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06.11.1981 - 

Count-Forum "Lokale Netzwerke": Abwarten der Anwender befürchtet

IBM-Forschung spricht für das Ringkonzept Von Paul Hoffmann

SINDELFINGEN - Gute Figur machten vor allem die Ethernet-Lizenznehmer von Xerox.

Der Xerox-Mann selbst jedoch ließ viele Fragen offen. Die 180 Teilnehmer des diesjährigen Count-Anwendertreffens kürzlich in Sindelfingen hatten sich über lokale Netzwerke informieren wollen.

Dank einer gelungenen Mischung aus Vorträgen von herstellerunabhängigen Beratungsfachleuten, aber auch Beiträgen von Herstellern, hatten die Teilnehmer die Chance, sich über Sinn und Zweck, Entwicklungsstand und Trends im Bereich ,"Lokale Netzwerke" ein Bild zu machen.

Internationalen Studien zufolge verbringen Beschäftigte im Bürobereich bis zu 90 Prozent ihrer Arbeitszeit damit, Informationen mit Hilfe herkömmlicher Informationsquellen wie Telefon, Telex, Nah- und Fernkopierer, EDV-Informationssysteme etc. einzuholen sechs Prozent der Zeit dienen der Formulierung der Ergebnisse, und nur vier Prozent entfallen auf die eigentliche analytische und kreative Arbeit.

Kein Wunder also, wenn die Bemühungen aller Beteiligten eine Verschiebung dieser Relation zugunsten der produktiven Tätigkeit als Ziel haben. Eine logische Entwicklung in diese Richtung stellt die Zusammenfassung aller obengenannten Informationsquellen, etwa in Form eines Multifunktionsterminals - auch Workstation genannt - dar. Die Wunschliste der Forderungen an ein derartiges System sieht etwa so aus:

þKommunikation jeder mit jedem innerhalb des lokalen Netzwerkes. Dies gilt für die Übermittlung von Sprache, Text, Zeichnungen, nach Möglichkeit zusätzliche Übertragung von Bewegtbildern, etwa nach dem Prinzip des Bildtelefons.

þZugriff auf Datenbanken, einschließlich Abspeicherung von Informationen zur Eindämmung der Papierflut.

þZugriff auf externe Kommunikationssysteme über sogenannte Gateways, auch mit Hilfe öffentlicher Netze.

Auf der Suche nach einem geeigneten Übertragungsmedium, welches alle Teilnehmer miteinander verbindet, bietet sich neben dem Koaxialkabel die Übertragung mittels Lichtleiterverbindungen an.

Daneben spielt die Wahl der Netzwerkhierarchie eine bedeutende Rolle. Sternförmige Konstellationen verlangen die Existenz einer zentralen "Intelligenz", der jedoch alle Teilnehmer im Störungsfalle ausgeliefert sind. Aus diesem Grund geht der Trend zur dezentralen Verteilung der Fähigkeiten; es bleibt die Wahl zwischen Ring- oder Bus-Systemen.

Beim Ring-System passiert die Information ringförmig alle Teilnehmer; jeder kann nach bestimmten vereinbarten Verhaltensregeln Nachrichten unterschiedlicher Form empfangen oder aussenden. Bei Ausfall einer oder mehrerer Stationen muß durch Schaltmaßnahmen die Funktion des Restnetzes erhalten bleiben. Beim Bus-System kann jeder Teilnehmer Informationen auf eine Bus-Leitung bringen. Alle Terminals hören ständig mit. Senden kann jeweils nur ein Teilnehmer. Kollisionen, also der gleichzeitige Versuch mehrerer Teilnehmer, Sendungen abzustrahlen, müssen vom System selbständig kompensiert werden.

Doch nun zu den Hersteller-Vorträgen:

AEG-Telefunken stellte mit "Dikos" ein Bus-System vor, mit dessen Hilfe Daten als auch Sprachinformationen übertragen werden können. Die Übertragung erfolgt über Lichtwellenleiter mit einer Geschwindigkeit von 10 MBit/S.

Xerox entschied sich in Zusammenarbeit mit anderen Herstellern ebenfalls für ein Bus-System, allerdings besteht das Übertragungsmedium aus Koaxialkabeln. Die Übertragungsgeschwindigkeit ist ebenfalls 10 MBit/S. Die Entwicklung dieses Systems begann schon im Jahre 1972, inzwischen hat Xerox zirka hundert Lizenznehmer für "Ethernet". Schade eigentlich nur, das während und nach dem Vortrag an den Referenten gestellte Fragen nicht oder nur ausreichend beanwortet werden konnten. Doch zum Glück hat man ja potente Lizenznehmer. Der nachfolgende Nixdorf Beitrag konnte die meisten Fragen beantworten.

