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28.04.1978 - 

Die Gunst der Stunde:

IBM jetzt untreu werden?

IBMs Zögern, die "E-Serie" anzukündigen, war auch in Hannover stets wiederkehrendes Gesprächsthema. Während die Anwender durch die IBM-Politik verunsichert werden, nutzt die Mainframekonkurrenz die Gunst der Stunde und versucht, das Zögern IBMs in erfolgreiche Ablösepolitik umzumünzen. Die Strategie der IBM-Mitbewerber sollte mit diesem Thema der Woche umrissen werden. Die Antworten, die die Computerwoche auf den Ständen im CeBIT einsammelte, sprechen für sich - und die Treffsicherheit der abgefeuerten Marketing-Schrapnells.

Dr. Hans-Joachim Bohn

Direktor Marketing Siemens AG

Der rasche Fortschritt der Rechnertechnologie führt zu Datenverarbeitungssystemen, die

- organisationsgerecht dem Arbeitsplatz zugewendet sind und die es ermöglichen,

- die Verarbeitungsleistung anwendungsgerecht im individuellen Einsatzfall betriebsoptimal zu nutzen.

Dies erleichtert es, die Verarbeitungsleistung dorthin auszufächern, wo sie originär benötigt wird.

In selbständigen Einheiten oder im Netzverbund werden Rechenleistungen ermöglicht; die Vielseitigkeit der Datenfernverarbeitungskomponenten trägt dazu immer mehr bei.

Der Anwender, besonders auch der neu hinzukommende Interessent, erhält die Möglichkeit, eher als bisher erwartet, sich der Datenverarbeitung zuzuwenden.

Das Haus Siemens erweitert daher sein Angebotsspektrum mit Nachdruck auch im Hinblick auf diesen Marktsektor und bietet damit dem Interessenten an, den technologischen Fortschritt voll zu nutzen.

Sie werden in Kürze mehr aus dem Hause Siemens hierzu hören. Man spricht u. a. auch von Anlagen, die Computerleistung peripher am Arbeitsplatz zur Verfügung stellen, die bisher großen zentralen Universalrechnern vorbehalten waren. Mit vollem Datenbankzugriff, leistungsstarkem virtuellen Betriebssystem, einer wesentlich vereinfachten Handhabung und Benutzeroberfläche versehen, sollen diese Anlagen in gewohnter Arbeitsplatzumgebung einsetzbar sein.

Dabei werden diese Systeme besonders preisgünstig sein. Auch sie werden mit den Bedürfnissen des Anwenders wachsen können; zu höheren Leistungs- und Ausbaustufen ebenso wie zu erweitertem Betriebsmodus. Vernetzbar und dialogfähig bieten sie sowohl dem neuen DV-Anwender als auch denjenigen, die zur Zeit mit Anlagen anderer Hersteller arbeiten, besonders wirtschaftliche, zukunftsorientierte Lösungen.

Gerd Grobbink

Geschäftsführer ICL Deutschland,

Nürnberg

ICL hat bereits in der Vergangenheit erfolgreich IBM-Systeme abgelöst und wird speziell in dieser Situation den Anwendern eine leistungsfähige Alternative bieten. Ich denke beispielsweise an die ICL-Systeme 2903, 2904, 2950, 2960, 2970, die sich alle durch ein attraktives Preis/Leistungsverhältnis auszeichnen. Hinzu kommen moderne Betriebssysteme, wie VME/K und VME/B (Virtual Machine Environment), die gerade wegen ihres Designs den Benutzern ein Höchstmaß an Leistungsfähigkeit und Sicherheit garantieren.

Aus umfangreicher eigener praktischer Erfahrung wissen wir, daß die Umstellung von den Systemen /3 und /370 auf die 2900-Serie von ICL problemlos bewältigt werden kann, zumal Umstellungs-Software zur Verfügung steht und der Unterschied in den Programmiersprachen Cobol, Fortran, RPG auf den IBM- und ICL-Anlagen relativ gering ist.

Anwender aus diesem Bereich sind erfahren genug, in dieser Situation richtig zu reagieren. ICL ist in der Lage, mit einer breiten und leistungsfähigen Produktpalette in jedem Falle ein überzeugendes Angebot zu unterbreiten .

