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14.11.1986 - 

Währungskursbedingte Preisunterschiede können sparen helfen:

IBM-Jumbos sind in England am billigsten

LONDON/MÜNCHEN (CWN) - Anwender von IBM-Mainframes können zum Teil erhebliche Beträge sparen, wenn sie ihre Hardware nicht in der Bundesrepublik kaufen. Bei bestimmten Speichereinheiten liegen laut IDC Europa die britischen Listenpreise sogar unter den amerikanischen. In Deutschland zahlt der Kunde nach dem offiziellen Tarif bis zu 20 Prozent mehr.

Daß es sich für deutsche Anwender von Fall zu Fall lohnen kann, IBM Plattenspeicher oder Sierra-Rechner aus Großbritannien zu beziehen, hat die IDC Europa Ltd., London, herausgefunden. Nach Recherchen des Marktforschungsunternehmens verlangte Big Blue im Oktober für die Magnetplatten-Steuereinheit 3880-001 in den USA 60 270 Dollar, aber hierzulande umgerechnet 20,6 Prozent mehr - nämlich 154 810 Mark. Die englische IBM war indes mit 39 741 Pfund Sterling zufrieden; das Produkt war damit jenseits des Kanals sogar um ein Prozent billiger als in den Vereinigten Staaten. Wer in England orderte, sparte - Transport nicht gerechnet - etwa 40 000 Mark. Innerhalb der EG, so zeigen die IDC-Analysen, kann dies trotz Frachtkosten eine interessante Alternative sein.

Bei den Rechnern der Sierra-Klasse erweist sich, daß die Preisaufschläge für die einzelnen Länder nicht linear kalkuliert werden. Bei verschiedenen Modellen fällt auch der Aufpreis unterschiedlich stark aus. Während das 3090-Modell 150 in Stuttgart nur vier Prozent teurer war als in New York, betrug die Differenz bei der Version 200 stattliche 28 Prozent.

Schuld an der verqueren Preisstruktur trägt dabei gar nicht in erster Linie die IBM. Eine Harmonisierung der Konditionen hätte im Gegenteil auch Vorteile für den Konzern, denn aus dem Ausland importierte Rechner, für die sogar noch Gewährleistung übernommen werden muß, sind keiner Tochtergesellschaft willkommen. Doch in dem einen Markt sind Preiserhöhungen nur schwer durchsetzbar, und im anderen zöge eine Preissenkung fast zwangsläufig Aktivitäten der Kartellbehörden nach sich. Besonders die Kommissare der Europäischen Gemeinschaft wachen mit Argusaugen über das Gebaren von Ma Blue. So scheitern denn kräftige Nachlässe, die der IBM in manchem europäischen Land durchaus ins Konzept passen könnten, an der politischen Wirklichkeit.

"Die IBM könnte über den Preis beinahe jeden nationalen Champion in den Ruin treiben", urteilt ein hochrangiger Manager aus einem französischen DV-Anbieterunternehmen. "Doch dann gäbe es mächtig Zoff mit der EG." Jean Segonds, Marketingchef der ECS S.A., des größten Computerleasors in Frankreich, sieht ebenfalls die offiziellen Preise bereits an der unteren Grenze: "Hier in Europa kann die IBM das Risiko nicht eingehen, auf diesem Gebiet noch aggressiver zu sein." Sonst würde der Multi sicherlich wegen Mißbrauchs der marktbeherrschenden Stellung vor den Europäischen Gerichtshof zitiert werden, meint Segonds.

Langsam, aber sicher, so beobachten Mitbewerber und Leasingfirmen in verschiedenen europäischen Ländern, geht Big Blue nun zu Tricks bei den Rabatten über. Die Tochtergesellschaften, durch die Umstrukturierung der Euro-Organisation autonomer geworden, denken sich Begründungen aus, mit denen sie bestimmten Gruppen Sonderkonditionen einräumen können. In Frankreich, wo sich IBM mit einem besonders ausgeprägten nationalbewußten Kaufverhalten konfrontiert sieht, bekommen Dienststellen der Regierung neben dem normalen Rabatt sieben Punkte extra.

Der europäische Preisnachlaß wird in der Branche bei Großsystemen auf 10 bis 15 Prozent taxiert, bei Abnahme größerer Mengen auch höher. Eine Sprecherin der IBM-Europazentrale in Paris bemüht sich, Preisunterschiede bei Hardware herunterzuspielen: "Wir streben europaweit vergleichbare Preisniveaus für die gleichen Produkte an." Von japanischen Verhältnissen können hiesige Anwender wohl auch in Zukunft nur träumen: Dort holt man normalerweise 20 bis 40 Prozent des Listenpreises heraus.