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01.02.1980 - 

Brisante Mixtur aus DV und Unterhaltungselektronik für die 80er Jahre:

IBM hat den Fuß in der Tür von Mr. Everyone

Versucht man ein Bild von den Computer-Entwicklungstrends im kommenden Dezennium zu gewinnen, so darf neben den rein professionellen Anwendungen der Rechner eine Entwicklung nicht übersehen werden, die aus dem Arbeitsmittel von heute einen Massen-Konsumartikel von morgen machen kann: die zunehmenden Integrationsmöglichkeiten vom herkömmlichen Fernseher mit den neuen Bildschirmtext- und Videotextmöglichkeiten, den immer reifer werdenden Speichermedien wie Videokassette, Bildplatten (und natürlich auch Floppies) und der zusehends billiger und leistungsfähiger werdenden Computer-Hardware. Zusammengenommen ergibt das eine brisante Mixtur, die gravierende Folgen für das Kommunikations- und Freizeitverhalten breiter Kreise zeitigen wird.

Wie stark sich die einschlägige DV- und Unterhaltungselektronik-Industrie bereits jetzt darum bemüht (zumindest hinter den Kulissen), die Weichen für das kommende Jahrzehnt der beginnenden Privat-Computerei "richtig" zu stellen, sei an nur einem Beispiel illustriert: noch im letzten der 70er Jahre gründeten Computer-Gigant IBM und das US-"Entertainment"-Konglomerat MCA die neue Firma "Discovision Associates" mit dem erklärten Ziel, auf Basis der neuen Philips-Laser-Bildplattentechnik (die in den USA ja lokal schon auf dem Markt ist) Videoplatten für Endverbraucher wie für industrielle Zwecke zu entwickeln. Außerdem haben beide Unternehmen ihre Finger bei Pioneer Electronics im Spiel, einem Hersteller von Audio- und Videoabspielgeräten, an dem auch die Japanese Universal Pioneer Corporation partizipiert.

Wirklich interessant für Computerleute wird dieses neue Konzerngeflecht allerdings erst durch IBMs Erklärung, man wolle nicht bloß die Videoplatten-Technik für die übliche Computerei nutzbar machen, sondern es gehe IBM darum, einen Fuß in die Tür zum - offensichtlich als potentiell sehr lukrativ eingeschätzten - Geschäft mit Mr. Jedermann zu stellen. Doch was in aller Welt kann diesem ein Computerproduzent wie IBM denn bloß bieten?

Schon im letzten Jahr sagte eine Markt-Studie voraus, IBM könne, auf seinen Computer- und Büromaschinenerfahrungen fußend, im Multi-Milliarden-Dollar-Markt der integrierten Videoterminals, also der erwähnten Kombinationen aus TV, Kleincomputer und Terminal, durchaus zum Marktführer avancieren. Zumal dorthin ein klar vorgezeichneter Weg führt, nämlich der über die herkömmlichen computerisierten Büroinstallationen wie Textautomaten und Comuter-Telephonvermittlungen; von ihnen ist es bis zu Computer-Informationssystemen für Büro und Schule, für Industrie und Verwaltung ja nicht mehr weit - und dann geht es schon geradewegs weiter in den Endverbrauchermarkt, können Visionäre künftiger Trends sich begeistern.

Videoplatten, und hier sind wir nun wieder bei "Discovision", dürften sich ihrer schnellen Zugriffszeit wegen besonders gut für derartige Heim-Videoterminals mit Computerfähigkeiten eignen, sagen Fachleute, besser jedenfalls als die eher zum seriellen Abspielen von Filmen etc. geeigneten Video-Bandgeräte. Auf Platten-Basis sollte dann auch die Konzeption interaktiver Lehrprogramme kein besonderes Problem mehr darstellen. Und unter den ersten Interessenten für Discovision-Produkte werden wohl Schulen und ähnliche Institute ganz vorn stehen.

Die Videoplatten-Technik öffnet aber auch Perspektiven als handliches Speichermedium für Dokumentationszwecke, zumal es sich von seiner Anlage her auch gut zum Abspeichern von Graphiken und Photos eignet - eine Aufgabe, die mit herkömmlichen Computerspeichern zumindest aufwendige Lösungsverfahren erfordert. Da hier auch im kommerziellen Sektor interessante Marktchancen winken, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch andere DV-Häuser den neuen Laser-Bildscheiben nähertreten werden.

Egon Schmidt ist freier Wissenschaftsjournalist in München.