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15.01.1993 - 

Thema der Woche / "Datamation", Wall-Street-Journal", "Financial Times" und "Computergram" ueber die dramatische Entwicklung bei Big Blue.

IBM in der internationalen Presse: Das Ende eines Idols

"Datamation", Dezember 1992

IBMs Big Changes Going Slowly

Die Zukunft sieht duester aus. IBM geht von einem deutlichen Einbruch bei den Gewinnen aus dem Mainframe-Geschaeft fuer dieses Jahr aus. Die AS/400 hat in der ersten Jahreshaelfte einen Gewinnzuwachs von 20 Prozent eingefahren - fuer die zweite Haelfte werden nur mehr schmale acht Prozent erwartet. Im September hat Bob LaBant fuer die USA einen Gewinnzuwachs von vier bis sechs Prozent fuer die naechsten beiden Jahre vorausgesagt, allerdings mit der Einschraenkung, dass diese Voraussage im Zusammenhang mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung gesehen werden muss.

Dick Nelson formuliert einige der Probleme, mit denen IBM sich bei dem Versuch konfrontiert sieht, verlorenes Terrain zurueckzugewinnen. Nelson ist Vizepraesident der New York Life Insurance Co. und der Verantwortliche fuer Beschaffung und Support der Ausruestung fuer 9000 Vertreter. Er konstatiert "eine gewisse Arroganz bei IBM, die aus der marktbeherrschenden Stellung des Unternehmens resultierte". Den Umgang mit Kunden beschreibt Nelson so: "Die Kunden hatten keine Wahl: Sie hatten zu kaufen, was IBM ihnen anbot, nicht, was sie wirklich brauchten." Als zunehmend IBM-Clones auf den Markt draengten, die eine ernsthafte Konkurrenz fuer IBM darstellten, wurde die Arroganz laut Nelson etwas zurueckgenommen, bestimmte aber im Grunde weiterhin die Haltung gegenueber Kunden.

Nelson zog die Konsequenzen und bestellte zum ersten Mal seit 1983 keine IBM-Rechner. Er ist damit bei weitem nicht der einzige. Andere Kunden klagen ueber zu lange Lieferfristen, vor allem bei dem PC-Betriebssystem OS/2, ueber weitgehende Gleichgueltigkeit gegenueber kundenspezifischen Beduerfnissen und insbesondere ueber den enormen buerokratischen Aufwand, der bei IBM betrieben wird, ein Dschungel, in dem man schnell die Orientierung verliert.

"The Wall Street Journal",

16. Dezember 1992

IBM May Lay Off Workers, Cut Dividend As Crisis Deepens

Auch bei der Langzeitstrategie von IBM gab es beunruhigende Signale. Laut Aussage von seiten des Finanzbereichsleiters ist fraglich, ob das Unternehmen die gesteckten finanziellen Ziele fuer Mitte der 90er Jahre erreichen kann. IBM-Chef John Akers hat zum ersten Mal unverbluemt in der Oeffentlichkeit ueber die schwindenden Hoffnungen im Mainframe-Bereich gesprochen.

Bei einem Treffen mit Wallstreet-Experten, bei dem die Probleme offen auf den Tisch gelegt wurden, haben Akers und andere fuehrende IBM-Manager eine lange Liste der Belastungen praesentiert, die auf das Unternehmen zukommen:

- Fuer das laufende Quartal erwartet IBM nur mehr ein ausgeglichenes Geschaeftsergebnis statt des urspruenglich von vielen Experten geschaetzten Reingewinns von 1,50 Dollar pro Aktie.

- Fuer das kommende Jahr sind die ersten Entlassungen seit mehreren Jahrzehnten vorgesehen, wenn das Geschaeft sich nicht deutlich belebt.

- Das Unternehmen hat die jaehrliche Dividende von 4,84 Dollar in Frage gestellt, die den Preis pro Aktie gestuetzt hatte.

- Beim Mainframe-Geschaeft, der wichtigsten Einnahmequelle des Unternehmens, ist ein unerwartet hoher Rueckgang der Einnahmen um zehn Prozent zu verzeichnen.

