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02.02.1996 - 

Kurz vor der Auslieferung die Segel gestrichen

IBM hat die OS/2-Version fuer den Power-PC auf Eis gelegt

Technische Schwierigkeiten verzoegerten in den vergangenen drei Jahren immer wieder die Fertigstellung des hochambitionierten Betriebssystems, das auf einem schlanken Microkernel und beliebig portierbaren Funktionsmodulen, den sogenannten "Personalities", beruhen sollte. Mehrfach wurde die Power-PC-Variante von OS/2 daher totgesagt.

Eher wuerden Koepfe rollen, dementierte IBM-Chef Lou Gerstner noch im vergangenen Jahr derartige Meldungen. Die strategische Bedeutung des Produkts fuer die Vereinheitlichung der verschiedenen IBM-Betriebssystem-Techniken sei viel zu gross, hiess es bislang, als dass man ein solches Projekt sterben lassen koenne.

Von einer solchen Argumentation ist nun nichts mehr zu hoeren. Es habe an Nachfrage fuer den Power-PC gefehlt, heisst die lapidare Begruendung fuer das Ende der Arbeit an dem dafuer entwickelten Betriebssystem. Man werde die Entwicklung wieder aufnehmen, wenn der Markt fuer den Power-PC reif sei.

Dabei glaenzte die Architektur 1995 mit beeindruckenden Zuwachsraten. So hat der Umsatz mit dem Chip gegenueber dem Vorjahr um 119 Prozent auf 11,8 Milliarden Dollar zugenommen. Damit gehoert ihm nach dem PA-RISC-Prozessor von HP (12,5 Milliarden Dollar) mit 28 Prozent der groesste Marktanteil. Nach Stueckzahlen liegt der Power-PC mit 3,3 Millionen verkauften Chips auf Platz drei hinter den in die Sega-Spielgeraete eingebauten "SH"-Prozessoren von Hitachi und den Intel-Chips des Typs "i960".

Wenn die IBM mit diesen Zahlen nicht zufrieden ist, liegt das nicht zuletzt daran, dass man das Massengeschaeft Apple ueberlassen hat, das erfolgreich auf die Kombination aus Mac-OS und Power-Mac gesetzt hat. Solange Big Blue die Power-PC-Absaetze fuer zu gering haelt, verzichtet das Unternehmen daher auf ein eigenes Desktop- Betriebssystem auf dieser Plattform und bietet statt dessen lieber Windows NT vom Konkurrenten Microsoft an. Ansonsten laufen auf dieser Architektur das hauseigene AIX-Unix, Mac-OS von Apple, Netware von Novell und das Solaris-Unix von Sun.

Die Entwickler, die rund 140 Anwendungen fuer das neue Betriebssystem programmiert haben, werden nun damit vertroestet, dass es einfach sei, den vorhandenen Code auf Intel-Chips zu portieren. Ausserdem haetten sowieso nur 24 Softwarehaeuser ernstzunehmende Fortschritte bei der Erstellung von Anwendungen gemacht.