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14.06.2002 - 

Sozialplanverhandlungen im Werk Mainz

IBM entlässt und restrukturiert

MÜNCHEN (wh) - Mit weit reichenden Restrukturierungsmaßnahmen versucht IBM, die Sparvorgaben von CEO Sam Palmisano umzusetzen. An US-amerikanischen Standorten wurden bereits 7000 Mitarbeiter entlassen, schätzen Gewerkschaftsvertreter. Nach dem angekündigten Verkauf der Festplattenproduktion an Hitachi stehen im Werk Mainz Sozialplanverhandlungen an.

Scheibchenweise bestätigt IBM Entlassungen in mehreren Konzernbereichen, sagt jedoch nicht, wie viele Stellen weltweit abgebaut werden sollen. Bereits in den letzten beiden Maiwochen kündigte der Hersteller Mitarbeitern in der Server-Division und in verschiedenen Dienstleistungs-Abteilungen. Vergangene Woche schätzte Lee Conrad von der US-amerikanischen Arbeitnehmervertretung Alliance@IBM die Anzahl bereits ausgeschiedener Mitarbeiter auf fast 7000.

Mit den offenbar weltweit eingeleiteten Maßnahmen folgen IBMs Divisionen den Vorgaben Palmisanos. Er hatte nach den schlechten Ergebnissen für das erste Quartal Einsparungen von ein bis zwei Milliarden Dollar pro Jahr gefordert. Kurzfristig allerdings fallen zusätzliche Kosten an. Entlassungen, der Verkauf von Vermögensteilen und weitere Restrukturierungsmaßnahmen führen zu einmaligen Aufwendungen in Höhe von zwei bis 2,5 Milliarden Dollar, die der Konzern zum größten Teil im zweiten Quartal verbucht.

Nach Einschätzung von Finanzexperten müsste Big Blue damit erstmals seit acht Jahren einen Quartalsverlust ausweisen. IBMs Finanzchef John Joyce erwartet, dass sich die Sparbemühungen erst in der zweiten Jahreshälfte positiv auswirken.

Am stärksten betroffen von den aktuellen Kürzungen ist die Technology Group mit den defizitären Halbleiter- und Speicherbereichen. Nach Angaben von Sprecher Bill O''Leary baut allein IBM Microelectronics 1500 Arbeitsplätze ab, rund 7,5 Prozent der 20 000 Mann starken Belegschaft. Bluten müssen vor allem die Standorte East Fishkill und Endicott im Bundesstaat New York sowie Burlington in Vermont.

Im Zuge der Restrukturierung der Technology Group verkauft IBM zudem die Festplattenproduktion an Hitachi (siehe CW 23/02, Seite 4). Für die 2500 Mitarbeiter im Mainzer Speicherwerk brachte die offizielle Ankündigung des Deals eine weitere Hiobsbotschaft. Denn entgegen den ursprünglichen Erwartungen wird die Produktionsstätte nicht in das geplante Joint Venture mit Hitachi eingegliedert.

Fest steht bereits, dass die Produktion von Schreib-Lese-Köpfen noch in diesem Jahr ausläuft. Für die Festplattenfertigung scheint es zumindest eine Gnadenfrist zu geben. Ein Liefervertrag mit dem neuen Unternehmen unter Hitachi-Leitung garantiere die Abnahme von Harddisks bis Ende 2003, berichtet Klaus Trautmann, Betriebsratsvorsitzender für das Werk Mainz.

Die rund 500 Techniker und Ingenieure aus der Magnetkopfproduktion wechseln laut dem Gewerkschafter vorerst in die Plattenfertigung, allerdings wisse heute niemand, was nach 2003 aus dem Bereich mit insgesamt 800 Kollegen werde.

Um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, muss der Konzern 300 bis 400 Arbeitsplätze über Personalprogramme abbauen. Angesichts der vielen Unwägbarkeiten, vor allem für die Zukunft der Festplattenfertigung, strebt Trautmann einen Interessenausgleich für alle 2500 Mitarbeiter in Mainz an. Damit verbundene Sozialplanverhandlungen beginnen am Freitag dieser Woche.