Nixdorf verwendet die Grundstruktur des Ethernet-Systems, um über sogenannte Server unterschiedliche Endgeräte miteinander kommunizieren zu lassen. Dieser Vortrag erweckte den Eindruck, daß im Vordergrund aller Entwicklungen im Hause Nixdorf der Gedanke steht: Entwickelt und produziert wird das was der Kundenkreis wirklich benötigt.

Wang, immer für eine Überraschung gut, stellte den Teilnehmern ein Konzept unter dem Namen "Wankten" vor. Es handelt sich um ein Breitbandsystem, aufgeteilt in drei Frequenzbänder. Die Übertragungsgeschwindigkeiten auf Koaxialleitungen betragen 10 bis 15 MBit/S. Gateways zu externen öffentlichen Netzen stehen ebenfalls zur Verfügung. Leider hatte die Vorstellung dieser Technologie den Charakter einer Verkaufsshow. Die Resonanzskala der Teilnehmer reichte vom verständnisvollen Lächeln über Verärgerung biß zu Begeisterung bezüglich der Technologie.

Das Siemens-Konzept besteht darin, weitgehend die Möglichkeiten der vorhandenen Nebenstellenanlagen einschließlich öffentlicher Dienste zu nutzen. Eine Übertragungsgeschwindigkeit von 64 KB/S, erlaubt die Integration aller Kommunikationsformen mit Ausnahme der Breitbandkommunikation (Bewegtbild) zum Integrated Service Digital Network ISDN. Der Aufbau von schnellen DV-Verbindungen wird durch ein zusätzliches Bus-Konzept realisiert. Grundlage für die obengenannten Konzepte bildet das 7-Stufen-ISO-Modell, eine Implementierung in öffentliche Netzwerke, wie zum Beispiel Bildschirmtext, Datex-P, Teletext etc., ist somit ohne große Probleme möglich.

Mit Spannung erwartet wurde der Beitrag des Marktführers im DV-Bereich - IBM. Nach den Forschungen in IBM-Labors favorisiert man das Ring-Konzept. Schließlich hat IBM in dieser Richtung einiges an Erfahrung zu bieten, zum Beispiel 3600 Financial Loop. In Form von graphischen Auswertungen wurde die Leistungsfähigkeit eines Ring-Systems dem eines Bus-Systems gegenübergestellt. Nach Meinung der IBM-Forschung gewährleistet das Ring-Konzept bessere Auslastungswerte. Ein vollständiges Netzwerk-Konzept bekamen die Teilnehmer allerdings nicht zu sehen.

Das von Digital Equipment vorgestellte Netzwerk benutzt ebenfalls das Ethernet-(Xerox-)Prinzip als Grundlage. DEC-spezifische Forderungen und Gateway-Funktionen werden durch geeignete Server-Bausteine realisiert.

Außer diesen vorgestellten Konzepten gibt es noch eine Reihe anderer Herstellerlösungen. Datapoint, Ungermann - Bass etc.

Alle Systeme konnten aufgrund der vorhandenen Zeit nicht vorgestellt werden.

"Herausforderung ist die Ungewißheit"

Die Ausführungen der Vortragenden, insbesondere bezüglich des Installationszeitpunktes vollständiger, ausgereifter Systeme, erzeugte bei den meisten Teilnehmern eine deutliche Abwartehaltung. Hierzu paßt sicher ein Zitat aus dem Nora-Mink-Report: "Die Informatisierung der Gesellschaft". Die neue Herausforderung ist die Ungewißheit. Es gibt keine sichere Vorhersage, sondern nur richtige Fragen über die Mittel und Wege, mit deren Hilfe man zum erhofften Ziel kommen kann. Die Zukunft baut sich nicht auf Vorhersagen auf, sondern auf Zielvorstellungen und Plänen und auf der Fähigkeit, sich die geeignete Organisation zu geben, um die Zukunft zu realisieren.

Man kann nur hoffen, daß das Resümee dieser Veranstaltung nicht Stillstand in Form von tatenlosem Abwarten seitens der Anwender bedeutet. Denn Kommunikationsoptimierung ist neben der technischen Machbarkeit ein Erziehungsprozeß. Man kann bessere Kommunikation nicht auf dem Papier planen und dann mit einem Schlag in die Tat umsetzen. Dort, wo besserer Informationsfluß die Produktivität und die Qualität des Arbeitsplatzes erhöht, kann aber schon jetzt mit der Optimierung begonnen werden. Bis zur Realisierung komplexer Systeme stehen zahlreiche Übergangslösungen in Form von Hardwarekomponenten, wie Protokollkonverter, Schnittstellenadaptionen untereinander, Softwarekonvertierungsmöglichkeiten zur gegenseitigen Verständigung unterschiedlicher Systeme zur Verfügung - und einiges mehr auch im Rahmen der Bemühungen der Post um offene Netzwerke.

*Paul Hoffmann ist Vertriebsleiter Süd der Wetronic Automation GmbH.