Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

08.11.1985 - 

Reaktionen auf das LAN-Announcement vom 15. Oktober

IBM ist eine Antwort schuldig geblieben

MÜNCHEN (bi) - Selbstbewußt geben sich auch die kleineren Mitbewerber der IBM, erst recht jetzt nach dem "enttäuschenden" Announcement des Token-Ring als PC-Net-Alternative. Drei Stimmen im Originalton von der Systems: "Nur die Spitze des Eisbergs. IBM ist uns noch Antworten schuldig geblieben", sagt Dieter Steinle von der Tele-Consulting, Gäufelden. "Der Anwender nimmt das Announcement nicht allzu ernst", registrierte Peter J. Mikutta von der Telemation. Frankfurt. "Im Mikro-Netz-Markt ist man relativ unabhängig von der IBM", so Jürgen Kettler, Consultant in Lenggries.

Die Ankündigung der IBM vom 15. Oktober ist wiederum nur eine weitere Portion des Kuchens, der von IBM in Richtung Bürokommunikation wohl beabsichtigt ist. In meinen Augen ist das enttäuschend, daß nur eine Token-Ring-Adapterkarte für die PCs angekündigt wurde und daß im Grunde nur ganz verstohlen angedeutet wurde, daß man auch Prozessoren langfristig anschließen könnte, vermutlich auch irgendwelche direkten Steuereinheiten. Aber das sind alles Vermutungen.

Was konkret vorhanden ist, ist lediglich die PC-Adapterkarte für die ganze Palette der IBM PC. Selbst für die Serie/1 braucht man dazwischen ja einen PC. Das Ganze ist also nicht das, was der durchschnittliche IBM-Anwender erwartet, um nun in seinem Büro-Environment mit Hilfe dieses Netzes und entsprechenden Arbeitsplatzstationen Bürokommunikation im Sinne von IBM zu etablieren. Die Gründe für diese Vorgehensweise der IBM sehe ich darin, daß die IBM natürlich ein Interesse hat, den PC-Absatz anzukurbeln und durch eine Vernetzung von PCs, die entsprechend betriebssicher ist - bekanntlich nicht ausfallsicher - und dessen Durchsatzmächtigkeit auch ausreichend ist, ein solches Geschäft auch sehr wohl ankurbeln kann. Allerdings ist es wohl so, daß das, was wir jetzt gesehen haben, wiederum die nächste Schicht des Eisbergs ist Die Spitze war ja das Verkabelungssystem, jetzt kommt der nächste Teil zum Vorschein, die Token-Ring-Adapter-Karte. Ich bin davon überzeugt, daß da noch sehr viel unter der Wasseroberfläche ist.

Ein Grund, warum die IBM das alles nur in Portionen bringt, liegt vielleicht auch darin, daß die Unsicherheit, wie die Benutzer solche Methoden annehmen, groß ist. Auch stellt sich die Frage, wie die Vernetzungs-Philosophie integriert werden kann n ein nach wie vor stark Host-orientiertes Informationsverarbeitungskonzept. Mit anderen Worten: Die IBM ist da mit sich selbst noch nicht ganz einig. Soll sie nun der vollkommenen Dezentralisierung unabhängiger Komponenten das Wort reden oder schafft sie die Kurve, daß dennoch genügend Transaktionen zum Host gehen, dort verarbeitet und abgespeichert werden?

Dazu kommt noch, daß das 3270-Verfahren eigentlich gar nicht LAN-gerecht ist. Andererseits kann die IBM dieses Protokoll ja nicht antasten, weil sie zu viele Investitionen gefährdet bei sich, bei ihren Anwendern, aber auch im Wettbewerb.

Die bisherigen kleineren PC-Netz-Anbieter werden nun sagen: Die IBM hat diesen Weg abgesegnet. Ihr könnt also ruhig vernetzen! Das ist gerechtfertigt. Wenn ein Anwender entschieden hat, daß er eine größere Anzahl von PCs als Arbeitsplatzstationen einsetzen will, die Kommunikationsfunktionen zum Host oder untereinander brauchen, dann ist mit diesem IBM-Announcement dieser Weg zusätzlich verstärkt worden.

Jetzt haben wir zwei PC-Netze: Eines mit CSMA/CD und eines mit Token-Ring. Der Benutzer wird fragen, was soll das? Token-Ring wurde immer als das unheimlich mächtige, flexible Instrument dargestellt, und jetzt wird diese Kanone quasi für Spatzen, also für PCs verwendet. Das ist doch ein Widerspruch!

Ich würde den Anwendern empfehlen, ein Universal-LAN zu installieren und als Untermenge darauf ein PC-Netz abzubilden. Die IBM hat mit diesem Announcement zunächst einmal den LAN-Gedanken verstärkt; daß sie nicht mehr gebracht hat, ist bedauerlich. Andererseits ist damit das LAN hoffähig geworden, zumindest als Alternative zur digitalen Nebenstellenanlage. Auch da ist uns die IBM ja noch eine Antwort schulde geblieben.

Peter J. Mikutta, Telemation, Frnakfurt

Das IBM-Token-Netz stellt eine interessante Bereicherung dar. Aber ich glaube einfach, daß die Anforderungen, die an lokale Netze zur Zeit gestellt werden, praktisch wesentlich größer sind, als IBM dies nur durch ihr Announcement abdecken kann, daß also der Markt und die Nachfrage so groß sind, daß es für alle Systeme, die es zur Zeit gibt, auch weiterhin eine gute Nachfrage geben wird.

IBM ist recht spät in diesen Markt eingestiegen. Es hat sich bereits ein eigenständiger Markt entwickelt. Jeder weiß außerdem, daß eine Ankündigung noch keine Realisation bei IBM bedeutet, daß noch viel Wasser den Rhein runterfließen wird, bis da wirklich mal die ersten Installationen Hard- und Software-mäßig von IBM abgedeckt werden. Tenor: Bereicherung des Marktes. An eine Störung des gegenwärtigen Geschäfts glaube ich nicht. Es ist einfach eine geschickte Politik von IBM, jetzt zur Systems auch was anzukündigen. Gemunkelt wird ja schon seit zwei Jahren. Das ist ein politisches Thema. Der Anwender nimmt das Announcement nicht allzu ernst!

Dieter Steinle, Tele-Consulting GmbH, Gäufelden

Jürgen Kettler, EDV-Consulting, Lenggries

Über das Token-Netz der IBM sind wir noch gar nicht so im Detail informiert. Die Konkurrenzprodukte, die interessieren uns nur sehr am Rande. Wir sind da sehr selbstbewußt bezüglich unseres Produktes.

Wir sind im Low-cost-Bereich angesiedelt. Und da sind wir bei den Stärksten. Im Mikro-Netz-Markt ist man relativ unabhängig von IBM, weil sich bereits ein eigener Markt entwickelt hat. Natürlich muß man unterscheiden: Kunden, die sehr stark IBM-minded sind und blockiert durch die verschiedenen Announcements. Alle, die sehr stark eingestiegen sind, zum Beispiel bei Olivetti, NCR oder Triumph-Adler, - in diese Leistungsklasse von PCs -, die sind sehr offen, und da gibt es etliche gute Alternativen zu IBM.