- Auf dem schon laenger Verluste einfahrenden europaeischen Markt, auf dem IBM massiv vertreten ist, ist auch weiterhin keine Belebung zu erkennen; der japanische Computermarkt scheint abzubroeckeln.

"Computergram",

16. Dezember 1992

Minigrams

Im Hinblick auf die Kuerzungen bei der IBM Corp. duerften die groessten Sorgen in Europa auf den Sueden Frankreichs zukommen, wo IBM France in Montpellier die Firma betreibt, die den europaeischen Markt mit Mainframes versorgt; Kuerzungen scheinen dort so gut wie sicher zu sein und koennten auch in Havant erfolgen. Sollte IBM jedoch irgendwo expandieren wollen, wird hoechstwahrscheinlich Glenrothes davon profitieren; Spanien, wo man kleine Mainframes herstellt, ist Verlierer, Italien, Hersteller von

AS/400- und RS/6000-Rechnern freut sich.

"Financial Times",

16. Dezember 1992

IBM to slash jobs and capacity

Die Ernsthaftigkeit der Krise, in der das weltweit groesste Computerunternehmen steckt, wurde deutlich, als IBM ankuendigte, dass zwei der wichtigsten Traditionen seiner Unternehmenspolitik - die Ausschuettung einer jaehrlichen Dividende und die Vermeidung von Entlassungen - nicht mehr gesichert seien.

Das Betriebsergebnis fuer das vierte Quartal ist gerade kostendeckend und liegt damit weit unter den Wallstreet- Erwartungen. IBM erklaerte dies damit, dass vor allem in Europa der Geschaeftsrueckgang unerwartet stark war, die Weltwirtschaft weiterhin schwach ist und Marktzwaenge die Hardwarepreise sinken lassen. Das Unternehmen wies darauf hin, dass diese unguenstigen Bedingungen 1993 anhalten werden.

Zu dieser letzten Sparrunde kommen dieses Jahr bisher 5,4 Milliarden Dollar Sonderrueckstellungen fuer Werkschliessungen und den Abbau von 40 000 Stellen. Die absolute Belastung von 11,4 Milliarden Dollar ist hoeher als die Einnahmen aller anderen Computerhersteller 1991 - ausgenommen Fujitsu, Digital Equipment und NEC.

"Financial Times",

16. Dezember 1992

Big Blue turns mean and lean to survive recession

Dennoch sind die Dringlichkeit der Probleme bei IBM und das Ausmass der Einsparungen erschreckend; selbst der zukuenftige Praesident Bill Clinton nahm im Rahmen einer von ihm geleiteten Wirtschaftskonferenz in Little Rock, Arkansas, dazu Stellung.

Er sagte, dass die Einsparungen bei IBM die enormen Zwaenge veranschaulichten, denen amerikanische Hersteller ausgesetzt seien. Clinton drueckte insbesondere seine Besorgnis darueber aus, dass IBM die Investitionen fuer die Produktentwicklung zusammenstreichen will.

Clinton wies darauf hin, dass die Kuerzungen um eine Milliarde Dollar in der Produktentwicklung gerade den Bereich betraefen, der keine Kuerzungen vertrage.

"Financial Times",

17. Dezember 1992

Half IBMs 25,000 job cuts to fail on European plants

IBM-Chef John Akers hat in New York Experten gegenueber erklaert, dass das Unternehmen seit Anfang Oktober auf dem europaeischen Markt "heftige und unerwartete" Einbrueche zu verzeichnen hat, eine Entwicklung, die unter den fuehrenden Managern Anlass zu grosser Sorge gegeben hat.

Zu den Niederlassungen, die von einer Verkleinerung oder gar Schliessung bedroht sind, gehoeren die Halbleiter-Hersteller in Corbeil-Essones in Frankreich sowie Sindelfingen, die Mainframe- Hersteller in Montpellier und Valencia sowie ein Unternehmen in Jarfalla, Schweden, das Drucker produziert. Bei der augenblicklichen Lage kann keines der Unternehmen Entlassungen ausschliessen.

