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22.10.2004

IBM integriert Rational-Tools über Eclipse

Zwar arbeitet IBM Rational unter dem Codenamen Atlantic an der Vereinigung seiner Entwicklungswerkzeuge. Aber die verwirrende Vielfalt bleibt.

Von CW-Redakteur Sascha Alexander

Vor einiger Zeit begannen bei IBM Rational unter dem Codenamen "Atlantic" interne Arbeiten an einer neuen Entwicklungsplattform, die erstmals eine durchgängige und offene (standardbasierende) Basis für die IBM-Rational-Produkte schaffen soll.

Dieser Tage wurden nun Atlantic und seine Tools auf der IBM Software Development Technical Conference in Straßburg als "IBM Software Development Platform" (SDP) vorgestellt. Beginnend mit wieder einmal geänderten Produktbezeichnungen über eine Organisation der Tools nach Benutzerrollen, die Verschmelzung von bisherigen und zahlreichen neuen Features in den Werkzeugen bis hin zum technischen Unterbau, den künftig das quelloffene Java-basierende Eclipse-Framework stellt, stehen viele Veränderungen und Migrationsaufwand ins Haus. Die Freigabe der SDP ist für Anfang Dezember geplant.

Große Anleihen bei Open Source

Alle Entwicklungs-Tools basieren künftig auf den Kernbestandteilen von Eclipse 3.0. Diese wurde ursprünglich vom Hersteller initiiert und dient als quelloffenes Framework zum Aufbau von Programmierumgebungen (Zu Eclipse 3.0 siehe www.cowo.de/go/62402). Folgende Eclipse-Bestandteile finden sich in der SDP:

- die Java Development Tools und deren Benutzeroberfläche mit ihren Sichten (Views, Perspectives),

- das Rich Client Framework,

- die C Developer Tools für die C- und C++-Entwicklung,

- das Test-Framework "Hyades",

- das Enterprise Modeling Framework (EMF),

- sowie der Plugin-Mechanismus von Eclipse.

Vor allem die letzten beiden Bestandteile sollen die Integration des Rational-Portfolios möglich machen. So hilft EMF beim Aufbau einer einheitlichen Metadatenverwaltung, während sich neue intern oder von Partnern entwickelte Zusatzmodule für die SDP über standardisierte Plugins einfacher registrieren und einbinden lassen.

"Der wesentliche Grund für den Einsatz von Eclipse ist seine Offenheit. Wir werden ein erweiterbares Ökosystem haben, das sich durch unabhängige Softwarehäuser und Partner ergänzen lässt und Kunden einen Mehrwert bietet", erklärte Rationals Chief Technology Officer Lee Nackmann gegenüber der COMPUTERWOCHE. Partner und Entwickler müssen allerdings Plugins für die SDP als "Ready for Rational" zertifizieren lassen, da IBM Rational zusätzliche Guidelines sowie proprietäre APIs in den eigenen Tools berücksichtigt sehen will.

Die SDP besitze laut Nackmann "ein hohes Integrationsniveau" und könne anders als Best-of-Breed-Lösungen auf der Basis von Eclipse zusätzliche Tools beispielsweise Produkte wie "Clear Quest" für das Change-Management bieten. Allerdings konnte der Manager nicht im Einzelnen sagen, wie weit die versprochene Integration der jeweiligen Produkte heute schon reicht. Künftige Arbeiten müssten beispielsweise die Integrationssoftware "Websphere Business Integration Modeler" mit Eclipse-Technik ausstatten sowie die derzeit noch proprietären Repositories verschiedener Rational-Produkte in einer gemeinsamen, EMF-basierenden Datenhaltung vereinen. Ebenfalls sei geplant, Workflow-Technik von Lotus in spätere Versionen einzubringen, um die angestrebten Teamfunktionen für das gesamte Portfolio zu implementieren.

Tools nach Rollen sortiert

Zur besseren Orientierung sortiert der Hersteller die Tools nach Aufgaben im Projekt (siehe Grafik). So stehen dem Analysten, der laut IBM Rational für die Gestaltung von Geschäftsprozessen zuständig ist, künftig neben dem bisherigen Tool für die Prozessintegration "Websphere Business Integration Modeler & Monitor" auch der "Rational Software Modeler" zur Verfügung. Letzterer ist ein reines Modellierungswerkzeug, das die aktuelle Version 2.0 der Unified Modeling Language (UML) verwendet und Patterns nutzt. Softwarearchitekten sollen hingegen Gefallen am Tool "Rational Software Architect" finden. Dieses bietet weitgehend die Funktionen der bisherigen Werkzeuge "Rational Rose" und "Rational XDE for Java" und soll bei der Gestaltung und modellgetriebenen Generierung von Java- und C++-Anwendungen dienen. Manager Nackmann erklärte, dass Kunden, die das weitverbreitete Rose oder XDE einsetzen, weiter Support erhielten. Kommende Features würden indes nur in die neuen Produkte eingehen. Zudem betonte Nackmann, dass die XDE-Variante für Microsofts Visual Studio .NET als separates, nicht Eclipse-basierendes Angebot bestehen bleibe. Noch nicht restlos geklärt ist hingegen, wie IBM den Kunden bei einer Migration ihrer Projekte helfen will. So hieß es auf der Veranstaltung, dass eine Migration von Anwendungsmodellen aus Rose oder XDE auf die neuen Produkte problemlos sei, sofern sie den Spezifikationen von UML 1.X entsprechen. Skripte, wie sie beispielsweise Rose nutzt, müssten indes neu implementiert werden.

