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09.09.1983 - 

Änderung der bisherigen Informationspolitik:

IBM gibt sich auskunftsfreudiger in Sachen Btx

BERLIN - Gerade noch vor der Eröffnung des Btx-Dienstes auf der Berliner Funkausstellung holte Systemlieferant IBM das nach, worauf man eigentlich schon im März bei Bekanntgabe der Terminverschiebung gewartet hatte: Detailliertere Informationen über das Projekt und vor allem über die weiteren Schritte bis zur endgültigen Inbetriebnahme der neuen Zentralentechnik. Die Stuttgarter mochten sich zwar nicht auf den Mai nächsten Jahres festlegen, gaben sich aber optimistisch, "daß das Projekt entsprechend der bestehenden Planung abgewickelt werden kann".

Mit dem Hinweis darauf, daß das bundesdeutsche Btx-System mit seiner Auslegung auf eine Million Teilnehmer bis Ende 1986 und rund 30 000 Anschlüssen weltweit das erste Projekt dieser Dimension sei, machte Hans Hölsken aus dem IBM-Entwicklungsteam deutlich, daß der Auftrag selbst für Big Blue schwierig war. Neuartig - so der IBM-Mann weiter - seien auch die Anforderungen der Post gewesen: Eine 100prozentige Verfügbarkeit im 24-Stunden- und im Sieben-Tage-Betrieb. Dies habe dazu geführt, daß man sich bei der technischen Realisierung des Projektes sowohl einer zentral gesteuerten Rechnerhierarchie als auch einer dezentral vorhandenen, nahezu autonomen Rechnerintelligenz bediene.

Ekhard C. Ording, der Leiter des Btx-Projektteams der Stuttgarter, ging erstmals ausführlich auf die einzelnen Entwicklungs- und Implementierungsschritte sowie auf den derzeitigen Stand des Projekts ein. Danach sind vom dem aus sechs Komponenten bestehenden "Driver-Konzept" (siehe Abbildung) fünf realisiert; die Entwicklung der Netzwerk-, Steuerungs-, Korrektur- und Wiederanlaufmechanismen steht dagegen noch aus. Probleme gibt es Ording zufolge auch bei der Definition des EHKP6-Protokolls, da man sich hier "noch in der Diskussion" befinde. Eric Danke, der Btx-Projektleiter der Post, ergänzte, daß es in diesem Punkt "lnterpretationsspielräume" gebe, wobei er es allerdings ebenfalls vermied, präzisere Angaben zu machen.

Trotz alledem soll aber bereits in wenigen Tagen, so Ording, der Systemtest in der Ulmer Leitzentrale beginnen. Mit einbezogen sei auch die Testvermittlungsstelle der IBM-Frankfurt, die dann später von der Post betrieben werde. Der weitere Gang der Btx-Dinge: Vor Betriebsaufnahme plant die Bundespost einen sogenannten Life-Test, in dem alle Komponenten wie externe Rechner und Teilnehmer, aus dem Feldversuch umgestellte Seiten und neuer Decoder, das Originalrechnernetz mit einigen Btx-Vermittlungsstellen sowie eine eigene Bedienungsmannschaft zum Zuge kommen.

Auf die Frage nach genauen Terminen und dem endgültigen Dienstbeginn mit IBM-Technik mochten die Stuttgarter allerdings keine verbindliche Antwort geben. Statt dessen verwiesen sie auf den Auftraggeber: "Es kommt darauf an, wann die Post das Gefühl hat, alles anbieten zu können."

Wenig auskunftsfreudig gaben sich Ording und Bernhard Dorn, Leiter des IBM-Direktionsbereichs Vertrieb Informationsprodukte und Dienstleistungen, auch im Hinblick auf den Entwicklungsaufwand für das Postprojekt sowie dessen internationale Vermarktung. Immerhin war zu erfahren, daß Mitarbeiter aus Frankfurt, Düsseldorf, Bonn und Boca Raton zeitweilig für den Auftrag eingesetzt waren. "Die Zahl", so Dorn, "lag nie unter 60 Mitarbeitern, manchmal waren es auch mehr."

Der Entwicklungsaufwand, gemessen in Mannjahren, ist nach Angaben von Projektleiter Ording ohnehin schwer zu schätzen, da durch den "Teflon-Effekt" für IBM eine Reihe von Nebenprodukten abgefallen sei, die man jetzt vermarkten könne. Als Beispiel führte er die PCS Box an, ein dem Teilnehmerrechner vorgelagerter Mikroprozessor für bis zu 16 Anschlüsse, der selbständig die Leitungsprotokolle zum Decoder hin abwickelt. Auch der "ausgeklügelte Reorganisationsmechanismus" für die ständige Aktualisierung der abgespeicherten Informationsseiten in der Leitzentrale sowie den Btx-A- und -B-Vermittlungsstellen falle hierunter. Mit Hilfe dieser "Teflon-Produkte" wird Big Blue wohl somit einen Teil der Entwicklungskosten des Btx-Systems an seine Kunden weitergeben.

Gleiches gilt sicherlich auch für die internationale Vermarktung des Projekts. Dorn mochte sich zwar nicht expressis verbis zum Thema Anschlußaufträge äußern, meinte aber: "Ich kann bestätigen, daß das Interesse an der deutschen Btx-Lösung sehr groß ist".