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28.06.2005

IBM entlässt 13000 Leute und heuert 14000 in Indien an

Offshoring-Kritiker sehen sich durch die Arbeitsplatzverlagerung bestätigt.

In einem internen Papier vom April 2005, das als "IBM Confidential" gekennzeichnet ist, hat das Unternehmen die Pläne für die Einstellungen in Indien ausgeführt. Das Dokument hatte die Angestellten- und Arbeiterinteressengemeinschaft Washington Alliance of Technology Workers, kurz Washtech, an die US-amerikanische Zeitung "New York Times" geleitet. Washtech wiederum wurde die Geheiminformation von einem IBM-Angehörigen zugespielt.

Big Blue gab keine Stellungnahme zu den Informationen ab. Das Unternehmen teilte lediglich mit, es produziere viele Dokumente, Präsentationen und Projektionen für künftige Entwicklungen.

Robert Moffat, ein Senior Vice President von IBM, erklärte den Personalaufbau in Indien allerdings mit der wachsenden Nachfrage nach Technologiedienstleistungen in der prosperierenden Wirtschaft Indiens. Außerdem finde man auf dem Subkontinent sehr viele gut ausgebildete Softwareingenieure, die IBM für Projekte überall in der Welt einsetzen könne.

Zudem, so Moffat weiter, habe Big Blue schon immer und überall in der Welt - und auch in den USA - Leute angeheuert, um sie in neuen Geschäftsfeldern mit Wachstumspotenzial einzusetzen. Es gehöre zum üblichen Prozedere, Personal ortsabhängig einzustellen und zu entlassen.

IBMs rigider Kurs in Richtung Offshoring und Global Sourcing bestätigt Kritiker, die den Verlust von IT-Arbeitsplätzen im großen Stil fürchten. Neue Marktstudien waren indes zu anderen Ergebnissen gekommen. Der Branchenverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) befragte beispielsweise gemeinsam mit der Deutsche Bank Research 572 Unternehmen in Deutschland zum Thema Offshoring. Fast zwei Drittel gehen davon aus, dass der Arbeitsplatzaufbau hierzulande nicht zu Jobverlusten führen wird.

Enormer Effekt auf die Gehälter

Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz von der renommierten Columbia University weist aber darauf hin, dass der Blick ausschließlich auf die Zahlen die wahren Gefahren des Offshoring verstellt. "Was mich beunruhigt, ist die Tatsache, dass dies (Offshoring, Anm.d.Red.) einen enormen Effekt auf die Gehälter haben könnte und eine strangulierende Wirkung auf Gesellschaften", sagte der ehemalige Chef der Weltbank. (jm)