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Marktführer nutzt Berliner Kongreß für Software-Rundumschlag

IBM: Jetzt Btx-Phalanx vom PC bis zur 308X

23.11.1984

BERLIN - Eigentliche Neuigkeit des diesjährigen Btx-Kongreßes der IBM war der PC (XT/AT) als Btx-fähiges, multifunktionales Endgerät mittels einer selbstentwickelten Adapterkarte, die den auf Software basierenden Cept-Decoder unterstützt. Zum Editieren bleibt freilich Loewe-Equipment notwendig; der DV/Btx-umschaltbare Spezialmonitor ist eine Grundig-Entwicklung. Als Plattform für ein Grundsatzreferat nutzte heuer Staatssekretär und Postillion Winfried Florian das IBM-Forum.

Die tragende Rolle spielte jedoch in Berlin das Thema Externe Rechner-Software für die Systeme /1, ferner 4300 unter DOS/VSE - erst am 25. Oktober angekündigt - und für die Systeme 4361/81 sowie 303X und 308X unter MVS/370 und MVS/XA(siehe Tabelle auf Seite 26).

Die Phalanx der 1985 verfügbaren Btx-Produkte (Februar und August) des damit wohl auch im Endgeräte- und Externen Rechner-Sektor mit einem Schlag dominierenden Marktführers soll offenbar das gesamte Spektrum kommerzieller Anwendungen von Btx zunächst einmal der bisherigen IBM-Kunden abdecken. Deutlich wird dies insbesondere bei den Softwareangeboten für die Doppel-Nutzung vorhandener Datenbanken in Externen Rechner-Anwendungen.

Neukunden erwarten sich Big Blue vor allem für seine PC. Branchenkenner behaupten, daß im Werk Hannover schon ab Januar nächsten Jahres 1000 bis 1500 Btx-PCs im Monat vom Band laufen werden. Die Preisschwelle für Erstandwender, die über den Btx-Dienst der Post gewonnen werden könnten, bleibt jedoch immer noch sehr hoch.

Das multifunktionale Btx-Terminal des Markt-Pioniers Loewe Opta, das bereits im Dezember ausgeliefert wird, liegt mit einem Preis von zirka 9000 Mark deutlich unter dem einer "vergleichbaren" PC-Konfiguration des Marktführers. Mit 13 000 Mark beziffern Kenner den entsprechenden PC-Aufwand. Gleichwohl war von den Besuchern des Btx-Spektakels an der Spree zu hören, daß nun endlich die ersehnte Konkurrenz auf dem Markt professioneller Endgeräte da sei.

Leichte Akzentverschiebungen in Wertung und Prognosen der Deutschen Bundespost waren aus dem Vortrag von Staatssekretär Winfried Florian herauszuhören. So wüßte man inzwischen, daß Btx keine Kommunikations-Revolution auslösen könnte. Jedoch werde der schnelle Btx-Zugriff auf bestehende Datenverarbeitungssysteme den Postdienst zu einem "universellen Instrument" machen. Technische Probleme würden die Post nun nicht mehr belasten.

Florian mußte eine ungünstige Lage auf dem Markt einfacher Teilnehmerendgeräte feststellen. Er verwies auf den von der Philips-Tochter Valvo entwickelten hochintegrierten Cept-Decoder, der immer noch nicht zur allgemeinen Verfügung steht, hoffentlich jedoch "in einigen Wochen in dann entgültiger Form. Leider wird durch diese Situation auch die Teilnehmerentwicklung beeinträchtigt" bedauerte er .

Inzischen sei immerhin der Ausbauplan des Jahres 1982 wieder eingeholt worden. Zehn Btx-A-Vermittlungsstellen laufen demzufolge; Köln und Saarbrücken würden in den nächsten Tagen folgen. Über 90 Prozent aller interessierten Btx-Teilnehmer könnten deshalb schon in diesem Jahr versorgt werden. Mit über 6000 Netzzugängen werde im Dezember sogar eine Systemkapazität installiert sein, als die ursprüngliche Planung vorsah. Florian versprach unter anderem, den Einlauf der Btx-Seiten, der vielfach als zu langsam angesehen wird, bis Februar 1985 zu beschleunigen.

Offene Fragen bleiben, was die Datex-P-Entwicklung anlangt, sowohl im Hinblick auf die Ausschreibung eines neuen Netzes als auch, was die Tarife des künftigen Datex-P anlangt; verabschiedet sind diese sind diese nämlich nur bis 1987 - so daß ein Jahr nach Wirksamwerden der vollen Btx-Gebühren, die ab 86 zu zahlen sind, schon wieder eine Teuerung für die Btx-Anwender und -Teilnehmer ins Haus stehen könnte, so einige Zuhörer. An eine Ermäßigung im Zusammenhang mit dem ISDN (Dienste-integrierendes digitales Fernsprechnetz) mag so recht niemand glauben. Ein Hinweis des Post-Abgesandten auf ISDN fehlte nicht: Der serienmäßige Aufbau soll 1987/88 beginnen.

Nicht allzusehr beruhigen konnte die wenigen Insider auf dem Kundenkongreß die Bemerkung des Postmannes, daß die Schnittstellen des Btx-Dienstes zu den Teilnehmer-endgeräten und zu den externen Rechnern festgeschrieben sind. Denn es folgte prompt der Hinweis, daß für den Rechnerverbund internationale Protokolle verabschiedet werden könnten. Garantiert sind die jetztigen Protokolle "bis mindestens 1988. "

Vor diesem unsicheren mittelfristigen Planungshorizont sah der Staatssekretär indes immer noch ausreichende Freiräume für zusätzliche Funktionen der Endgeräte.

Will man den weiteren Ausführungen Florians folgen, so bleibt nur noch eine offene Frage: "Wie wird die Teilnehmerentwicklung bei Bildschirmtext tatsächlich verlaufen?" Nach einem relativ neuen Prognosemodell, das speziell für die Bundespost entwickelt worden sei, "werden wir 1990 mit etwa 3 Millionen Btx-Teilnehmern rechnen können und danach einen wahren Boom erleben". Soweit die Annahmen.

Um diese Entwicklung nun in Schwung zu bringen, bedürfe es gemeinsamer Werbe-Aktivitäten von Post, Industrie und Anbietern. Offenbar soll hier der Arbeitskreis der Btx-Anbieter-Vereinigung in erster Linie tätig werden.

Negative Berichterstattung in der Presse beklagte der Mann aus dem Postministerium besonders im Hinblick auf das Thema Datenschutz. Er betonte deshalb, "daß die Deutsche Bundespost den Datenschutz bei Bildschirmtext gewährleistet und daß Sie den materiellen Forderungen des Btx-Staatsvertrages der Länder voll Rechnung trägt." Hier setzt Florian auch stark auf die Chipkarte: "Dabei wird eine Lösung angestrebt, die einen universellen Einsatz der Chipkarte auch die Identifizierungen in anderen sensiblen Anwendungsbereichen ermöglicht".

Zur Zeit werde an vielen Stellen an der Realisierung von Btx-Anwendungen gearbeitet; dies zeige sich an den bisher vorliegenden 180 Anmeldungen für Rechnerverbund.

Angeschlossen seien derzeit 24 externe Rechner.