IBM-Datenbankprogramms SQL/ Data System. Voraussetzung für den Betrieb auf dem RT ist das 6150/ 6151-Data Management Service Program.

Daneben gibt es ein Emulationsprogramm für 3278/3279-Terminals. Von Interleaf Inc. ist das mausorientierte Textverarbeitungsprogramm "WPS" verfügbar. Ebenfalls als mausorientiertes Textverarbeitungsprogramm erlaubt "Applix IA" von Applix Corp. die Kombination von Texten, Grafiken und Spreadsheets sowie Mailboxing über das Personal Network. Das Textverarbeitungsprogramm mit integriertem Spreadsheet "Samna Plus" von Samna Corp. und das Buchhaltungspaket "Solomon III" von TLB runden das Angebot an eher büroorientierter Software ab.

Daneben gibt es auch eine Reihe von Softwareprodukten, die mehr den Workstation-Charakter des neuen Rechners betonen, zum Beispiel für Geologen und Geografen "Uniras" von Uniras Inc., das über eine Datenbank mit detaillierten Kartendarstellungen der ganzen Welt verfügt. Von der Firma Bolt Beranek & Newman gibt es ein Statistikpaket namens RS/1. CAD-Anwendungen unterstützt "CADAM", ein grafikorientiertes Programm insbesondere für Ausschnittvergrößerungen und Herstellung von Explosionszeichnungen. Das 15 000-Dollar-Programm läuft allerdings nur auf dem Standmodell. Zudem bietet IBM auch ein eigenes Programm für den Entwurf integrierter Schaltkreise an.

Erste Analysen und Reaktionen von Analysten und Marktkennern stimmen in mehreren Punkten überein. Zum einen herrscht Einigkeit darüber, daß im Gegensatz zu existierenden Unix-Workstations sich bei dem neuen IBM-Produkt der Einsatzbereich nicht nur auf technischwissenschaftliche Anwendungen wie CAD/CAM erstreckt, sondern auch traditionelle IBM-Domänen in Büro, Verwaltung und professioneller DV einschließt.

Deutlich werde dies am Softwareangebot oder auch an der zusätzlichen AT-Karte. Allerdings wird die Leistung des RT dort skeptisch beurteilt, wo Big Blue sich relativ weit in Neuland hineinwagt, nämlich auf das Gebiet rechenintensiver technischwissenschaftlicher Anwendungen, in denen DEC als Marktführer zu Hause ist. Hier haben aber auch relativ kleine Konkurrenten mittlerweile ihre eigenen Maßstäbe gesetzt. Edward Zander, Marketing-Vizepräsident von Apollo Computers Corp. meinte beispielsweise, IBM habe "versäumt, die Bedeutung von integrierter Grafik, Benutzerschnittstellen und Netzwerktechnik zu erkennen". Daher fühle er sich angesichts des Konkurrenten "ziemlich gut".

Der Chef von Sun Microsystems Deutschland, Helmut Krings, bezeichnet den Durchsatz von 1,5 bis 2 Mips als "für eine RISC-Maschine ernüchternd". Üblich seien bei solchen Geräten 4 bis 5 Mips. Die Gleitkomma-Rechenleistung sei im Vergleich mit Standard-Fließkomma-Koprozessoren "bescheiden". Sie betrage weniger als ein Drittel des State-of-the-art-Prozessors 68881 von Motorola. Er vermißt weiterhin Standard-Netzwerkanschlußmöglichkeiten wie Ethernet oder SNA. Auch die Bildschirmauflösung ließe zu wünschen übrig. Aus alledem schließt Krings, der RT PC sei eher "eine Art Super-AT".

Steven Milunovich von der Boston Co. weist darauf hin, daß IBM Bemühungen unternommen habe, Unix benutzerfreundlicher zu gestalten. Das könne die Position von Unix als Betriebssystem für kommerzielle DV stärken.

Andere Branchenbeobachter vertreten hingegen die Ansicht, daß IBM mit der Auswahl des Unix V.1 als Kern seines AIX die Performance des RT eher bremse - Release V.1 wird allgemein als die langsamste Unix-Variante gewertet.

Während von IBM Deutschland keine Stellungnahme zu dem im deutschen Sprachraum noch nicht vorgestellten Rechner zu erhalten war, deutete Robert M. Williams von IBMs Engineering Systems Products Independent Business Unit an, was von Marktführer in Zukunft möglicherweise zu erwarten sei: "Man sollte dies als eine strategische Ankündigung für IBM betrachten. Es könnte sehr wohl weitere Anwendungen für die RISC-Technik bei IBM geben. Ich glaube nicht, daß es irgendwelche fundamentalen Dinge gibt, die RISC für die kommerzielle Datenverarbeitung ausschließen".