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19.04.1991 - 

Mehrprozessor-Midrange als Konkurrenz zu ES9000 und RISC6000:

IBM: Elf neue AS/400-Modelle mit OSI-Funktionalität in Sicht

Mit der Ankündigung elf neuer AS/400-Modelle und der neuen Betriebssystemversion OS/400 2.1, die sowohl den OSI-Richtlinien entsprechen als auch Windows 3.0 unterstützen soll, könnte Big Blue am 23. April 1991 der neuformierten ACE-Gruppe in Sachen Offenheit möglicherweise einen herben Schlag versetzen.

Der Leistungsschub um den Faktor 2,5 am oberen AS/400-Ende scheint dabei noch nicht das letzte Wort: Big Blue stellte für seine AS/400-Linie 4- und 6- Prozessor -Systeme in Aussicht.

Bei den Prozessoren der vorgestellten D-Systeme handle es sich im Gegensatz zu den alten in Bipolar-Technologie ausgelegten B-Modellen um CMOS-Varianten. Diese Leistungssteigerungen, die die IBM in einem Statement of Direction bereits vergangenes Jahr ankündigte, soll gegenüber den bislang verwendeten CPUs etwa 35 bis zu 50 Prozent betragen.

Vor allem die Präsentation einer 2-Prozessor-AS/400 und die Perspektive auf noch größere N-Weg-Maschinen ist von Interesse. Diese Systeme reichen mit ihrer Leistung in den unteren ES/9000-Mainframe-Bereich. Kannibalisierungseffekte könnten so für die IBM jetzt gleich an zwei Fronten auftreten.

Immer wieder wird eine Rivalität zwischen RISC/6000- und AS/400-Rechnern thematisiert. Diese Diskussion erhielt unter anderem durch die Ankündigung des leistungsstärksten RISC/6000-Rechners, des "Powerserver 950", am 12. März 1991 neue Nahrung.

Mit den neuen Mehrweg-Systemen bringt die IBM nun möglicherweise auch ihre Vertriebsbeauftragten für High-end-AS/400- und die Low-end-ES/9000-Welt (VSE -Kunden) in Argumentationskonflikte. Allerdings hätten VSE Anwender beim Systemwechsel auf ein AS/400-Modell größte Problemen zu gewärtigen: Sie könnten ihre Daten und Anwendungen nicht auf die Midrange-Rechner portieren, da zwischen diesen beiden Welten keine Kompatibilität besteht.

Für Lars Mieritz, Senior Technology Analyst der Technology Investment Strategies Corp., London, gibt es eine weitere Erklärung, warum Anwender der ES/9000-Low-end -Systeme nicht auf Big Blues leistungsstärkste Application-Server-Modelle überwechseln werden: "Ich glaube, der Grund, warum IBM erst jetzt mit den neuen AS/400-Modellen herauskommt, obwohl Anwender vor allem der B70-Modelle händeringend nach Leistungssteigerungen nachfragten, liegt an Big Blues Produktpolitik insgesamt." Danach mußte der blaue Riese zunächst einmal seine Workstations (im Februar I990) und dann (im September 1990) seine ES/19000-Mainframes positionieren, um bei den Anwendern gleich Bestellungen einzuholen. Mieritz zu dieser Kunden-Akquisition: "IBM wollte, daß die Anwender der Low-end-Mainframes im September gleich ein Commitment für die ES/9000-Rechner abgeben. Aus diesen Verträgen kommen sie nun so ohne weiteres nicht mehr heraus."

Mit dem 2-Prozessor-System "AS/400-9406 Modell D 80" präsentiert Big Blue auch eine neue Version- des OS/400-Betriebssystems, das symmetrisches Multiprocessing in einer Shared-memory-Umgebung unterstützt, das heißt, die CPUs der Mehrweg -AS/400 greifen auf einen gemeinsamen Speicher zu. Den der COMPUTERWOCHE vorliegenden Informationen zufolge ist unklar, wie lange Big Blue noch die alte OS/400 -Betriebssystem-Version unterstützen wird. Außerdem rechnet man in Insider-Kreisen damit, daß die IBM bei den Preisen für die OS/400-Version 2.1 kräftig hinlangen wird.

OS/400 2.1 soll nach Informationen aus IBM-nahen Kreisen auch volle OSI -Funktionalität bieten. Bei Redaktionsschluß stand nicht fest, ob es sich hierbei wieder nur um aus der Vergangenheit bekannte IBM-Willenserklärungen handelt und das OSI -Versprechen lediglich eine halboffene OSI-SNA-Mixtur bedeutet.

Klar ist auch noch nicht, ob und wie Big Blue über die ISO-Standards tatsächlich Offenheit realisieren will. Die Strategie offener Systeme auf Basis der AS/400 stützt sich möglicherweise auf ein dem OSI-Standard entsprechendes Kommunikations-Board. Ferner präsentiert die IBM wohl einen Token-Ring-Adapter, der den Durchsatz von AS/400- und PC-Systemen, die über Token-Ring-Topologien verbunden sind, mehr als verdoppeln soll. Angeblich wird Big Blue auch ein integriertes Adapter-Feature ankündigen, das die direkte Anbindung von AS/400-Systemen an ISDN verwirklicht.

Mit der Version 2, Release 1, von OS/400 verspricht sich die IBM nach Meinung von Big Blue nahestehenden Informanten, die Möglichkeiten und Fähigkeiten der AS/400 als Datenbank-Server in Client-Server-Umgebungen erheblich zu verstärken. Außerdem hoffen die Armonker, mit ihrem Verständnis von Offenheit und ihrem zukünftigen AS/400 -Angebot auch Ausschreibungen etwa auf Regierungsebene zu gewinnen.

Marktbeobachter Mieritz sieht IBMs Position als Wettbewerber bei offenen Systemen aufgrund der Konkurrenz im eigenen Haus als ambivalent an: "Big Blue ist praktisch der einzige Hersteller weltweit, der für den gleichen Markt- und Anwendungsbereich gleich drei Produkte offerieren kann: PS/2-Maschinen, -RS/6000- und AS/400-Midrange-Systeme."

Inwieweit man aufgrund der Ankündigung von einer Offenheit des proprietären AS/400-Systems sprechen kann, bleibt allerdings ebenso abzuwarten, wie es festzuhalten gilt, daß die AIX-Umgebung der RS/6000-Workstations genauso proprietär ist wie IBMs Power-RISC-CPU.