Es ist zu erwarten, dass IBM versuchen wird, Ueberkapazitaeten bei Niederlassungen durch eine Verteilung der Herstellung in den Griff zu bekommen, im Bereich Halbleiter-Speicher zum Beispiel durch Zusammenarbeit mit Siemens. Daneben ist eine Herstellung auf Vertragsbasis fuer andere Unternehmen denkbar.

"Wall Street Journal",

17. Dezember 1992

IBM Shares Tumble by 7.6 On Pessimism Over Actions

Die Aktien der International Business Machines Corp. fielen weiterhin, nachdem unterschiedliche Beobachter und Experten der Computerbranche sich darin einig waren, dass auch die neuesten drastischen Umstrukturierungsmassnahmen des Unternehmens als Heilmittel fuer den angeschlagenen Computerriesen nicht ausreichen.

Mehrere Experten der Industrie bemerkten, dass IBM auch nach dem Entschluss, 25 000 Beschaeftigte aus den Lohnlisten zu streichen, noch mindestens 50 000 weitere Stellen abbauen muesste, um auf dem Computermarkt ueberlebensfaehig zu sein. Andere beklagten, dass IBM trotz der neuen aggressiven Einsparungen noch immer ein veraltetes buerokratisches System mit sich schleppt, das noch aus den Zeiten stammt, als das Unternehmen mit seinen Mainframes eine Monopolstellung innehatte. Und einige veraergerte Investoren riefen weiterhin nach einer neuen Unternehmensfuehrung, die den in Bedraengnis geratenen Vorstandsvorsitzenden John Akers ersetzen soll.

IBM brach auf spektakulaere Weise mit firmengeschichtlicher Strategie und Prinzipen, als das Unternehmen am Dienstag einraeumte, dass zu viele Ressourcen im schwaecher werdenden Mainframe-Geschaeft gebunden sind und daher Sonderrueckstellungen in Hoehe von sechs Milliarden Dollar zum weltweiten Abbau von Arbeitsplaetzen und Vermoegenswerten aufgebracht werden muessen. IBM erklaerte, dass die Dividende nicht laenger gesichert sei und dass die Stellenstreichungen zu den ersten Entlassungen seit 50 Jahren fuehren koennten. Es wurde ausserdem deutlich, dass sich die derzeitige Geschaeftslage in einem Tempo verschlechtert, das IBMs oberste Geschaeftsfuehrung in groesste Unruhe versetzt; ein Ende der Entwicklung ist nicht in Sicht.

"Computergram",

17. Dezember 1992

Minigrams

Branchenanalytiker beeilten sich, ihre Prognosen fuer die Gewinne zu stellen, die im naechsten Jahr pro Aktie zu erwarten sind. Dabei erwies sich Stephen Smith von Paine Webber als der pessimistischste - er gilt jedoch auch als der zuverlaessigste: Smith sagt lediglich 1,75 Dollar pro Aktie fuer 1993 voraus.

Die meisten Analytiker waren der Ansicht, dass die Umstrukturierung der IBM Corp. noch nicht abgeschlossen sei, und erwarten weitere Massnahmen. "Ich bin der Meinung, dass das Mainframe-Geschaeft und die damit verbundenen Probleme, mit denen IBM konfrontiert wird, grundlegend sind und sich wahrscheinlich 1993 vertiefen werden", sagte Smith.

"Das Mainframe-Geschaeft ist die wichtigste Einnahmequelle, und es wird sehr schwierig sein, die kritische Unternehmenssituation ueber Verbesserungen in anderen Bereichen zu entspannen."

"Computergram",

17. Dezember 1992

The IBM Tragedy: It Couldnt Happen To A Nicer Company

Der kritische Zustand, in dem sich das Unternehmen jetzt befindet, ist dennoch eine Tragoedie, eine Tragoedie fuer alle Staedte, in Amerika und weltweit, in denen IBM bisher der groesste Arbeitgeber war, eine Tragoedie fuer die verbleibenden Angestellten, die nun in einer duesteren, vom Gefuehl des Versagens gepraegten Atmosphaere arbeiten muessen, eine Tragoedie fuer all diejenigen DV- Manager, die es zu ihrem Lebensinhalt gemacht haben, alles ueber das Unternehmen, seine Produkte und seine Kultur zu erfahren, und die nun feststellen muessen, dass ihr schwer verdientes Wissen von schnell schwindendem Wert ist. Eine Tragoedie fuer all jene, deren Pensionsfonds und Versicherungen zu sehr auf die Aktien des Unternehmens gebaut haben.

