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09.12.1988 - 

Der Tanker ändert langsam seinen Kurs:

IBM erklärt sich zu MCA-Lizenzen

MÜNCHEN (CW) - Die Nebel um Big Blues Mikrokanal-Lizenzpolitik beginnen sich zu lichten. Bill Lowe, President von IBMs Entry Systems Division, erläuterte in Las Vegas einige Aspekte seiner Unternehmenspolitik in bezug auf die PS/2-Clones.

Lowe betonte, sein Unternehmen habe immer jedem Lizenzen gewährt, der in die Bedingungen des Computergiganten einwillige. Gleichzeitig versprach er, in naher Zukunft ein Papier mit IBMs Richtlinien zu veröffentlichen. Lowe zufolge gibt es zwei Kategorien von Lizenznehmern. Angehörige der Kategorie Eins hätten zwei Prozent zu entrichten, solche der Kategorie Zwei fünf Prozent. "Bisher haben wir noch niemandem mehr als zwei Prozent in Rechnung gestellt", erklärte Lowe.

Gerüchten, IBM wolle PS/2-Nachbauern ein zweijähriges Gebührenmoratorium einräumen, erteilte der Manager eine Absage. Dennoch wird Big Blue wahrscheinlich nicht vor Ablauf dieser Frist kassieren: Solange die bisher lediglich beantragten Patente von den zuständigen Behörden nicht erteilt seien, wolle sein Unternehmen auch keine Lizenzgebühren in Rechnung stellen.

Kein Inkasso vor Patenterteilung

Da Patentanträge vertraulich sind, besteht allerdings weiterhin Ungewißheit, welche Teile des PS/2-Konzeptes denn nun eigentlich einem Urheber- oder Patentrechtsschutz unterliegen. Darauf wies ein mit der Problematik vertrauter Patentanwalt hin. "Ein noch nicht abschließend behandelter Patentantrag ist das perfekte Mittel, den Markt im ungewissen zu lassen", erklärte der Jurist.

Lowe ging in seiner Erklärung von Las Vegas auch auf die mit IBM um den Standard im PC-Sektor rivalisierende EISA-Gruppe ein. Sicher werde er den EISA-Mitgliedern die gleichen Bedingungen bieten wie anderen Kompatiblen-Herstellern auch. Der EISA-Gruppe als Ganzes werde er jedoch kein Angebot unterbreiten. "EISA ist für uns keine rechtliche Körperschaft", machte er seinen Standpunkt klar. Aber die EISA-Gruppe habe mit ihrem Konzept genau das bestätigt, was er seit geraumer Zeit gepredigt habe: Daß es einen Bedarf für eine 32-Bit-Busarchitektur gebe.

Die Klarstellungen IBMs sind vor dem Hintergrund einer unbefriedigenden Mikrokanal-Akzeptanz auf dem amerikanischen Markt zu sehen. So berichtet MCA-Hersteller Normerel von zunehmender Flexibilität IBMs bei den Verhandlungen. Vor einem Jahr noch seien solche Ergebnisse nicht zu erzielen gewesen. Lowe konzedierte, Druck aus Händlerkreisen habe IBMs Haltung mitbeeinflußt. "Natürlich hätten wir gerne den ganzen MCA-Markt für uns", meinte der IBM-Manager. "Aber einige unserer großen Distributoren haben uns klargemacht, daß sie sich komfortabler fühlen würden, wenn es mehrere Anbieter gäbe."

Dennoch bleibt die Händlerschaft vorläufig skeptisch. Pat Overly, Chef von Normerels US-Tochter, berichtete von Schwierigkeiten, seine Maschinen an den Mann zu bringen. Er würde, so kündigte er an, die Händler mit Anreizen belohnen, die zur Zeit noch abwartend "auf dem Zaun sitzen".