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10.10.1997 - 

Ehemaliger Cisco- und IBM-Manager:

IBM glaubt noch an zwei konträre Netzwelten

CW: Sie lernten bei IBM und Cisco zwei Seiten der Netzplanung kennen. Wodurch unterscheiden sich die beiden Unternehmen?

FRANCIS: Beide Unternehmen haben ihre jeweils eigene Sicht der Netzwerkwelt. IBM verfügt über das vollständigste End-to-end-Angebot auf diesem Sektor. Aber das größte Problem ihrer Networking Hardware Division (NHD) ist einfach die fehlende Infrastruktur, beispielsweise eine Produktfamilie skalierbarer Router und Switches, um diese Lösung auch zu liefern. Sie haben zwar den Router "2210", doch danach kommt nichts. Alles hört beim Front-end-Prozessor auf. Für jemand, der ein Intranet aufbauen will, ist das zu wenig.Cisco dagegen verfügt über die derzeit beste Infrastruktur. Allerdings meint Cisco mit End-to-end nur das, was sich an beiden Enden der Leitung befindet, viel mehr nicht. Man könnte Cisco als besten Leitungsleger und IBM als den Generalunternehmer sehen. Dabei muß man beachten, daß das Gebäude zwar noch so schön sein kann, aber es müssen einfach auch die Leitungen funktionieren.

CW: Läßt sich an dieser Situation aus Ciscos oder IBMs Perspektive etwas ändern?

FRANCIS: IBM hält an der These von den zwei Netzwerkwelten SNA und TCP/IP fest. Die Marketing-Mannschaft von Big Blue stellt die "3745" immer noch als die Lösung für Kunden mit SNA und TCP/IP heraus, während eigentlich ein breiteres Angebot gefragt wäre. IBM denkt in dieser Beziehung eben immer noch in Kategorien wie "dies ist besser als jenes" und "SNA kontra TCP/ IP". Und diese Art der Argumentation paßt Cisco wunderbar ins Konzept, obwohl sich die Company nicht auf dieses "Meines-ist-größer-und-schneller"-Spiel verlassen sollte. Anwender interessiert es im Grunde nicht, wieviel Daten sie durch die Leitung jagen können - sie brauchen Lösungen, die funktionieren. Leistung ist wichtig, aber nicht der Weisheit letzter Schluß.IBM hat noch einiges zu tun. Mit dem "2216" und den Multiprotocol Switched Services haben sie zwar interessante Ansätze, aber sie bringen die Message nicht rüber. Internet Service Providern (ISPs) hat IBM nichts zu bieten - in diesem interessanten Bereich sind sie einfach nicht präsent. Auch nach einem Intranet-Konzept sucht man bei Big Blue vergebens - Bay und Cisco dagegen haben eine feste Strategie, genauso wie 3Com nach der Akquisition von U.S. Robotics. Die NHD behauptet, daß sie neue Märkte erschließen will - die Realität sieht allerdings anders aus. IBMs Netzdivision steckt momentan in einer Identitätskrise: Das Problem ist, daß ihr auf Unternehmensebene die Anerkennung fehlt.

CW: Was raten Sie der IBM?

FRANCIS: Einen eigenständigen SNA-Geschäftsbereich ins Leben rufen. Der Geschäftsbereich ist profitabel. Die NHD könnte sich dann auf neue Produkte konzentrieren. Solange die NHD aber die 3745/46 als Antwort auf heterogene Netze und Migrationsfragen sieht, wird das auch anderen Bereichen von IBM, beispielsweise dem Server-Geschäft, keine Hilfe bringen. Um die NHD ist es wirklich nicht gut bestellt. IBMs Outsourcing-Abteilung setzt zum Beispiel überwiegend Hardware von Cisco, Fore, Ascend und anderen ein, um als Dienstleister eine Netzstruktur aufzu- bauen. Sie sind wohlgemerkt in keiner Weise verpflichtet, IBM-Hardware zu benutzen, aber das Potential für Synergien wäre vorhanden.

CW: Welcher Hersteller hat Ihrer Meinung nach die besseren Chancen, das Data-Center zu kontrollieren?

FRANCIS: Im Grunde läuft es doch darauf hinaus, wer das Netzwerk im Griff hat. Cisco hat die nötigen Mittel, aber es fehlt ihnen ein entsprechendes Geschäftsmodell. Um Full-Service-Provider zu sein, sind Anwendungen, Netz-Management, Service- und Support-Modelle erforderlich. Zugegeben, Cisco hat sich in diese Richtung entwickelt, zeigt aber noch zu wenig Präsenz.

CW: Glauben Sie, die NHD könnte von einer größeren Akquisition profitieren?

FRANCIS: Von der oberen Geschäftsebene aus hat die NHD bisher kein grünes Licht erhalten, Firmen aufzukaufen, so daß sie im Wettbewerb benachteiligt ist.