Eine Tragoedie auch fuer die Kundschaft der derzeit meist franzoesischen Banken, die - was mittlerweile nicht mehr zu rechtfertigen ist - von verbleibenden Werten ausgingen, deswegen erhebliche Fonds in der Finanzierung von IBM-Mainframes festgelegt haben und daher im Moment nicht ueber das Geld zur Unterstuetzung neuer und vielversprechender Unternehmen verfuegen. Die Erklaerung, dass IBMs Probleme allein Weltwirtschaft seien, kann dabei kaum zufriedenstellen.

IBMs Sorgen sind in erster Linie auf Fehler des Unternehmens selbst zurueckzufuehren, die durch die Wirtschaftslage lediglich verschaerft wurden. Und das Versagen der IBM-Fuehrung besteht darin, dass sie nicht verstanden hat - und noch immer nicht versteht -, wie gross der Schaden ist, den die Geister der offenen Systeme angerichtet haben, die sie mit dem offenen Original-IBM-PC gerufen haben. Das bedeutet, dass sogar die AS/400 potentiell in Gefahr ist und nur dann weiterhin erfolgreich sein wird, wenn IBM den herstellerspezifischen Hemmschuh mit einem deutlichen Preisnachlass ausgleicht.

"Computerworld",

18. Dezember 1992

IBMs Restructuring - Too Little, Too Late?

Nach Aussage von Beobachtern ist die entscheidende Frage, ob IBM sich unter Beibehaltung eines umfassenden Zusammenhalts der vielen Unternehmensbereiche schnell genug vorwaertsbewegen kann, um wachstumsstarke Schluesselbereiche wie Software und Dienstleistungen zu nutzen und die Energie vom Mainframe-Markt auf neue Gebiete zu orientieren.

In der augenblicklichen Lage kann das Unternehmen sich Halbheiten und Zoegerlichkeiten auf keinen Fall erlauben.

"Wall Street Journal",

21. Dezember 1992

IBMs Chairman Calls Back Retired Executives for Help

Ein ueberraschendes Zeichen dafuer, dass IBMs Fuehrungsteam nicht stark genug ist, die wachsende Krise zu bewaeltigen, ist die Rueckkehr von zwei Vorstandsmitgliedern aus dem Ruhestand; sie sollen dem in Bedraengnis geratenen Vorstandsvorsitzenden John Akers bei der Fuehrung des Computerriesen helfen.

Es wurde nicht deutlich, ob der ungewoehnliche Schritt ein Signal dafuer ist, dass Akers angesichts der schlechter werdenden Unternehmenslage und der auf den tiefsten Stand seit elf Jahren gesunkenen Aktien nicht mehr die vollstaendige Unterstuetzung seines Vorstandes hat.

Einige IBM nahestehende Beobachter deuteten an, dass Akers mit der Wahl der beiden beliebten, vormals stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Paul Rizzo und Kaspar Cassani moeglicherweise seine Unterstuetzung durch den Vorstand zu festigen versucht.

"Wall Street Journal",

21. Dezember 1992

How IBMs Heirs Plan To

Expand Empires In Computer Industry

Der Generationenwechsel in der Computerindustrie weist eine merkwuerdige Symmetrie auf. Der schwerfaellige Koloss, die International Business Machines Corp., kurz: IBM, gibt die Fuehrung an zwei junge Aufsteiger ab, Intel und Microsoft, die er selber grossgezogen hat. Waehrend die IBM noch dabei ist, ihre Rolle in einer veraenderten Computerwelt zu definieren, bereiten die aggressiven Nachfolger bereits die Einfuehrung neuer Technologien vor, die aller Voraussicht nach zu Schrittmachern fuer die kommenden Jahre werden duerften.