Dieter Frank

Vertriebsleiter Honeywell Bull AG

Die Verschiebung der Ankündigung der 370-Nachfolgemaschinen gibt den Mitbewerbern der IBM zweifellos die Chance, installierte IBM-Systeme abzulösen. Honeywell Bull bietet im speziellen zwei Systeme mit verschiedenen Modellen für die Ablösung von IBM-Systemen an: Einmal die 62 mit den Modellen 20, 40, 50 und 60 sowie das System 64 mit den Modellen 20, 30, 40, 50 und 60. Beide Systeme sind, was RPG betrifft, voll kompatibel. Dasselbe gilt für Cobol. Assembler-Kompatibilität besteht nur bei der 64. Es besteht ein erheblicher Preis-/Leistungsvorteil bei vergleichbaren Modellen, den der Anwender in zwei Richtungen nutzen kann: Erstens kann er für den gleichen Preis wesentlich mehr Leistung einsetzen oder bei gleicher Leistung einen wesentlich günstigeren Preis erzielen. Umstellungsprobleme im Batchbereich gibt es nicht wegen der großen Kompatibilität der Systeme. In unserem Bereich ist sowohl bei der 62 als auch bei der 64 ein Online-Betriebssystem mit allen der heutigen Technologie entsprechenden Möglichkeiten vorhanden. Honeywell Bull ist bereit, bei der Umstellung von installierten Online-Systemen mit Hand anzulegen und Verantwortung zu übernehmen. Sowohl für die 62 als auch für die 64 sind in den vergangenen 24 Monaten viele gelungene Umstellungen nachzuweisen. Grund für die Ablösung der Mitwerbersysteme auch Sicht des Kunden waren - neben dem besseren Preis-/Leistungsverhältnis - die größeren Möglichkeiten im bezug auf Multiprogramming sowie Online-Anwendungen der 62 und der 64. Aufgrund der Ankündigung der 66 DPS-Modelle, die im Preis-/Leistungsverhältnis absolut vergleichbar find mit den 30er Prozessoren der IBM, hoffen wir, daß - verbunden mit den kurzen Lieferzeiten dieser Modelle - auch hier ein Geschäftszuwachs zu verzeichnen sein wird. Wir wünschen uns, daß sich die Benutzer nicht passiv, sondern aggressiv verhalten .

Dieter Gallist

Director Marketing Services NCR

Im Bereich der Systemgrößenklassen 370/115 und 370/125 findet derzeit ein echter Kampf ist jeder Mitbewerber beteiligt. Speziell für die Konkurrenz auf dem Software-Sektor bieten sich jetzt gute Voraussetzungen, in stärkerem Maße IBM-Systeme abzulösen. In der Vergangenheit gab es ja eine "erzwungene Loyalität": Der Anwender konnte - selbst wenn er wollte - nicht wechseln, weil ein System, das über Jahre hinweg gewachsen war, nur sehr schwer von einem Hersteller auf den anderen übertragbar war. Durch die Entwicklungen auf dem Software-Sektor sowie das Näherrücken der Produkte, ist es für den Anwender leichter geworden, den Hersteller zu wechseln. Einheitliche Programmiersprachen bringen zwar eine Erleichterung, aber immer wieder muß man feststellen - selbst wenn der Hersteller A und der Hersteller B Cobol verwenden - ist das eine noch lange nicht identisch mit dem anderen. Dennoch: Die Produkte rücken immer näher zusammen, was zu einer gewissen Produktidentität führt. Eine andere Möglichkeit, Systeme anderer Hersteller abzulösen, ist, echte Software-Umstellungs-Tools zur Verfügung zu stellen, die ein bestehendes Programm auf eine entsprechende Idealsprache vom anderen Hersteller umsetzen.

Mit der Technologie der heutigen Zeit wäre es uns jederzeit möglich, unsere Maschine total so wie die IBM-Maschine aussehen zu lassen. Das wäre die totale Umstellungshilfe.

Das obere Ende der Konkurrenzsysteme folgt bei einer Ablösung jedoch eigenen Gesetzen: Hier ist eine Umstellung wesentlich kritischer, da muß genau selektiert werden, welche Fälle man "angeht". Denn in diesen Größenordnungen sind Anlagen und Anwendungen so komplex, daß selbst die IBM Schwierigkeiten hat, ihre Leute nach ganz oben zu führen. Eine derartige Ablösung wäre von höchstem Risiko für alle Beteiligten.

Für uns ist es viel interessanter, kleine Systeme abzulösen und diese mit unseren Produkten nach oben zu führen.

Grundsätzlich ist es heute durch den Fortschritt der Technologie und das Verhalten des Marktführers zweifelsohne leichter denn je, Anwender kleinerer IBM-Systeme zu einer Umstellung zu bewegen. Denn auf alle Fälle ist die erzwungene Loyalität reduziert.

Josef Pecher

Marketingdirektor Sperry Univac

Den angesprochenen Leistungsbereich deckt Sperry Univac vollständig mit den Modellen 90/25 und 90/30 der OS/3-Systemfamilie und der zur Hannover Messe 1978 angekündigten Sperry Univac 90/40 ab. Von der OS/3, Systemfamilie sind weltweit mittlerweile mehr als 2000 Systeme unter Vertrag. Die Hälfte davon geht Kunden, die vorher keinen Sperry Univac-Computer im Einsatz hatten. Hauptsächlich wurden IBM-Systeme mit der 90/30 abgelöst, vorwiegend Modelle der Serie /360 beziehungsweise /370 und des System 3.

Wir stellen eine zunehmende Verunsicherung der IBM-Basis im angesprochenen Leistungsbereich der Modelle 370/115 und 370/125 und der großen Modelle des System 3 fest - da dieser Kundenbasis von ihrem Hersteller derzeit keinerlei Planungshilfen für fällige Systementscheidungen zur Verfügung gestellt werden. Das bei den großen Modellen der Serie 303X praktizierte Zuteilungsverfahren verstärkt diese Unsicherheit. Die zur Hannover Messe 1978 neu angekündigte Sperry Univac 90/40 ist für diesen Kundenkreis eine hochinteressante, weitgehend kompatible Alternative - zumal die Auslieferung der 90/40 im September 1978 beginnt.