Nachfolger für Websphere Studio

Als weitere Benutzergruppe können Entwickler fortan zwischen den Produkten "Rational Application Developer for Websphere Software" und "Rational Web Developer for Websphere Software" wählen. Sie lösen die Java-Entwicklungsumgebungen "Websphere Studio Application Developer" (WSAD) und "Websphere Studio Site Developer" ab. Anders als die Rational-Produkte basiert WSAD bereits auf Eclipse, so dass eine Migration weitgehend problemlos sei, sagt Nackmann. Auch gebe es weiter Support. Dies schließe die "Enterprise Edition" sowie die "Integration Edition" ein. Offiziell soll die aktuelle Version 5.1 von WSAD noch bis mindestens September 2007 unterstützt werden.

Während der Rational Web Developer in erster Linie zur Generierung und dem Testen von Web-Anwendungen und Web-Services dient bietet der Rational Application Developer for Websphere eine umfassendere integrierte Entwicklungsumgebung. Sie ermöglicht den Entwurf, die Programmierung, Analyse, den Test und das Profiling von Anwendungen gemäß der Java 2 Enterprise Edition (J2EE) sowie von Web-, Web-Services und Portallösungen. Im Lieferumfang enthalten ist der Java-Applikations-Server "Websphere", der aber ohne Zusatzlizenz nur für Testzwecke und Piloten nutzbar ist.

Im Sommer hatte IBM mit Version 5.1.2 von WSAD Neuerungen eingeführt, die die Produktivität der Anwender erhöhen sollen. So kamen insbesondere Tools für die Portalentwicklung, das Framework Java Server Faces zum schnelleren Aufbau von Web-Oberflächen und die Datenzugriffstechnik Service Data Objects hinzu.

Zudem wurde die in Version 5.0 eingeführte Enterprise Generation Language erweitert, eine 4GL-Sprache, die Programmierern ohne umfassende Java-Kenntnisse bei der Anwendungsentwicklung helfen soll. In Straßburg wurde nun Version 6 des umbenannte Produkts angekündigt, das vor allem ein Arbeiten mit Version 1.4. von J2EE und Eclipse 3.0 ermöglichen wird.

Aus für den Rapid Developer

Ein unrühmliches Ende hat hingegen das erst letztes Jahr eingeführte Produkt "Rational Rapid Application Developer" genommen. Von Analysten und Fachpresse gelobt, wurde das Produkt, das eine modell- und patterngetriebe Entwicklung mit Features für Rapid Application Development und Anwendungsintegration kombinierte, laut Insidern schon länger nicht mehr vermarktet. Angeblich passt es nicht zur neuen Produktstrategie.

Veränderungen stehen auch der Anwendergruppe der Tester bevor. So bleibt zwar der "Rational Perfomance Tester" erhalten. Das Tool "Rational Robot" taucht indes nicht mehr auf und aus "Rational Functional Tester for Java und Web" wird der "Rational Functional & Manual Tester". Letzterer basiert künftig auf dem Hyades-Projekt, einem Eclipse-Framework für Test, Monitoring und Performance-Messung von Java-Anwendungen (Profiling).

Mehr Features für .NET

Zudem kommt ein Werkzeug für das Erstellen und Dokumentieren manueller Tests hinzu, und es lassen sich fehlerhafte Design Patterns identifizieren sowie Funktionstests auch in Visual Studio.NET machen. Keine Neuerungen wurden indes für die Tools für den Deployment-Manager angekündigt, die weiter als "Tivoli Monitoring" und "Tivoli Configuration Manager"erhältlich sind.

Schließlich soll die nicht Eclipse-basierende "IBM Rational Team Unifying Platform" Projekt-Manager über eine Reihe von Infrastruktur-Tools Überblick über Ressourcen, Anforderungen und andere wichtige Projektdaten verschaffen. Wie sie mit den übrigen SDP-Komponenten kombiniert werden soll, ist noch offen. Beispiele wie die Nutzung des Eclipse-GUIs mit der Software "Clear Quest" zeigten jedoch, dass auch hier Arbeiten unterwegs sind. Parallel dazu sind in diesem Quartal Updates geplant, die unter anderem einen leistungsfähigeren WAN-Client für Clear Quest und das Tool für das Anforderungs-Management "Clear Case" vorsehen.

Herstellervertreter betonten in Straßburg, dass der Umstieg auf SDP ein mehrjähriger Prozess sei. Zusatz-Features in den neuen Produkten und Migrationsangebote einschließlich Preisnachlässen und spezieller Services sollen die Anwender zum Wechsel motivieren. Laut Insidern können zudem einige Upgrades kostenlos lizenziert werden, sofern ein Wartungsvertrag besteht. Auch erlaube es Eclipse, Tools sukzessive nachzuinstallieren. Laut Technikchef Lee Nackmann ist der Umstieg auf Java keine Absage an Microsoft. Man werde aber künftig "in starker Konkurrenz" zueinander stehen, da Microsoft an eigenen Tools für das Lifecycle-Management arbeite und mit dem "Visual Team System" einen ersten Vorgeschmack gegeben habe.

Fazit: Ein großer Schritt vorwärts

IBM Rationals Portfolio an Entwicklungswerkzeugen bleibt auch mit der Neuordnung unübersichtlich. Zwar erhalten die Java-Tools von Websphere Studio und die Rational-Produkte mit Eclipse erstmals eine gemeinsame und standardisierte Basis. Doch wird die vollständige Integration der Tools untereinander und mit denen aus anderen Softwaresparten des Herstellers noch Jahre dauern. Auf die rund 600000 Rational-Entwickler kommen derweil neue Techniken und möglicherweise schwierige Migrationen ihrer Projekte zu.

Abb: Project Manager

IBM Rationals Portfolio ist künftig nach Rollen im Entwicklungsprojekt gegliedert. Die gemeinsame und erweiterbare Basis der Tools stellt das Eclipse-Framework. Die Teamfunktionen sind nicht vollständig integriert. Quelle: IBM